Fußball

Die Lehren des 15. Spieltags Das Qualitätsproblem des FC Bayern

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Eine Warnung an den Rekordmeister.

(Foto: dpa)

Der FC Bayern hat ein Problem, wenn er sein Bestes gibt und trotzdem verliert. Erling Haaland ist wieder da, in Köln dreht sich der FC falschherum und zwei Trainer bekommen Vertrauen ausgesprochen, was aber die Zweifel nur noch größer werden lässt.

Gladbach hält das Versprechen an den FC Bayern

"Die Bayern verteidigen gerne sehr hoch, weil es ihnen auch hilft", sagte Marco Rose vor dem Spiel von Borussia Mönchengladbach gegen eben jenen Rekordmeister. Und es half den Münchnern tatsächlich, schließlich erzielte Leon Goretzka das vermeintlich vorentscheidende 2:0 aus einem Ballgewinn im Pressing heraus. Aber, auch das sagte Gladbach-Trainer Rose: "Das verursacht in anderen Räumen die Chance, da als Gegner reinzustoßen." Was die Fohlen dann an diesem 15. Spieltag der Fußball-Bundesliga gleich dreimal bewiesen und so die Partie so überraschend wie hochverdient zu ihren Gunsten drehten.

Beim 1:2 war es ein brillanter Steckpass durch die hoch stehende Mitte von Lars Stindl auf Jonas Hofmann, der die Zentrale der Bayern-Defensive entblößte. Beim 2:2 ist es ein rustikaler Ballgewinn vom überragenden Stindl, der mit einem steilen Anspiel von kurz hinter der Mittellinie die hochstehende Abwehr überspielt und Hofmanns zweiten Treffer auflegt. Beim 3:2 fehlt den Münchnern im Zentrum die Zuordnung, als der ebenfalls herausragende Hofmann für Neuhaus auflegt, der sehenswert ins rechte obere Eck vollendet.

So konnte zumindest hinterher niemand sagen, er hätte vorher von nichts gewusst. Rose hatte zumindest diesen Ansatz seiner Taktik offen kommuniziert, seine Mannschaft setzte ihn hervorragend um. Wenn die Borussia die dabei gezeigte Chancenverwertung beibehält, wird aus dem Quartett an der Tabellenspitze recht bald ein Quintett.

Haaland, Haaland, immer wieder Haaland

Erling Haaland ist der beste Stürmer in 58 Jahren Fußball-Bundesliga. Sagt zumindest die Statistik, denn 25 Tore in den ersten 25 Spielen, das hat vor dem Norweger noch niemand geschafft. Dabei verlebte er bei RB Leipzig zunächst einen ruhigen Samstagabend, in der ersten Halbzeit war wenig von ihm zu sehen. Fast so, als bräuchte selbst der oft unbändig energische Angreifer nach einem Muskelfaserriss etwas Anlaufzeit.

Wieder einmal bestätigte sich dann nach Seitenwechsel, was seit Monaten immer wieder deutlich wird: Die offensive Wucht des BVB steht und fällt mit dem 20-Jährigen. Drei Tore erzielten die Schwarzgelben, zwei schoss Haaland selbst, das dritte bereitete er vor. Angesichts dieser Abhängigkeit wählte Emre Can dann auch die eher zurückhaltende Antwort auf die Frage nach Titelambitionen: "Es ist noch zu früh, das zu sagen, aber mit der Qualität muss das unser Ziel sein."

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Der 1. FC Köln hat sich nochmal umgedreht

Wenn der 2:1-Erfolg gegen Borussia Dortmund ein Wendepunkt für den 1. FC Köln gewesen sein sollte - dann hat sich der Effzeh spätestens mit dem Auftritt beim SC Freiburg wieder zurückgedreht. "Letzten Endes waren wir dem Gegner nicht gewachsen", resümierte Trainer Markus Gisdol nach dem 0:5, was ohnehin offensichtlich war. Seit 395 Bundesliga-Minuten ist Köln ohne Tor, vier Spiele in Folge schon steht die offensive Null. "Alle Elf, die auf dem Platz stehen, müssen Leistung bringen und das haben wir auf jeden Fall heute nicht geschafft", sagte Kapitän Jonas Hector nach der Klatsche im Breisgau.

Zwei Siege aus 15 Spielen, nur der Tabellenletzte Mainz und der Tabellenvorletzte Schalke haben seltener gewonnen. Mit 13 Toren stellt Köln die drittschwächste Offensive der Liga, mit 27 Gegentoren die viertanfälligste Defensive. Nach dem Heimspiel gegen Hertha am kommenden Wochenende geht es bis Ende Januar noch gegen Schalke, Hoffenheim und Bielefeld. Mit Leistungen wie in Freiburg "gewinnst du kein einziges Spiel", sagte Marius Wolf. Was fatal wäre für das Planziel "Klassenerhalt".

Der FC Bayern hat (k)ein Problem mit der Qualität

Seit Ende Oktober fehlt Manuel Neuer ein einziges Zu-Null-Spiel zum Bundesliga-Rekord. Zehn Mal gelang es ihm seitdem jedoch nicht, ohne Gegentor zu bleiben, was angesichts von bislang 420 Einsätzen in der höchsten deutschen Spielklasse eine statistisch durchaus signifikante Neuerung für Neuer ist. 195 Mal stand bei Neuer die Null, bei 196 liegt Oliver Kahns Rekord. Dieses lange Warten verdeutlicht das gewaltige Problem des FC Bayern.

Mann des Abends beim 2:3 in Gladbach war Niklas Süle, allerdings nicht im Positiven. Beim Anschlusstreffer folgt er Hofmanns Laufweg in den freien Raum nicht, beim Ausgleich spielt er vergeblich auf Abseits. Beim entscheidenden Tor missglückt ihm erst ein eigentlich simpler 20-Meter-Pass zu Benjamin Pavard im Spielaufbau, dann darf wiederum Hofmann einfach an ihm vorbeidribbeln und für Florian Neuhaus auflegen.

"Wenn man unser Spiel sieht, ist ja schon auch irgendwo auffällig, wo wir Probleme haben. Wir müssen uns einfach verbessern", schimpfte Trainer Hansi Flick und verzichtete trotzdem darauf, in der Defensive zu wechseln. Jérôme Boateng, Lucas Hernández und auch Bouna Sarr saßen einsatzbereit auf der Bank, Flick beließ sie dort.

Was angesichts der Formkrise, die neben Süle auch Pavard durchläuft, durchaus überraschend kam. "Alle, die auf dem Platz standen, haben ihr Bestes versucht", sagte Flick auf der Pressekonferenz nach der Partie: "Ich habe mich entschieden, nicht zu wechseln. Das hatte mit dem Spielverlauf zu tun und nicht mit der Qualität auf der Bank." Wobei angesichts der dort gezeigten Mängel die Frage ist, ob der FC Bayern zurzeit ein Qualitätsproblem hat.

Ein Vertrauensbeweis mit großen Zweifeln

Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn es bei Fußballtrainern heißt, dass sie "beim nächsten Spiel ganz sicher auf der Bank sitzen". Weil das nämlich bedeutet, dass es nicht unwahrscheinlich ist, dass sie diesen Platz auf der Bank bis zum übernächsten Spiel verlieren könnten. Solche eine Garantie, die mehr Sorgen bereitet als Sicherheit bietet, erhielten an diesem Wochenende gleich zwei Übungsleiter: Markus Gisdol und Sebastian Hoeneß.

Gisdol ist beim 1. FC Köln schon länger umstritten, wegen der schwachen Ergebnisse einerseits und der zu oft zu harmlosen Darbietungen seiner Elf andererseits. Angesichts der Doch-nicht-Wende (siehe oben), des desaströsen 0:5 in Freiburg und der Aussicht auf (vor-)entscheidende direkte Duelle bis Monatsende könnte der Wunsch nach einem zumindest kurzfristigen frischen Impuls von der Seitenlinie groß sein.

Für einen solchen Impuls stand zu Saisonbeginn der Trainer mit der berühmten Verwandtschaft, doch der Zauber um Hoeneß in Hoffenheim scheint verflogen. Dem souveränen Gruppensieg in der Europa League steht ein Pokalaus gegen Zweitligist Fürth zwei Tage vor Heiligabend entgegen, in der Bundesliga gab es nach zwei Siegen zum Saisonstart - darunter das furiose 4:1 gegen den FC Bayern - in 13 Anläufen nur noch magere zwei Erfolgserlebnisse.

Hoeneß werde sich "nicht wegducken", sagte er nach der Klatsche auf Schalke. Doch angesichts von null Punkten und 1:7 Toren im Jahr 2021 könnte ihm diese Entscheidung auch abgenommen werden, wenn auch gegen Bielefeld, Hertha und Köln keine Trendumkehr erkennbar wird.

Quelle: ntv.de