Ratgeber

Geldanlage und (Bau-)Kredite Was Sparer und Bauherren wissen müssen

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2021 dürfte ähnlich viel Bewegung auf dem Zinsmarkt stattfinden, wie 2020. Nämlich so gut wie keine ...

(Foto: imago images/MiS)

Was kommt nach der Corona-Krise? In Sachen Zinsen könnte das neue Jahr einige Veränderungen bringen. Vor allem, wer eine Baufinanzierung braucht, sollte die Entwicklungen genau beobachten.

Es gibt Hoffnung. Auch wenn die Politik derzeit eher Verschärfungen als Lockerungen diskutiert und der Winter lang und einsam werden könnte: Die Vorbereitung zu den geplanten Massenimpfungen gegen Covid-19 laufen. Damit ist eine Entspannung absehbar und - auf lange Sicht - womöglich auch das Ende der Pandemie.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Fakt ist allerdings, dass der Weg in eine echte Normalität lang sein und das wirtschaftliche Leben nach Corona für geraume Zeit anders aussehen wird als vor der Krise. Das wirft die Frage auf, welche Zinsentwicklungen wir fürs kommende Jahr erwarten dürfen.

Für Sparer bleibt alles beim Alten

Was die Anlagezinsen für Fest- und Tagesgeld angeht, ist die Aussage relativ einfach: Alles spricht derzeit dafür, dass die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten und die Zinsen niedrig halten wird. Selbst wenn die Inflationsrate, wie von vielen Experten erwartet, deutlich steigen sollte, ändert das an den Zinskonditionen erst einmal wenig. Aktuell liegt der beste Zins für 12 Monate Festgeld ohne Vermittler bei 0,9 Prozent.

Von daher dürfte im Jahr 2021 ähnlich viel Bewegung auf dem Zinsmarkt stattfinden, wie 2020. Nämlich so gut wie keine: Die Zinsbewegung im ausklingenden Jahr betrug selbst beim Festgeld nicht einmal 0,1 Prozentpunkte. Beim Tagesgeld waren es sogar nur 0,03 Prozentpunkte.

Ratenkredite könnten etwas teurer werden

Mit dieser Aussage ist auch schon die Frage nach den Ratenkreditzinsen so gut wie beantwortet. Wenn die Anlagezinsen und die EZB-Leitzinsen nicht steigen, gibt es auch keinen triftigen Grund, warum Konsumentenkredite deutlich teurer werden sollten. Leichte Steigerungen der Zinssätze von 0,5 bis 1,0 Prozentpunkte sind aber durchaus denkbar. Erstens ist zu erwarten, dass die Menschen nach der Krise einen höheren Kreditbedarf haben und die Banken die Chance nutzen, ihre Marge zu erhöhen. Zweitens spricht für ein leichtes Anziehen der Zinsen bei Ratenkrediten, dass sich das Ausfallrisiko in den kommenden Monaten etwas erhöhen könnte, etwa, weil Unternehmen Insolvenz anmelden und Verbraucher deshalb ihre Jobs verlieren.

Die höhere Risikovorsorge für solche Fälle verursacht bei den Banken höhere Kosten und für den Kunden etwas höhere Zinsen. Die gerade einmal 0,4 Prozentpunkte Zinsbewegung aus dem Jahr 2020 werden wir im neuen Jahr aber wohl überschreiten. Vor allem dürfte der Abstand zwischen Tiefst- und Höchstzins höher ausfallen.

Aktuell gibt es den besten Ratenkreditzins für 36 Monate Laufzeit bei der bundesweit tätige PSD Bank Nürnberg. Er liegt bei 2,93 Prozent und kommt ohne Bonitätseinstufung aus.

Baugeld könnte teurer werden

Was die Hypothekenzinsen angeht, ist es etwas schwieriger, die Entwicklung zu prognostizieren. Sollte es tatsächlich zu einer deutlich höheren Inflation kommen, könnte dies die Kosten fürs Baugeld durchaus beeinflussen. Und ein gewisser Anstieg der Teuerungsrate ist relativ wahrscheinlich, nachdem diese von immerhin 1,7 Prozent im Januar 2020 auf minus 0,3 Prozent im November 2020 abgesackt ist. Einen schnellen Zinsüberblick zu Baugeldzinsen, Inflation, Bundesanleihe oder Anlagezinsen verschaffen Sie sich auf der FMH-Seite.

Deutlich stärker als von der Inflation werden die Hypothekenzinsen allerdings von der Entwicklung der zehnjährigen Bundesanleihe beeinflusst - und damit von der Frage: Werden Großinvestoren weiterhin auf Sicherheit setzen und dem deutschen Staat ihr Geld anvertrauen? In diesem Fall müssen sie Minuszinsen von aktuell etwa 0,5 Prozent in Kauf nehmen. Sollte die Konjunktur Europa, oder vielleicht sogar weltweit wieder Fahrt aufnehmen, könnte es allerdings sein, dass besagte Investoren auch wieder auf höher verzinste Staatspapiere setzen. Dies würde das Anlagevolumen bei den Bundesanleihen verringern und damit zu höheren Anleiherenditen in Deutschland führen. In der Folge würden sich die deutschen Pfandbriefe verteuern und letztlich auch die Bauzinsen.

Ich halte dieses Szenario für sehr wahrscheinlich - und zwar unabhängig von etwaigen Inflationsentwicklungen. Entsprechend ist zu erwarten, dass im Lauf des neuen Jahres wieder stärkere Zinsschwankungen beim Baugeld anstehen. Im ersten Quartal könnten die Zinsen zwar noch einmal etwas sinken, etwa ab März erwarte ich aber einen leichten Aufwärtstrend. Verteuerungen zwischen 0,5 und 0,75 Prozent im Vergleich zu heute sind dann nicht auszuschließen.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Festgeld im Vergleich

Tagesgeld im Vergleich

Quelle: ntv.de