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Gefährlicher und infektiöser Was Delta als Variante so "erfolgreich" macht

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Ein Modell von Sars-CoV-2

(Foto: imago images/Christian Ohde)

Die Pandemie durch das Coronavirus hält an. Derzeit ist es die Delta-Variante, die sich vor allem in Europa und Nordamerika erfolgreich ausbreitet. Warum, wollen Forscher nun herausgefunden haben.

Die Corona-Infektionszahlen weltweit steigen wieder, meldet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem wöchentlichen Update. Eine treibende Kraft ist derzeit die Delta-Variante von Sars-CoV-2, die beispielsweise bei 98 Prozent der Infektionen in Deutschland nachweisbar ist und die Alpha-Variante in Europa weitestgehend vertrieben hat. Diese Virus-Variante vermehrt sich schneller im Körper von Infizierten und macht diese so früher infektiös im Vergleich zum Wildtyp und anderen Varianten.

Forscher haben deshalb die Alpha- und Delta-Varianten genau unter die Lupe genommen. Sie wollten wissen, warum sich Delta im Vergleich zur Vorgängervariante so gut durchsetzen kann. Das Team um Pei-Yong Shi von der University of Texas in Galveston fokussierte sich bei Delta auf eine Mutation, die als P681R bezeichnet wird. Diese befindet sich an der sogenannten Furinspaltstelle. Furin ist ein Enzym, dass sich auf der Oberfläche von Zellen befindet. Es ist für die Viren wichtig, denn es spaltet das Sars-CoV-2-Spikeprotein in zwei Teile. Nur durch diese Spaltung kann das Virus auch in die Zelle gelangen.

Dass Furin eine Schlüsselrolle im Infektionsprozess spielen könnte, haben Infektionsbiologen des Deutschen Primatenzentrums bereits im letzten Jahr vermutet. "Diese Spaltung ist für die Infektion von Lungenzellen unverzichtbar. Außerdem ist sie für die Verschmelzung von infizierten Zellen mit nicht-infizierten Zellen wichtig, ein weiterer Weg, wie sich das Virus im Körper ausbreiten könnte, ohne die Wirtszelle zu verlassen", schrieb das Forscherteam um Markus Hoffmann und Stefan Pöhlmann auf Healthcare in Europe.

Leichteres Eindringen in die Zelle

Dass die Mutation der Delta-Variante tatsächlich Vorteile für das Virus hat, bestätigt das Team um Shi mit dessen Ergebnissen. Im Rahmen einer Laborstudie infizierten die Forscher mehrere Zellen gleichzeitig mit Alpha- und Delta-Variante von Sars-CoV-2 und sahen, dass Viren mit der P681R-Mutation nicht nur leichter in die Zellen eindrangen, sondern sich nach einigen Tagen auch als Virusstamm durchsetzten.

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Um die Befunde zusätzlich zu stützen, versetzten die Forscher im Labor die Mutation in die ursprüngliche Form von Sars-CoV-2 zurück und sahen, dass das Virus nun keine Vorteile mehr gegenüber der Alpha-Variante hatte. Die Forscher, die ihre Ergebnisse als ungeprüftes Preprint veröffentlicht haben, schließen daraus, dass P681R verantwortlich für die hohe Übertragbarkeit der Delta-Variante ist.

In Kommentaren zu diesem Befund geben Forscher zu bedenken, dass auch die Kappa-Variante von Sars-CoV-2 die P681R-Mutation in sich trägt. Diese Variante, die genauso wie Delta erstmals in Indien nachgewiesen wurde, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Es könnte also sein, dass eine andere genetische Veränderung von Delta für die rasante Ausbreitung verantwortlich ist.

Quelle: ntv.de, jaz

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