Ratgeber

Vergleich mit ETF Ist das die Stunde aktiv gemanagter Fonds?

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An der Börse geht es nicht immer nur bergauf - egal ob mit ETFs oder aktiven Fonds ...

(Foto: REUTERS)

Aktiv gemanagte Fonds müssen ja mit dem Vorurteil leben, teuer zu sein und - schlimmer noch - über kurz oder lang weniger Rendite als der jeweilige Index zu erwirtschaften. Doch eigentlich müssten die größere Flexibilität und das Know-How der Manager ja gerade in schwierigen Zeiten ihre Stärken ausspielen ...

Jahrelang kannten die Börsen nur eine Richtung: bergauf. Bis vor wenigen Wochen schien die perfekte Geldanlage einfach und preisgünstig zu haben zu sein, in Form von Exchange Traded Funds (ETFs). Bis es dann wegen der Coronakrise richtig geknallt hat, die auch Aktien-ETFs zeitweilig ins Bodenlose stürzen ließ. Denn die bilden ja in aller Regel ganz schnöde und starr 1:1 einen Index wie den Dax oder den MSCI World ab.

Und die gemanagten Fonds? Mit dem Aufstieg der passiven Indexfonds hing den aktiven gemanagten Produkten jahrelang das Image an, teuer und unrentabel zu sein - die meisten von ihnen schnitten in der Vergangenheit über kurz oder lang auch schlechter ab als der jeweilige Vergleichsindex.

Besser mit Kapitän, als mit Autopilot?

Das war allerdings vor allem in Boomphasen der Börsen der Fall. Anhänger der aktiven Variante werben seit jeher damit, dass entsprechende Produkte schwierige Börsenphasen wegen ihrer größeren Flexibilität bei der Titelauswahl und auch aufgrund des Know-Hows der Fondsmanager ihre Stärken deutlich besser ausspielen können als die starren ETFs. Also besser mit Kapitän am Steuer durch die Turbulenzen, als nur mit dem Autopiloten.

Zudem ist es aktiv gemanagten Fonds auch meist erlaubt, eine Reserve an Bargeld zu halten. Was zum einen den Kursrutsch etwas abfedern kann und zum anderen Munition zum Nachkaufen bei günstigeren Kursen ermöglicht.

Flaggschiffe im Test

Soweit die Theorie. Und was zeigt die Praxis? Das Verbraucherportal Biallo.de wollte es genau wissen und hat sich die Wertentwicklung von vier großen, weltweit anlegenden Publikumsfonds (Deka Global Champions, DWS Vermögensbildungsfonds I, UniGlobal und Fidelity World Fund) in den letzten Krisen-Monaten angeschaut und mit der Performance des MSCI World verglichen.

Ergebnis? Alle Kandidaten haben seit Beginn der Corona-Krise am 19. Februar Verluste erlitten. Drei von vier Fonds schnitten seit dem Absturz der Börsen jedoch besser ab als ein ETF, der den MSCI World nachbildet.

Konkret hatte der Deka-Fonds zwischen dem 19. Februar und dem 30. April dieses Jahres Verluste von -10,7 Prozent zu verschmerzen. Für das gesamte laufende Jahr sind es -5,7 Prozent. Nach Abzug der laufenden Kosten, aber ohne den Ausgabeaufschlag. Der MSCI World hingegen, hat in denselben Zeiträumen deutlich mehr Federn lassen müssen. Nämlich -16,4, beziehungsweise -10,3 Prozent. Und auch den Fonds von DWS (-12,7 und -5,8) und Union Investment (-15,3 und -7,8) gelang es, den Index zu schlagen. Lediglich beim Fonds von Fidelity (-17,9 und -10,1) war dies nicht immer der Fall.

Dreiviertel der Fonds schlechter

Mission erfüllt also? Nur bedingt. Zwar können alle aktiven Produkte ihren Vorsprung gegenüber dem Index auch über ein, drei (hier außer Fidelity) und fünf Jahre verteidigen (Stichtag erneut 30. April).

Doch auf Sicht von 10 Jahren geht dann allen aktiv Beteiligten die Puste aus, wie ein Blick in die Fondsdatenbank der Stiftung Warentest zeigt (Stichtag hier 31. März 2020). Demnach kann dann der MSCI-World-Index mit einer jährlichen Rendite von 9,4 Prozent punkten. Beim Deka Global Champions sind es 7,4 Prozent p.a., beim DWS Vermögensbildungsfonds I 6,8 Prozent p.a., beim UniGlobal 7,0 Prozent p.a. und beim Fidelity World Fund immerhin 8,8 Prozent p.a.

Fazit: Auf lange Sicht haben die ETFs etwas die Nase vorn - bei überwiegend positiven Börsenentwicklungen - allerdings scheint sich zu bewahrheiten, dass aktiv gemanagte Fonds in einem schwierigen Marktumfeld etwas besser zurechtkommen. Zumindest, wenn der Fondsmanager sein Handwerk versteht. Was laut Stiftung Warentest von 570 weltweit anlegenden Aktienfonds aber nur knapp der Hälfte im Corona-Crash gelang. Wird zusätzlich auch noch das Krisenvorjahr betrachtet, dann gelang es nur einem Drittel der Fonds, ihre Benchmark zu schlagen.

Quelle: ntv.de