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Blick in unsere Zukunft Totes Planetensystem entdeckt

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Trostloses Ende: So könnte die Zukunft unseres Sonnensystems aussehen.

(Foto: University of Warwick/Mark Garlick)

Die Leiche eines Sterns wird von einem seltsamen Objekt umkreist. Forscher glauben, dass es sich dabei um den Kern eines früheren Planeten handelt. Das System in 410 Lichtjahren Entfernung könnte ein Ausblick auf das Schicksal unserer Erde sein.

Es könnte ein Blick in die Zukunft unseres Heimatplaneten sein - allerdings ein sehr unschöner: Forscher haben etwa 410 Lichtjahre von der Erde entfernt die Leiche eines Sterns entdeckt, die von den Überresten eines Planeten umkreist wird. Bei dem Stern handelt es sich um einen Weißen Zwerg. Es ist das, was von einem Stern von der Größe der Sonne nach Ende ihres Lebens übrig bleibt - gerade noch so groß wie die Erde. Vor rund 100 Million Jahren soll dieser nach der Explosion eines zum Roten Riesen aufgeblähten, einst sonnenähnlichen Sterns entstanden sein.

Das Objekt, das den toten Stern umkreist, besteht nur aus Metallen wie Eisen und Nickel. Seine genaue Größe ist unklar - sie könnte zwischen einem oder hunderten Kilometern liegen. Das Erstaunliche: Es handelt sich dabei wohl um den Kern eines früheren Gesteinsplaneten, wie die Erde einer ist - das jedenfalls vermuten die Wissenschaftler um den Astronom Christopher Manser von der britischen University of Warwick. Veröffentlicht haben sie ihre Ergebnisse im Magazin "Science".

Der Gesteinsmantel des Planeten wurde demnach bereits pulverisiert von den gewaltigen Gezeitenkräften, die auf den Körper einwirken. Denn das Objekt umkreist den Weißen Zwerg mit der Bezeichnung J1228+1040 in äußerst geringem Abstand - fast so nah, wie der Mond die Erde umkreist. Ein Umlauf dauert dabei nur unglaublich kurze zwei Stunden. Zugleich hat der Zombie-Stern trotz seiner geringen Größe immer noch eine gewaltige Masse - etwa 70 Prozent von unserer Sonne.

Reste erinnern an die Erde

"Die Schwerkraft des Weißen Zwergs ist etwa 100.000 Mal so stark wie die der Erde", sagt Astronom Manser laut Mitteilung der Universität. "Ein typischer Asteroid würde von der Schwerkraft auseinandergerissen, würde er dem Weißen Zwerg zu nahe kommen." Und so umkreist auch eine riesigen Scheibe aus Staub und Gas den toten Stern – mutmaßlich die Reste des zertrümmerten Gesteinsplaneten. Denn die Stoffe, welche die Forscher dort ausmachten - Eisen, Magnesium, Silizium und Sauerstoff - entsprechen den wichtigsten Bausteinen der Erde.

Die Astronomen machen daher auch keine Hoffnungen: Die Entdeckung dieses toten Planetensystems könnte dem entsprechen, was auch unserem Sonnensystem bevorsteht. "Die Sonne wird zu einem Roten Riesen anwachsen und den Großteil des inneren Sonnensystems 'säubern'", so Manser. Wenn sie danach schließlich wieder zu einem Weißen Zwerg zusammenfällt, wird wohl auch der letzte verbliebene Gesteinsplanet, der Mars, von den Gezeitenkräften der toten Sonne zerrieben. Allerdings dürften bis dahin noch mehr als fünf Milliarden Jahre vergehen - Menschen werden dies also vermutlich nicht mehr miterleben.

Quelle: n-tv.de

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