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Bond, Punk und Paddington Wie Elizabeth II. zur Queen of Pop wurde

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Die Queen als Popkultur: 1985 porträtierte Andy Warhol die Queen, die Grundlage bildete ein Foto aus den 70ern.

(Foto: AP)

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Sie wurde von den Beatles besungen, von den Sex Pistols verhöhnt, von Andy Warhol gemalt und von Helen Mirren dargestellt: Die Queen ist in ihrer langen Amtszeit zur Ikone der Popkultur geworden. Und sie bewies in den vergangenen Jahren auch ihren Sinn für Humor.

Als die Queen 1952 Königin des Vereinigten Königreiches wurde, war James Bond noch nicht erfunden, Paul McCartney kannte John Lennon noch nicht und Johnny Rotten, Sänger der Sex Pistols, war noch nicht einmal geboren. Während ihrer Regierungszeit erlebte Elizabeth II. das Ende des britischen Empires. Aber sie erlebte auch, wie Großbritannien auf andere Weise die Welt eroberte: mit Filmen und Büchern, mit Beatlemania, British Invasion und Punk, mit Mode und Stil.

Mit der Zeit wurde die Herrscherin selbst Teil dieser Popkultur. Nicht nur, weil sie immer wieder prominente Musiker und Schauspieler empfing, von Marilyn Monroe über die Bond-Darsteller bis zu den Spice Girls. Sondern weil sie in gewissem Sinne die Entstehung des Pop begleitet hat - und zu dessen Motiv wurde.

Unzählige Moden, Trends und Hypes ließ die Queen über die Jahrzehnte an sich abprallen. Sie blieb sich treu, wurde zum Symbol der Kontinuität in Zeiten raschen Wandels. Je älter sie wurde, desto mehr Menschen konnten sich mit ihr identifizieren - einfach weil sie kein anderes Staatsoberhaupt kannten. Die Queen wurde zur Projektionsfläche von Lobeshymnen, aber auch von scharfer Kritik in den populären Künsten.

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Königlicher Empfang zur Premiere des Bond-Streifens "Man lebt nur zweimal" mit Sean Connery.

(Foto: imago/ZUMA/Keystone)

Diese Omnipräsenz verdankt sie einer weiteren Tatsache: Von frühester Jugend an stand die Queen in der Öffentlichkeit. Schon als kleines Mädchen war sie Thema der Boulevardpresse, mit drei Jahren zierte sie erstmals das Cover des "Time"-Magazins. Sie wurde permanent fotografiert und gefilmt, ist die wohl am häufigsten porträtierte Frau der Geschichte - bis hin zu Andy Warhol, der sein Porträt in vielen Farben in einer Siebdruckserie herausbrachte, von der die Queen 2012 einige Exemplare kaufte.

Queen, Suppe, Marilyn

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Die Beatles erhielten 1965 von Elizabeth II. den MBE-Orden. Lennon gab ihn später zurück.

(Foto: imago stock&people)

"Her Majesty's a pretty nice girl, but she doesn't have a lot to say", sang einst Paul McCartney auf "Abbey Road". Das klang noch eher neckisch als kritisch. Zum 50-jährigen Thronjubiläum 2002 sang McCartney das Lied erneut, diesmal in Anwesenheit der Queen, und wirkte dabei doch eher peinlich bemüht als souverän. Denn das Image der Königin hatte sich in der Zwischenzeit geändert. Sie war von der belächelten jungen Monarchin ohne politische Macht zur weltweit bekannten Person geworden, zum personifizierten britischen Understatement.

Die Queen nutzte dieses Image. Über Jahrzehnte hat James Bond im Namen Ihrer Majestät gehandelt - vom Schotten Sean Connery bis zum Engländer Daniel Craig. Aber erst Craig wurde eine besondere Ehre zuteil: Bei der Eröffnung der Londoner Olympischen Spiele 2012 geleitete er als Bond seine oberste Dienstherrin mit dem Helikopter zum Stadion und sorgte für eine der spektakulärsten und witzigsten Auftritte von Elizabeth II. - frenetisch bejubelt von den Menschen im Stadion.

Das war freilich nicht immer so: 1977 rotzten die Sex Pistols ihr "God Save the Queen" heraus und reimten es auf "fascist regime". Die Kritik des Punk am Establishment war scharf, die Briten waren schockiert - oder kauften die Single und brachten sie auf den zweiten Platz der Charts. Auch anderswo war der Umgang mit ihr respektlos. In "Willi und die Windzors" von Hape Kerkeling etwa muss die Königsfamilie Großbritannien verlassen und landet in einer Reihenhaussiedlung in Hannover. Unvergessen auch die Szene, in der der Kanadier Leslie Nielsen in "Die nackte Kanone" zwischen den Beinen der Queen landet, nachdem er einen Staatsempfang in ein wüstes Chaos verwandelt hat.

Im Clinch mit dem Boulevard

Im Film landet das kompromittierende Foto auf den Titelseiten der Presse. In der Realität hielten sich vor allem Boulevardjournalisten mit Kritik an der Königin im Buckingham-Palast ebenfalls nie zurück. Kein Wunder, angesichts der vielen familiären Skandale, die Elizabeth in den 90er-Jahren mit ihren Kindern durchlebte. Ihren Höhepunkt erreichte die Ablehnung der Royals 1997 mit dem Tod von Prinzessin Diana, der "Königin der Herzen". Die verhaltene Reaktion ihrer Schwiegermutter löste scharfe Kritik aus. Es war die Zeit, in der die britische Puppenshow "Spitting Image" hemmungslos über die königliche Familie herzog.

Ausgerechnet ein Film über diese Zeit, "The Queen" von Stephen Frears, war Jahre später Ausdruck des Wandels in der öffentlichen Wahrnehmung: Es gab Verständnis für die Queen, für ihre Rolle als Staatsoberhaupt, für ihre Disziplin in tiefen Krisen. Auch dank der ausgewogenen Darstellung Helen Mirrens, die Mimik und Gestik der Königin in monatelanger Vorbereitung einstudiert hatte und dafür mit Britischem Filmpreis und Oscar bedacht wurde. Seitdem wurde Elizabeths Leben fiktional ausgeleuchtet, von "The King's Speech" über ihren Vater bis zur Serie "The Crown", die Elizabeth von der Thronbesteigung bis in die Gegenwart verfolgt.

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Fotobombe für die Ewigkeit: Die Queen lächelt im Hintergrund.

(Foto: Instagram Jayde Taylor)

In den letzten Jahren ihrer Regentschaft war die Queen zur unantastbaren Person geworden. Selbst ihre Marotten wurden liebevoll gefeiert, sie wurden nahezu zum britischen Kulturgut: von der Liebe zu den Corgis bis zur Verwendung von Tupperware im königlichen Haushalt. Ihre ganz menschlichen Vorlieben und Gewohnheiten wurden einer Frau nachgesehen, die ihr Leben im Dienste ihres Landes gelebt hatte, beharrlich und unumstößlich, und die ihre eigenen Interessen und Meinungen stets hinten angestellt hatte.

Zur coolen Queen geworden

Beispiele gab es genug. Berichte darüber, dass die Queen gern mit einer Wii-Konsole spielt, wurden ebenso begeistert aufgenommen wie das iPod-Geschenk von US-Präsident Barack Obama oder die herrliche Fotobombe, die die Queen wohl eher zufällig landete. Die Queen als weltweit gefeiertes Internet-Meme, eine über 90-Jährige als Influencerin im Digital-Zeitalter. Dazu passte auch ihr Besuch auf dem Set der Erfolgsserie "Game of Thrones". Auf einem Bild schaut sie nahezu mitleidig auf den titelgebenden eisernen Thron aus Schwertern - was war schon diese mit Mythen aufgeladene Fernsehserie im Vergleich zu ihrem eigenen Mythos?

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Mythos und Fernsehserie: Die Queen besuchte 2014 das Set von "Game of Thrones".

(Foto: AP)

Sie war belächelt und beschimpft worden, doch im neuen Jahrtausend wurde Elizabeth II. zur coolen Queen. So cool, dass sie bei den Simpsons auftauchte. Ihre farbigen Kostüme nebst passendem Hut und Perlenkette galten nicht mehr als altbacken, sondern als beständiges Stilbewusstsein. Ihr Beharren auf das Protokoll, ihre unzähligen Auftritte und Schirmherrschaften, waren nicht mehr Zeichen von veraltetem monarchischen Denken, sondern von Disziplin - und dass sie "not amused" sei, wurde zum geflügelten Wort. Ihre Porträts auf Briefmarken und Münzen - eigentlich Zeichen höchstmöglicher Distanz - wurden ergänzt durch offizielle Porträts, die bei aller Inszenierung auch Intimität zuließen.

Ihren Sinn für Humor zeigte sie nicht nur bei ihrem Auftritt mit James Bond zu Olympia. Noch in diesem Jahr, zum 70. Jubiläum ihrer Thronbesteigung, sorgte sie mit einem liebevoll-lustigen Video für Begeisterung: Da sitzt die Queen mit dem Bären Paddington beim Tee, behält die Contenance angesichts dessen Tollpatschigkeit - und zeigt das Marmeladen-Sandwich in ihrer Handtasche. Das ist feinster britischer Humor.

Aus der belächelten jungen Königin und der scharf kritisierten Vertreterin des britischen Establishments war eine geliebte, einigende Figur geworden. Mit Elizabeth II. verliert die Welt wohl die letzte Person, die den grundlegenden Wandel seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht nur miterlebte, sondern auch mitgestaltete - politisch machtlos, aber symbolisch einflussreich. Diese Zeit begrifflich zu fassen, ist wegen der vielfältigen Entwicklungen schwierig. Doch so wie ihre Vorgängerinnen Elizabeth I. und Victoria für Epochen stehen, symbolisiert auch Elizabeth II. eine Kultur: das Zeitalter des Pop.

Quelle: ntv.de

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