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Einfache Laborwerte reichen Modell zeigt Covid-Sterbewahrscheinlichkeit

Krankenschwestern und Pflegekräfte arbeiten im besonders geschützten Teil der Intensivstation mit Corona-Patienten. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Patienten mit nicht so schweren Verläufen könnten schneller entlassen werden.

(Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild)

Wer sich mit dem Coronavirus infiziert, weiß nicht, ob ihm ein milder oder schwerer Krankheitsverlauf bevorsteht. Österreichische Wissenschaftler entwickeln nun jedoch einen Rechner, der dies bei Patienten anhand einfacher Laborwerte erkennt.

Österreichische Wissenschaftler haben ein Modell entwickelt, um Patienten mit zu erwartendem schweren Verlauf von denen mit zu erwartendem milden Verlauf zu unterscheiden. Das mathematische Modell benötige ausschließlich Routinedaten und keine aufwendige Zusatzdiagnostik, heißt es in der vorab veröffentlichten Studie der Medizinischen Universität Wien.

Es orientiert sich am Verlauf von drei Laborwerten - dem C-reaktiven Protein (CRP), dem Kreatinin und der Thrombozytenzahl im Blut. Zusammen mit dem Patientenalter und der Körpertemperatur am Aufnahmetag (über oder unter 38 Grad Celsius) lassen sich "günstigere Krankheitsverläufe von hospitalisierten Covid-19-Patienten mit hoher Treffsicherheit prognostizieren", so die Autoren.

Die Forschenden griffen auf Daten von 363 COVID-19-Überlebenden und 78 mit COVID-19 verstorbenen Krankenhauspatienten zurück. Sie waren in zwei verschiedenen österreichischen Kliniken behandelt worden. Die Infektionen mit Sars-CoV-2 waren bei allen mit einem PCR-Test festgestellt worden. Zum Vergleich wurden Daten aus einem schwedischen Krankenhaus herangezogen.

Gute Entscheidungshilfe

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Sowohl in Deutschland als auch in Österreich werden die zugrunde gelegten Laborwerte innerhalb der ersten vier Krankenhaustage als Routineinfektionsdiagnostik erfasst. Die zur Vorhersage herangezogenen Werte verändern sich den Autoren zufolge während des Krankenhausaufenthaltes vor allem bei Überlebenden und Nicht-Überlebenden sehr unterschiedlich.

Die entwickelte Formel erlaube, "die Sterbewahrscheinlichkeit von hospitalisierten Patienten mit Covid-19 zu schätzen", schreiben die Autoren. Besser funktioniert es jedoch anders herum. "Das Modell könnte als Entscheidungshilfe für eine frühere Entlassung von Patienten mit niedrigem Risiko verwendet werden, um die Belastung des Gesundheitssystems zu reduzieren", so die Autoren. Vor allem in Ländern, deren Gesundheitssysteme ihren Schwerpunkt auf der ambulanten Versorgung haben, könnte es auch dazu dienen, Patienten gezielt im Krankenhaus zu überwachen. Ihren Rechner machten die Wissenschaftler online für jeden zugänglich.

Quelle: ntv.de, sba