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Befristet bis Februar 2021 Covid-19-Urintest für Verlauf zugelassen

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Im Urin lässt sich ab dem ersten Tag der Covid-19-Diagnose ablesen, wie schwer die Krankheit verlaufen wird.

(Foto: imago/imagebroker)

Im Kampf gegen schwere Covid-19-Verläufe müssen viele Wege gegangen werden. Einer davon ist, möglichst früh die Infizierten zu erkennen, denen ein schwerer Krankheitsverlauf bevorsteht. Ein Urintest, der dabei hilft, ist nun zugelassen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat einen Urintest mit dem Namen DiaPt-CoV-50 bis zum 28. Februar 2021 zugelassen. Mit diesem Test soll es mit hoher statistischer Genauigkeit möglich sein, schon zu Beginn von Covid-19 den Verlauf der Erkrankung vorherzusagen. Auf diese Weise könnten "schwere Verläufe früher und gezielter behandelt und somit abgemildert werden", schreibt das Deutsche Ärzteblatt dazu. Damit könne das derzeit hoch belastete Gesundheitswesen entlastet werden.

Der befristet zugelassene Urintest folgt demselben Prinzip wie andere Urintests auch, die bereits zur Früherkennung chronischer Nierenerkrankungen, Herzinsuffizienz und Diabetes mellitus eingesetzt werden. Bei der sogenannten Proteomanalyse werden möglichst viele Proteine und Peptide aus der Körperflüssigkeit gewonnen, um durch die Charakterisierung von Größen wie beispielsweise Konzentration oder Masse ein Muster zu erkennen. Das wird wiederum mit charakteristischen Krankheitsmustern verglichen. Im Urin eines gesunden Menschen befinden sich zwischen 500 und 1500 Polypeptide.

Gute Studienergebnisse, hohe Hürden

Die befristete Sonderzulassung des BfArM beruht auf den Ergebnissen einer Studie, die vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegeben wurde. Für die Untersuchungen wurden Urinproben von 330 Patienten getestet. So konnte gezeigt werden, dass der Urintest mit fast 90-prozentiger Sicherheit den Verlauf von Covid-19 bereits in der Frühphase der Erkrankung vorhersagen kann. Dieser reicht von leicht über schwer bis sehr schwer. "Sowohl die Sensitivität als auch die Spezifität des Tests lagen bei 0,83", erklärte Studienleiter Joachim Beige, Chefarzt der Klinik für Nephrologie am Klinikum St. Georg in Leipzig. Im Vergleich zur rein klinischen Prognose des zu erwartenden Krankheitsverlaufs bringe der Test einen Zugewinn von rund 20 Prozent.

Durch das frühe Erkennen könnten zudem die Medikamente, die gegen Covid-19 zur Verfügung stehen, effizient eingesetzt werden, erläutert Beige weiter. Obwohl viele Argumente für den breiten Einsatz des Urintests sprechen, gibt es noch einige Hürden: Urinproben für die Tests können bisher weder in Kliniken noch bei Hausärzten entgegengenommen werden. Gemäß der Auflagen des BfArM können Urinproben für den Test deutschlandweit bisher nur in sogenannten STAKOB-Zentren in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Leipzig, Frankfurt/Main, München und Stuttgart abgegeben werden. STABKOB ist die Abkürzung für den "Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger" der beim Robert-Koch-Institut angesiedelt ist. Die Kosten dafür tragen nicht die Krankenkassen, sondern der Bund.

Die Untersuchung des Urins kann bisher nur in einem Speziallabor in Hannover durchgeführt werden. Ein Test kostet 850 Euro und ist damit ziemlich teuer. Das Bundesministerium für Gesundheit will diese Hürden überwinden und steht deshalb in Verhandlungen mit der Herstellerfirma. Diese wiederum bietet auf ihrer Internetseite an, Testkits auch an Privatpersonen zu schicken. Diese müssten dann aber aus eigener Tasche bezahlt werden.

Quelle: ntv.de, jaz