Fußball

"Man darf das nicht machen" Gnadenlose Strafe für den FC Bayern

Überraschender Rückschlag für den FC Bayern: Nach einem unfassbaren Fehlerfestival gegen Borussia Mönchengladbach droht dem Rekordmeister der Sturz von der Tabellenspitze. Hansi Flick wird das eher egal sein, er zählt seine Mannschaft ziemlich deutlich an.

Leroy Sané hat ein ziemlich gutes Spiel für den FC Bayern gemacht. Darüber würde es sich sicher lohnen zu berichten nach Wochen voller "Drecksbälle", Ermahnungen und Verteidigungsreden. Leroy Sané dribbelte, schoss und entzog sich der penetranten Aggressivität des Gegners so elegant wie kein anderer Münchner an diesem Freitagabend. Über Leroy Sané wird allerdings dennoch weniger gesprochen werden, als es sich lohnen würde. Denn seine Münchner haben in der Bundesliga mal wieder ein Spiel verloren. Das erste seit dem 27. September des vergangenen Jahres. Damals ging der ermattete Rekordmeister in Hoffenheim mit 1:4 unter. So knackig im Resultat war's nun bei Borussia Mönchengladbach nicht, aber in ihrer Wucht für die kommenden Wochen wird die 2:3-Niederlage nach 2:0-Führung gewaltig nachhallen.

Denn dem FC Bayern war im Borussia-Park das widerfahren, wovor Trainer Hansi Flick mindestens mal die ganze Woche intensiv und laut gewarnt hatte. Man könne den Gegner nicht einfach laufen lassen "und dann auf Manu (Anmerk. d. Red.: Torwart Manuel Neuer) hoffen". Tatsächlich war also genau das passiert. Sowohl beim ersten als auch beim zweiten Gegentor wurde Nationalspieler Jonas Hofmann mit einem Pass hinter die Abwehr der Münchner freigespielt, ehe er in aller Lässigkeit traf. So gut, wie vorab geplant. Gegen einen Manuel Neuer, der jeweils absolut schuldlos war, bei dem an diesem Abend aber die Normalversion des Torwarts und nicht das titanisierte Über-Ich der vergangenen Monate auf der Linie stand. Der Chronistenpflicht Genüge getan: Auch beim wuchtigen 3:2 durch Nationalspieler Florian Neuhaus war der Münchner Kapitän ohne Zugriffschance.

Im Prinzip eskalierte bei den starken und galligen Gladbachern nur das, was in München seit Wochen so bedrohlich an der Zündschur zischelte. Der maximale Schaden, den die so vielen Nachlässigkeiten im Spiel des FC Bayern anzurichten drohen, wurde dieses Mal eben nicht durch Robert Lewandowski (Tore) und Neuer (Parade) vertitanisiert. Und was die Mannschaft von Flick besonders aufschrecken dürfte: Gegen Gladbach war es nicht der mittlerweile schon ewige Weckruf, der wieder einmal Erfolgskräfte freisetzte, nein, dieses Mal verspielte die Mannschaft eine Führung, die sie seit einer Ewigkeit nicht verspielt hatte. Statt den eigentlich souveränen Vorsprung im besten Miasanmia über die Linie zu ziehen, patzte einmal mehr das vergangene Saison noch so stabile Fundament: die Abwehr.

Borussia Mönchengladbach - Bayern München 3:2 (2:2)

Tore: 0:1 Lewandowski (20., Handelfmeter), 0:2 Goretzka (26.), 1:2 Hofmann (35.), 2:2 Hofmann (45.), 3:2 Neuhaus (49.)
Mönchengladbach:
Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini (89. Jantschke) - Kramer - Zakaria (74. Herrmann), Neuhaus - Embolo, Stindl (82. Wolf), Hofmann (89. Wendt); Trainer: Rose.
München: Neuer - Pavard, Süle, Alaba, Davies - Goretzka, Kimmich - Leroy Sane, Thomas Müller, Douglas Costa (68. Coman) - Lewandowski; Trainer: Flick.
Schiedsrichter: Harm Osmers (Hannover)

Für die Münchner waren es nach nun 15 Spielen bereits die Gegentore 22 bis 24 - eine derart anfällige Defensive stellten die Bayern zuletzt in der Spielzeit 1981/82, als zu diesem Zeitpunkt der Saison schon erstaunliche 25 Gegentore in der Bilanz standen. Und erstmals seit zehn Jahren (!) - seit dem 2:3 beim 1. FC Köln - ging eine Begegnung nun nach einem 2:0 noch verloren. Angesichts dessen und angesichts des Umstands, dass die Worte der vergangenen Tage offenbar keinen Anklang bei den Spielern fanden, wurde Flick in seinem Ärger sehr, sehr deutlich. "Wir sind für drei unnötige Ballverluste bestraft worden. Man darf diese Fehler nicht machen", sagte er. "Wir machen den einen oder anderen Fehler zu viel. Wir brauchen mehr Konzentration in der Defensivarbeit." Täglich grüßt der Murmelflick. Und gestand mit Milde: "So eine Niederlage gehört mal dazu."

Ganz besonders angesprochen fühlen darf sich Niklas Süle. Bei den ersten beiden Gegentoren folgte er dem Torschützen nicht, bei entscheidenden Treffer spielte er zuvor einen fürchterlichen Pass. Ohne den Namen des Nationalspielers zu nennen, befand Flick: "Man muss aber auch die Tiefe absichern. Beim ersten Tor sind wir zu früh rausgegangen, statt abzusichern und beim zweiten Tor muss man mitgehen, dann passiert da nichts." Tatsächlich spekulierte Süle auf Abseits, statt die Aktionen zu begleiten. Was dieses Spiel nun für Folgen haben wird? Personell, das hatte Sportvorstand Hasan Salihamidzic vor dem Spiel angekündigt, keine. Zumindest nicht auf der Zugangsseite: "Selbstverständlich machen wir nichts. Wir sind sehr gut besetzt, haben viele Optionen und hoffen, dass unsere Spieler gesund bleiben."

Zuletzt war in mehreren Medien tüchtig spekuliert worden, dass für die Position hinten rechts noch nach einer Verstärkung gefahndet werden könnte. Denn dort ist Weltmeister Benjamin Pavard völlig außer Form. Auch gegen die Borussia leistete er sich wieder einen amtlichen Aussetzer, auf seinen Fehlpass folgte schließlich der Anschlusstreffer. Der Punkt, als das Spiel kippte. Bis dahin war tatsächlich alles sehr vernünftig gelaufen für den Rekordmeister.

"Die ersten 30 bis 35 Minuten waren die besten, die wir seit langem gespielt haben. Wir waren sehr kontrolliert", befand der starke Leon Goretzka, der die Führung durch Lewandowski (20.) mit einem tollen Schuss auf 2:0 erhöht hatte. "Aber dann", ärgerte sich der Nationalspieler, "verlieren wir zweimal den Ball, wo wir ihn nicht verlieren dürfen und reagieren darauf nicht richtig. Man kann sich so positionieren, dass diese Ballverluste nicht so verheerend enden. Dann steht es ruckzuck 2:2. Das 2:3 fällt aus einer ähnlichen Situation. Wir haben den Gegner dreimal eingeladen und sie haben ihre Chancen genutzt." Das Spiel noch so herzugeben, das tat Goretzka "schon weh."

Quelle: ntv.de