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Corona-Maßnahme vor Comeback Was weiß man über die Wirkung von Masken?

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Zum Alltag geworden: die Gesichtsmaske zum Schutz vor Covid-19.

(Foto: IMAGO/Michael Gstettenbauer)

Erneut könnte der Herbst eine weitere Welle mit Sars-CoV-2-Infektionen bringen, fürchten Experten. Damit steht auch ein Comeback der zuletzt seltener gewordenen Gesichtsmasken bevor. Doch was weiß man mittlerweile mit Sicherheit über die Wirksamkeit dieser Maßnahme?

Die Gesichtsmaske ist zum ungeliebten Symbol der Corona-Pandemie geworden. Trotz sinkender Inzidenz, hoher Immunität in der Bevölkerung und der weniger tödlichen Omikron-Variante, ist sie noch immer nicht aus dem Alltag verschwunden. Mit einer möglichen Herbst-Welle könnte sie zudem ein großes Comeback erleben. Denn ab Oktober können Bundesländer je nach Lage wieder eine Maskenpflicht in Innenräumen verhängen. In Fernzügen und Flugzeugen gilt sie dann weiterhin bundesweit.

Vielen Menschen ist die Maske mittlerweile lästig - und mit der Pandemiemüdigkeit kommen erneut Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer Maskenpflicht auf. Bestärkt wird er durch die Berichte über den Regierungsflieger, in dem keiner mehr eine Maske trug. Doch gibt es an der Maske selbst eigentlich etwas auszusetzen? Was weiß man über ihren Effekt auf die Pandemie? Und kann das dauerhafte Maskentragen auch negative Folgen haben, etwa für das Immunsystem? Hier ein Update zu diesen und anderen Fragen.

Schützen Maske tatsächlich vor Infektionen?

Es gilt als bewiesen, dass Gesichtsmasken tatsächlich etwas gegen Sars-CoV-2 ausrichten - sowohl was den Schutz anderer als auch den Eigenschutz angeht. Das haben unter anderem Laborversuche ergeben. Das Coronavirus wird vor allem durch Tröpfchen und Aerosole in der Luft übertragen. Pro Sekunde scheidet ein Mensch beim Sprechen bis zu 20.000 davon aus. Masken halten diese zurück oder filtern die belastete Luft. Deutlich am besten gelingt dies den partikelfiltrierenden Halbmasken wie FFP2- oder FFP3-Masken. Medizinische Gesichtsmasken sollen Träger und andere in geringerem Maße schützen, bei Alltagsmasken, die vor allem zu Beginn der Pandemie getragen wurden, wird dieser Effekt als am schwächsten angesehen.

Wie gut schützen Masken?

Einen kompletten Schutz vor einer Infektion bieten Masken nicht, da sie nicht alle Partikel aufhalten: Eine FFP2-Maske filtert laut einer Studie im Schnitt jedoch 90 Prozent der Keime sowohl beim Ausatmen als auch beim Einatmen. Medizinische Masken und Alltagsmasken hingegen reduzieren die Keimanzahl lediglich um 50 Prozent bei der Abgabe und um 30 Prozent bei der Aufnahme. Es wurde geschätzt, dass FFP2-ähnliche Masken die Zeit bis zu einer infektiösen Dosis für einen Menschen von 15 Minuten auf 25 Stunden erhöhen, wenn sowohl Infizierter als auch Gesunder sie tragen. Bei medizinischen Gesichtsmasken lag die Dauer bis zur infektiösen Dosis bei 60 Minuten, bei Alltagsmasken bei lediglich 27 Minuten.

Wann Masken nicht richtig funktionieren

Es ist jedoch entscheidend, dass die Maske auch richtig getragen wird - denn das hat wesentlichen Einfluss auf ihre Schutzwirkung. Mund und Nase müssen bedeckt sein, die Maske muss passgenau sein und dicht anliegen. Dichtet die Maske nicht richtig ab, besteht die Gefahr, dass mehr der kleinsten Partikel, die berüchtigten schwebefähigen Aerosole, aus der Maske austreten.

Masken vor allem in Innenräumen sinnvoll

Klar ist mittlerweile, dass das Risiko einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 in Innenräumen deutlich höher ist als im Freien. Denn in Innenräumen können sich die infektiösen Aerosole über eine längere Zeit in der Luft halten und auch über größere Distanzen übertragen werden. Im Anfang Juli 2022 veröffentlichten Gutachten zur Wirksamkeit von Corona-Maßnahmen schrieb der Sachverständigenrat der Bundesregierung, dass eine Maskenpflicht im gelüfteten Außenbereich "wahrscheinlich nur einen geringen direkten Effekt auf das Infektionsgeschehen" habe.

Schützen Masken vor Covid-19 in Fernzügen und Flugzeugen?

Bundesweit gilt in Fernzügen und Flugzeugen eine Maskenpflicht, im Oktober sollen sogar nur noch FFP2-Masken erlaubt sein. Wie sinnvoll ist die Maßnahme? Eine vom Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung in Auftrag gegebene Studie hatte das Ansteckungsrisiko mit Covid-19 in deutschen Bahnhöfen, Zügen und Bussen im Nah- und Fernverkehr untersucht. Bei Wisch- und Luftkeimproben im Winter 2020/2021 wurde das Virus nicht nachgewiesen, was als Beleg für die Wirksamkeit von Masken interpretiert wurde - denn auch von den sonst überall auftauchenden Adenoviren wurden nur geringe Mengen gefunden. In Flugzeugen können Masken das Ansteckungsrisiko um bis zu 73 Prozent reduzieren, fand eine andere Studie aus dem vergangenen Jahr heraus. Allerdings nur, wenn die Maske dauerhaft getragen wird. Wenn sie während des Essens an Bord abgenommen wird, steigt das Ansteckungsrisiko um 59 Prozent.

Welchen Einfluss haben Masken auf die Pandemie?

Eine Frage, die schwierig zu beantworten ist. Denn während der Pandemie gab und gibt es zum Teil mehrere Maßnahmen, die parallel angewandt wurden. Welchen Effekt eine einzelne hat, ist daher schwer zu bemessen. In seinem Gutachten schrieb der Sachverständigenrat, dass es bisher nicht abschließend geklärt sei, "wie groß der Schutzeffekt von Masken in der täglichen Praxis ist". Schwierig mache die Bewertung die Tatsache, dass die meisten Ansteckungen im privaten Umfeld stattfinden, wo keine Maskenpflicht herrscht, heißt es in dem Gutachten. Es könne daher nicht beurteilt werden, "wie stark der Effekt letztendlich war". Heißt das, sie könnte am Ende gar nicht nutzen? Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen kommentierte es damals so: "Die Abwesenheit von Evidenz zur Wirksamkeit ist keine Evidenz für die Abwesenheit von Wirksamkeit."

Kann das Tragen von Masken auch negative Folgen haben?

Mögliche "negative physiologische und psychologische Effekte" des Maskentragens sind laut dem Gutachten des Sachverständigenrates nicht auszuschließen, insbesondere bei mehrstündigem Tragen. Bewiesen sind sie jedoch nicht. Eine Auswertung verschiedener Studien ergab Unbehagen als am häufigsten genannte Beschwerde, während vor allem FFP2-artige Masken mit Kopfschmerzen, Atembeschwerden und Druck auf die Nase in Verbindung gebracht wurden. Studien aus Deutschland und Großbritannien machten bei Kindern und Jugendlichen erhöhte Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten und Lernschwierigkeiten als mögliche Folgen des Maskentragens aus. Diskutiert wird auch, ob durch Masken verdeckte Münder schädlich für die Entwicklung von Kleinkindern sein könnten, da Mimik und Gesichtsausdrücke schlechter erkannt und erlernt werden. Bisher ist dies jedoch nicht belegt.

Schwächt das Tragen von Masken das Immunsystem?

Ein Mythos kursiert bereits seit Längerem: Durch das Maskentragen wird das Immunsystem geschwächt, weil es nicht mehr in Kontakt mit Erregern kommt und dadurch weniger trainiert ist. Allerdings betonen Experten, dass da nichts dran sei. Das Immunsystem funktioniere nicht wie ein Muskel, der schwächer wird, wenn er nicht trainiert wird. Zudem würden Erreger nicht nur über die Atemwege aufgenommen, sondern auch über die Nahrung oder die Haut. Daher werde das Immunsystem trotz Maske weiterhin ständig mit Keimen konfrontiert.

Quelle: ntv.de

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