Ratgeber

Gold-Kauf kaum möglich Edelmetall-Shops machen dicht

Mit Gold hinterlegte Wertpapiere können eine gute Anlage sein. Foto: Sven Hoppe

Grundsätzlich besteht auch in Krisenzeiten, das Risiko, dass auch der Goldpreis sinkt und damit sowohl Münzen und Barren als auch Xetra-Gold an Wert verlieren.

(Foto: dpa)

Pro Aurum, der größte Händler von Edelmetallbarren und -münzen in Deutschland, nimmt derzeit nur noch 500 Bestellungen pro Tag an. Danach schließt der Online-Shop. Der stationäre Handel hat sowieso schon dicht. Es gibt jedoch Alternativen.

Die Deutschen stürmen derzeit regelrecht die Shops der Edelmetall-Händler. Kein Wunder: Gold gilt als das Krisen-Investment schlechthin. Aufgrund der sprunghaft angestiegenen Nachfrage öffnet Pro Aurum seinen Online-Shop nur noch stundenweise. Am Donnerstag war nach zweieinhalb Stunden schon wieder Schluss, der Warennachschub stockt. Im Kanton Tessin, also in der italienischen Schweiz, haben drei große Barren-Hersteller Corona-bedingt die Produktion mittlerweile eingestellt. In der Alpenrepublik werden große Teile der weltweiten Goldproduktion weiterverarbeitet. Die boomende Nachfrage trifft somit auf ein nur noch limitiertes Angebot.

Neben der eingeschränkten Verfügbarkeit gibt es bei Münzen und Barren aus Gold derzeit ein weiteres Problem: Die Aufgelder sind in die Höhe geschossen. Dabei handelt es sich um die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Ein Goldbarren mit einer Unze Gewicht, das sind in etwa 31,1 Gramm, kostet laut Preisliste des Gold-Händlers Degussa 1648 Euro. Beim Verkauf gibt es aber nur 1462 Euro. Die Differenz beläuft sich somit auf knapp 13 Prozent - in normalen Zeiten ist sie in etwa halb so groß. Unseriöse Gold-Händler verlangen derzeit sogar noch höhere Aufgelder.

Schließlich stellt sich bei physischem Anlage-Gold die Problematik der Aufbewahrung. Sowohl ein Schließfach bei der Bank als auch der Tresor in den eigenen vier Wänden kosten zusätzlich Geld. Münzen und Barren bieten zwar den größten Schutz gegen einen Zusammenbruch der Finanzmärkte oder der Realwirtschaft. Doch physisches Gold ist derzeit kaum erhältlich und wenn doch, extrem teuer. Hinzu kommt, dass Verbraucher seit Anfang des Jahres Gold nur noch bis zu einem Wert von 2000 Euro anonym erwerben können.

Günstiger und besser verfügbar

Eine Alternative bietet Xetra-Gold. Dabei handelt es sich um eine Schuldverschreibung, also eine Anleihe, die mit physischem Gold unterlegt ist. Das soll das Ausfallrisiko reduzieren. Xetra-Gold wird werktäglich an den Börsen gehandelt - zum Beispiel in Stuttgart oder auf Xetra. Ist ein Online-Depot vorhanden, lässt sich Xetra-Gold wie eine Aktie mit wenigen Klicks im Internet handeln.

Der Preis einer Anleihe entspricht dem von einem Gramm Gold in Euro. Das Aufgeld beläuft sich auf 0,25 und 0,4 Prozent und ist damit im Prinzip vernachlässigbar. Dazu kommen noch die Kosten für die Order bei der Bank. Auch bei der Liquidität gibt es keine Probleme. In den vergangenen Tagen wurden regelmäßig mehr als eine Million Papiere pro Tag gehandelt.

Xetra-Gold kommt physischem Anlage-Gold schon ziemlich nahe. Der Preis bewegt sich weitgehend eins zu eins mit dem Goldpreis, allerdings dem in Euro. Außerdem ist die Anleihe steuerlich mit Münzen und Barren gleichgestellt. Nach zwölf Monaten Haltedauer fällt ein möglicher Gewinn beim Verkauf nicht unter die Abgeltungssteuer. Schließlich kann sich der Anleger sein Xetra-Gold auch physisch ausliefern lassen. Das ist allerdings mit nennenswerten Kosten für das Gießen des Barrens, die Versicherung oder den Transport verbunden. Und im Gegensatz zu Anlage-Gold ist die Lagerung von Xetra-Gold unproblematisch - es wird wie eine Aktie oder ein Fonds im Depot geführt.

Schließlich können Anleger auch per Goldminen-Aktien auf einen möglichen Anstieg des Goldpreises setzen. Hier besteht allerdings das Risiko, dass bei dem jeweiligen Unternehmen etwas schiefgeht. Viele der Minen befinden sich in Afrika, wo die Corona-Pandemie noch ganz am Anfang steht. Es ist durchaus möglich, dass es im weiteren Verlauf zu Schließungen kommen könnte. Goldminen-Fonds verteilen zumindest die Risiken auf mehrere Minen-Gesellschaften. Aber auch bei ihnen besteht das allgemeine Aktienrisiko.

Mögliche Kursverluste

Grundsätzlich besteht auch in Krisenzeiten, das Risiko, dass auch der Goldpreis sinkt und damit sowohl Münzen und Barren als auch Xetra-Gold an Wert verlieren. Insbesondere institutionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherungen machen alles zu Geld, wenn der Alarmknopf rot aufleuchtet, und verschaffen sich damit Liquidität. Das könnte die Erklärung dafür sein, dass der Goldpreis in der ersten Märzhälfte um rund 200 auf nur noch 1468 Dollar abgesackt ist.

Auch während der Finanzkrise 2008 war Gold anfangs in die Knie gegangen. Doch schon kurz danach setze das Edelmetall zu einer massiven Rally an. Möglicherweise wiederholt sich diese Entwicklung. Mittlerweile notiert das Edelmetall schon wieder oberhalb der Marke von 1600 Dollar. Von dem Schriftsteller Mark Twain stammt angeblich der Spruch: „Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.“

Über den Autor: Wolfgang Böhm arbeitet als freier Finanz- und Wirtschaftsjournalist in Berlin.

Quelle: ntv.de