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Von Alpha bis Zeta So unterscheiden sich die Corona-Mutanten

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Der Selektionsdruck für Sars-CoV-2 wird durch Geimpfte und Genesene immer größer. Das Coronavirus versucht deshalb, durch Mutationen in der Welt zu bestehen.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Das Coronavirus mutiert weiter. Immer neue Varianten bilden sich heraus und machen sich auf der Welt und in Deutschland breit. Doch wie viele gibt es inzwischen? Und wie gefährlich sind sie?

Ob Alpha, Beta oder Gamma - alle Varianten des Coronavirus sind durch eine oder mehrere Einzelmutationen entstanden. Dabei wird einer von knapp 30.000 genetischen Bausteinen hinzugefügt, ausgetauscht oder entfernt. Solche Mutationen können in allen Organismen vorkommen und haben in den meisten Fällen keine konkrete Auswirkung. Manchmal ist es jedoch möglich, dass sie bestimmte Eigenschaften verändern. Dadurch ist der Organismus besser oder schlechter an seine Umwelt angepasst.

Im Falle des Coronavirus führten zum Beispiel manche Mutationen des Spike-Proteins dazu, dass das Virus besser an den Zielrezeptor auf der Zellmembran andocken und in die Zellen eindringen konnte. So wird es ansteckender, weil weniger Viren aufgenommen werden müssen, um die Infektion erfolgreich auszulösen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO beobachtet diese besorgniserregenden Varianten - und ihre Liste wird immer länger. Doch welche Mutationen gibt es bislang? Wie gefährlich sind sie? Und welche Rolle spielen sie in Deutschland?

Alpha - B.1.1.7

Seit Dezember 2020 gilt Alpha laut der WHO als besorgniserregend klassifizierte Virus-Variante. Erstmals nachgewiesen wurde sie im September 2020 in Großbritannien. In Deutschland hat sich diese Linie im Frühjahr 2021 komplett durchgesetzt und war bis Mitte Juni die dominante Variante. Inzwischen wurde Alpha allerdings von der Delta-Mutante verdrängt und macht laut des aktuellen Wochenberichts des Robert-Koch-Instituts (RKI) nur noch 2,6 Prozent der Neuinfektionen aus.

Die Alpha-Variante ist leichter von Mensch zu Mensch übertragbar als der Urtyp und weist eine höhere Reproduktionszahl auf. Studien zufolge hemmt die Mutante die Immunantwort und verschafft sich so Zeit, um sich in den Zellen zu vermehren. Beweise für "eine substantiell verringerte Wirksamkeit" der Impfstoffe gibt es laut dem RKI bislang nicht. Mit einer Ausnahme: Besitzt die Alpha-Variante die Mutation E484K - wie mehrfach in Großbritannien nachgewiesen, aber bislang nur selten in Deutschland - besteht die Vermutung, dass die derzeit erhältlichen Impfstoffe gegen diese Variante eine geringere Wirksamkeit aufweisen könnten.

Beta - B.1.351

Die Beta-Variante wurde im Mai 2020 zuerst in Südafrika nachgewiesen und im Dezember als besorgniserregende Variante klassifiziert. In Deutschland blieb sie unauffällig. Ihr Anteil machte in Proben seit Beginn des Jahres lediglich zwischen 0,1 und 2,6 Prozent aus. Laut des aktuellen Wochenberichts des RKI wurde Beta in den vergangenen Wochen gar nicht mehr nachgewiesen.

Mehrere Studien weisen darauf hin, dass Geimpfte oder Genesene weniger gut vor einer Infektion mit B.1.351 geschützt sind, da die neutralisierenden Antikörper, die das Immunsystem gebildet hat, gegen das veränderte Virus weniger wirksam sind. Wie die Sonderform der Alpha-Variante trägt sie die Mutation E484K. Auch für diese Variante wird eine höhere Übertragbarkeit vermutet.

Gamma - P.1

Auf diese Mitte Januar 2021 als besorgniserregend klassifizierte Variante wurden Forschende Ende vergangenes Jahr aufmerksam, weil es in der brasilianischen Amazonas-Metropole Manaus über den Jahreswechsel plötzlich sehr viele Neuinfizierte, Covid-19-Patienten und Tote gab - obwohl bereits ein Großteil der Bevölkerung als genesen galt. In ihren Veränderungen ähnelt sie der Beta-Mutante. Daher wird auch bei Gamma eine erhöhte Übertragbarkeit angenommen. In Deutschland wurde sie vereinzelt in untersuchten Proben nachgewiesen, zuletzt machte ihr Anteil aber nur noch 0,1 Prozent aus.

Delta - B.1.617.2

Die Delta-Variante, auch B.1.617.2 genannt, wurde im Oktober 2020 indischen Bundesstaat Maharashtra erstmals nachgewiesen und verbreitet sich seitdem stark in Indien und über die ganze Welt. Auch in Deutschland ist die Mutante inzwischen zur vorherrschenden Variante geworden. Ihr Anteil liegt aktuellen Daten des RKI zufolge bei 97 Prozent.

Erste Untersuchungen zeigen, dass die Mutationen dem Virus erlauben, sich einfacher an die Zellen der Menschen zu binden und einigen Immunreaktionen zu entgehen. Britische Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Delta-Variante um rund 60 Prozent ansteckender ist. Vermutet wird auch, dass Infektionen mit der Variante zu schwereren Krankheitsverläufen führen. Laut Studien liegt die Impfstoffwirksamkeit nach vollständiger Impfung geringfügig unterhalb der Wirksamkeit gegenüber B.1.1.7. Allerdings bleibt der Impfschutz vor allem nach der zweiten Dosis noch ausreichend, wie Daten zu den Impfstoffen von Biontech und Astrazeneca zeigen.

Epsilon - B.1.427 / B.1.429

Die als Epsilon bekannte Variante wurde im März 2021 in Kalifornien in den USA entdeckt, steht seitdem auch bei der WHO unter Beobachtung und gilt bei der örtlichen Gesundheitsbehörde CDC bereits als besorgniserregend. Sie hat zwei verschiedene Abstammungslinien, B.1.427 und B.1.429. Beide treten parallel in Kalifornien sowie in mehreren anderen Bundesstaaten in den USA auf.

Epsilon hat Schätzungen zufolge eine 20 Prozent höhere Übertragbarkeit. Analysen bei Geimpften und Genesenen haben auch eine Verringerung der neutralisierenden Antikörpertiter gezeigt. Derzeit laufen weitere Studien. Unklar ist noch, ob Epsilon schwerere Krankheitsverläufe verursacht. In Deutschland spielt die Variante bislang keine Rolle.

Zeta - P.2

Bereits im April 2020 wurde die Zeta-Variante in Brasilien entdeckt. Unter Beobachtung steht sie durch die internationalen Gesundheitsbehörden seit März 2021. In ersten Untersuchungen hatte sich gezeigt, dass nach einer Impfung die Neutralisierung der Antikörper reduziert war. Sie trägt zudem die gleiche Mutation wie Beta und einige Alpha-Linien: E484K. Diese Genveränderung steht im Verdacht, die Immunantwort durch schützende Antikörper bei Geimpften und Genesenen zu verringern. Aussagekräftige Studien dazu, wie stark die Verminderung ausfällt, stehen noch aus.

Eta - B.1.525

Die Eta-Variante wurde seit Dezember 2020 in Ländern Zentralafrikas registriert, etwa in Angola und Nigeria, aber auch vereinzelt in Großbritannien. Seit März steht sie unter Beobachtung, weil sie Mutationen aufweist, mit denen eine erhöhte Übertragbarkeit und eine veränderte Immunantwort einhergehen könnten. Laut Robert-Koch-Institut traten in Deutschland bereits 700 Eta-Fälle auf, zuletzt im Kreis Paderborn. Durchsetzen konnte sich die Eta-Mutation bislang nicht.

Theta - P.3

Die Theta-Mutante fiel Anfang 2021 zuerst auf den Philippinen auf, später auch in Japan, den USA und vereinzelt auch in Deutschland. In den untersuchten Proben wurden sieben Spike-Protein-Mutationen ausgemacht, vier davon konnten mit besorgniserregenden Abstammungslinien in Verbindung gebracht werden. Etwa die in einigen Varianten vorkommende Mutation E484K, die einen verringerten Immunschutz auslösen könnte, aber auch N501Y, die unter Verdacht steht, die Übertragbarkeit zu erhöhen.

Iota - B.1526

Die Iota-Variante wurde im November 2020 zuerst in New York City entdeckt und breitete sich bis zum Frühjahr überall in den USA aus, sowie in zahlreichen weiteren Ländern. Seit Ende März dieses Jahres steht sie unter Beobachtung. Auch bei Iota wurde die E484K-Spike-Mutation festgestellt, die dem Virus helfen kann, Antikörper zu umgehen. Zudem enthält sie die S477N-Mutation, wodurch sich der Erreger enger an menschliche Zellen binden kann und somit leichter übertragbar ist.

Kappa - B.1.617.1

Mitte Dezember vergangenen Jahres wurde die Kappa-Variante erstmals in Proben in Indien entdeckt. Vermehrt tritt sie auch in Großbritannien und den USA auf. Auch in Deutschland gibt es immer wieder Fälle, aber nur sehr wenige. Wie auch die Delta-Variante gehört sie zur Viruslinie "B.1.617″. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Variante noch nicht als besorgniserregend klassifiziert. Allerdings sind auch bei Kappa durch die Veränderungen an den Spike-Proteinen eine verringerte Immunität und höhere Übertragbarkeit denkbar.

Lambda - C.37

Die Lambda-Variante breitet sich derzeit rasant in Lateinamerika aus. Erstmals wurde sie im August 2020 in Peru entdeckt, und ist inzwischen mit über 90 Prozent die dort vorherrschende Variante. In Chile ist die Mutante bereits für jede dritte Neuinfektion verantwortlich. Und auch Europa hat C.37 mittlerweile erreicht: In Großbritannien, Spanien und Italien sind bereits Fälle aufgetreten.

Einer japanischen Studie zufolge weist Lambda drei Mutationen auf, die möglicherweise dazu beitragen, dass das Virus weniger gut von Antikörpern neutralisiert werden kann. Das würde bedeuten, dass Impfungen schlechter vor einer Infektion schützen. Zudem könnten zwei weitere Mutationen dazu führen, dass Menschen sich leichter mit der Lambda-Variante anstecken. Bislang stuft die WHO sie jedoch nur als Variante unter Beobachtung (VOC) ein.

Quelle: ntv.de

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