Ratgeber

Clever investieren ETF-Sparpläne zahlen sich aus

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ETF-Sparplänen schonen tendenziell die Nerven.

(Foto: imago/Becker&Bredel)

Die Achterbahnfahrt an den Aktienmärkten zeigt wieder einmal, dass Timing-Strategien nur selten funktionieren. Kaum ein Anleger schafft es, in der Nähe der Tiefs Aktien zu kaufen und dann später bei deutlich höheren Kursen wieder zu verkaufen. Sparpläne sind die bessere Strategie.

Sparpläne verfügen im Wesentlichen über zwei Vorteile. So nutzen sie den sogenannten Durchschnittskosteneffekt. Der Begriff stammt aus dem Angelsächsischen und heißt dort cost average effect. Wenn der Anleger beispielsweise jeden Monat fix 50 oder 100 Euro in ein bestimmtes Wertpapier oder einen Fonds investiert, stellt sich folgender Effekt ein: Wenn der Kurs hoch steht, werden weniger Anteile gekauft, weil es dann für die 50 oder 100 Euro einfach weniger Papiere gibt. Bei tieferen Notierungen erwirbt der Anleger dagegen mehr Einheiten. Der Anleger kauft also weniger Anteile, wenn der Markt teuer ist, und mehr, wenn er preiswert ist. Daraus ergeben sich insgesamt günstige Durchschnittskosten.

Es gibt noch einen zweiten kaum schlagbaren Vorteil bei Sparplänen: Sie schonen tendenziell die Nerven. Die Tagesschwankungen an den Börsen spielen eine untergeordnete Rolle. Wer über einen längeren Zeitraum per Sparplan investiert, braucht sich für die Tages-Schwankungen an den Finanzmärkten eigentlich nicht zu interessieren und kann so die Psyche  entlasten.

So ziemlich alle Online-Broker und Discount-Banken bieten Sparpläne an - meistens schon ab einem Mindestbetrag von 25 Euro. Dieser kann monatlich, viertel- oder halbjährlich oder auch nur einmal pro Jahr investiert werden. Um die Aufs und Abs an den Finanzmärkten zu glätten, ist eine Laufzeit von mindestens fünf Jahren anzuraten - besser sind noch längere Laufzeiten.

Einzelwerte versus ETFs

Mit Sparplänen lässt sich in alles Mögliche investieren - zum Beispiel in einzelne Aktien oder in Indexfonds, also in ETFs (Exchange Traded Funds). Unter www.justetf.de können sich Anleger über die Konditionen der entsprechenden Anbieter informieren. Außerdem gibt es bei www.tagesgeldvergleich.net eine Übersicht, welche Aktien bei welchem Broker sparplanfähig sind. Da Sparpläne eine gewisse Risikominimierung zum Ziel haben, bieten sich Indexfonds als Investment an, da sie im Vergleich zu Einzelwerten durch die breite Streuung die Risiken zusätzlich dämpfen.

Diese ETFs bilden beispielsweise bestimmte Aktienindizes wie den Deutschen Aktienindex Dax oder den Weltindex MSCI World nach. Diese Replikation, so der Fachbegriff, kann physisch oder synthetisch erfolgen. Bei der physischen Nachbildung kauft der ETF tatsächlich die Bestandteile des nachgebildeten Index, also beispielsweise die 30 Dax-Werte. Die synthetische Replikation basiert dagegen auf Swaps - das sind Tauschgeschäfte mit Banken. Diese Art der Nachbildung ist zwar etwas kostengünstiger, als wenn ETFs physisch die Aktien kaufen, dafür besteht ein gewisses Ausfallrisiko. Seit der Pleite von Lehman Brothers ist bekannt, dass auch größere und bekanntere Banken gegen die Wand fahren können.

Kurz zu den möglichen Nachteilen von ETFs. Es gibt vielfach die Einschätzung, Indexfonds seien nur bei steigenden Kursen gut geeignet. In fallenden Märkten würden dagegen aktiv gemangte Fonds ihre Stärken ausspielen. Tatsächlich ist der Corona-Crash der erste wirklich große Einbruch an den Aktienbörsen, seitdem ETFs boomen. Bislang kannten sie nur den "Rallymodus", also steigende Kurse

Auch Profis scheitern am Timing

Allerdings sind Zweifel daran erlaubt, dass aktive Manager Abwärtsphasen tatsächlich früh genug erkennen und ihren Fonds rechtzeitig defensiv ausrichten. Meistens rechnen sich die im Vergleich zu ETFs deutlich höheren Gebühren nicht. Bei aktiv gemanagten Fonds gibt es beim Kauf Ausgabeaufschläge von bis zu 5 Prozent. Und die jährlich anfallenden Managementgebühren fallen mit 1,5 bis fast 2 Prozent ebenfalls deutlich höher als bei Indexfonds aus.

Unter dem Strich sind ETF-Sparpläne gut geeignet, um zu niedrigen Gebühren langfristig ein breit gestreutes Aktiendepot aufzubauen. So lassen sich auch etwas größere Geldbeträge, die zum Beispiel aus dem Verkauf einer Immobilie oder von einer Erbschaft stammen, schrittweise in ein Aktienvermögen umwandeln. Später, wenn der Anleger an sein investiertes Geld ranmöchte, um beispielsweise die Rente aufzubessern, kann er den Spieß umdrehen und einen Entnahmeplan auflegen.

Über den Autor: Wolfgang Böhm arbeitet als freier Finanz- und Wirtschaftsjournalist in Berlin.

Quelle: ntv.de