Fußball

Alles Wichtige zur Super League Die Milliarden-Pläne, die den Fußball zerstören

Was für eine Ansage: Zwölf Topklubs aus Italien, Spanien und England haben sich zusammengeschlossen und wollen eine europäische Superliga gründen. Deutsche Vereine sind bei dem höchst umstrittenen Projekt bislang nicht dabei. Es geht um viel Geld - und angeblich auch um die Fans. Fragen und Antworten.

Welche Klubs stecken hinter den Plänen?

Bei den Vereinen handelt es sich um die englischen Klubs FC Liverpool, Manchester United, Manchester City, Tottenham Hotspur, FC Arsenal und FC Chelsea, die spanischen Topteams Real Madrid, FC Barcelona und Atletico Madrid sowie Juventus Turin, AC Mailand und Inter Mailand aus Italien. Deutsche Teams wie Bayern München und Borussia Dortmund oder der französische Primus Paris St. Germain sind zunächst nicht beteiligt. Allerdings würden noch "drei weitere Vereine eingeladen", teilte die exklusive Gruppe mit. Insgesamt sei Platz für 20 Mannschaften.

Welche Pläne verfolgen die Klubs?

Mit der angeblich weltweiten Nachfrage nach einem neuen Wettbewerb, der über eine ganze Saison hinweg zahlreiche Spitzenspiele mit vielen der klangvollsten Namen des europäischen Fußballs garantiert, werben die Klubs für ihre Pläne.

Warum ist das problematisch?

Die Super League hat nichts mehr mit einem sportlichen Wettbewerb zu tun, wie er den europäischen Fußball trotz aller bisheriger finanzieller Ungleichheiten seit Jahrzehnten prägt. Sie wäre eine geschlossene Gesellschaft, ohne Auf- und Abstieg, ohne sportliche Qualifikation, dafür aber mit riesigen Verdienstmöglichkeiten für die Klubs, die eingeladen werden.

Nähmen die Super-League-Klubs zusätzlich weiter an nationalen Wettbewerben teil, wäre ihr Budget um ein Vielfaches höher als das der nationalen Konkurrenz. Das ist zwar jetzt schon durch die Champions League der UEFA mitunter so, die Teilnahme daran aber basiert zumindest auf einer sportlichen Qualifikation.

Wie viel Geld steckt in der Super League?

Gelockt wird mit der Ankündigung, dass den Gründungsvereinen zunächst 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen sollen - bei einer Einlage von, so geht aus der Mitteilung des börsennotierten Klubs Juventus Turin hervor, zwei Millionen und, falls nötig, bis zu weiteren acht Millionen Euro je Gründungsmitglied. Dafür soll es jährlich 100 Millionen Euro Startgeld für jeden Klub geben, heißt es, je nach sportlichem Erfolg wachsen die Einnahmen. Zum Vergleich: Für die Champions-League-Saison 2019/20 überwies die UEFA dem FC Bayern rund 135 Millionen Euro - dafür musste dann aber auch schon der Titel her.

Der größte Teil der Einnahmen soll wohl wie üblich aus der Vermarktung der TV-Rechte kommen. Die Vereine wollen auch Solidaritätszahlungen leisten und so nach eigenem Bekunden dafür sorgen, dass die ganze europäische Fußball-Pyramide von ihrem Plan profitiert.

Wer finanziert den neuen Wettbewerb?

Die US-amerikanische Investmentbank JPMorgan steht als Geldgeber hinter der neu geschaffenen Super League. Das erklärte das Unternehmen mit Sitz in New York. "Ich kann bestätigen, dass wir den Deal finanzieren", sagte ein Sprecher der Bank der französischen Nachrichtenagentur AFP, ohne Details des aufsehenerregenden Geschäfts zu nennen.

Laut Gründungserklärung erhalten die zwölf Klubs "einen Betrag von 3,5 Milliarden Euro, der ausschließlich für die Entwicklung ihrer Infrastruktur und zur Abfederung der Auswirkungen der Covid-Pandemie vorgesehen ist".

Welche Konsequenzen hätte das für Champions League und Bundesliga?

Geht es nach FIFA und UEFA, wären die Konsequenzen für die Champions League und darüber hinaus gewaltig. Die UEFA reagierte auf die Pläne der Gründer umgehend: Den in der Super League vertretenen Klubs werde "die Teilnahme an anderen Wettbewerben auf nationaler, europäischer oder weltweiter Ebene untersagt, und ihren Spielern könnte die Möglichkeit verweigert werden, ihre Nationalmannschaften zu vertreten." Man werde "alle Maßnahmen, die uns zur Verfügung stehen, in Betracht ziehen - auf allen Ebenen, sowohl rechtlich als auch sportlich - um zu verhindern, dass dies geschieht. Der Fußball basiert auf offenen Wettbewerben und sportlichen Leistungen; es kann keinen anderen Weg geben", hieß es in einer Mitteilung. Auch die FIFA "missbilligt" den Vorstoß scharf.

Ob die Bundesliga beeinflusst wird, wird am Ende von der Zusammensetzung des elitären Super-League-Zirkels abhängen. Der FC Bayern München und Borussia Dortmund sind nicht unter den zwölf Klubs, die den Vorstoß wagten, es gibt auch keine Aussagen, die darauf hindeuten, dass sie am Ende zu den 15 Gründungsmitgliedern der Liga gehören wollen. Gerüchte gibt es, dass RB Leipzig als deutscher Vertreter in der Super League vertreten sein könnte. Klar ist: Eine Super League ohne einen einzigen deutschen Klub hätte schon zum Start arge Schwierigkeiten, sich als Premiumliga des europäischen Fußballs präsentieren zu können.

Christian Seifert, Geschäftsführer der DFL, sagte der UEFA am Sonntagabend Unterstützung zu. "Wirtschaftliche Interessen einiger weniger Top-Clubs in England, Italien und Spanien dürfen nicht die Abschaffung gewachsener Strukturen im gesamten europäischen Fußball zur Folge haben", äußerte Seifert. "Es wäre insbesondere unverantwortlich, die nationalen Ligen als Basis des europäischen Profifußballs auf die Weise irreparabel zu beschädigen."

Warum sind der FC Bayern und Borussia Dortmund nicht dabei?

Borussia Dortmund und der FC Bayern München seien sich über die Ablehnung der Super League einig, versicherte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. Watzke erklärte in einer Mitteilung seines Vereins, dass "beide deutsche Klubs, die im ECA-Board vertreten sind, der FC Bayern München und Borussia Dortmund, in allen Gesprächen zu 100 Prozent deckungsgleiche Auffassungen vertreten haben".

Grundsätzlich betonte der BVB-Boss noch einmal: "Die Mitglieder des Boards der European Club Association haben sich am Sonntagabend zu einer virtuellen Konferenz zusammengeschlossen und bekräftigt, dass der Board-Beschluss vom vergangenen Freitag nach wie vor Gültigkeit hat. Dieser Beschluss besagt, dass die Klubs die geplante Reform der UEFA Champions League umsetzen wollen. Es war die klare Meinung der Mitglieder des ECA-Boards, dass man die Pläne zur Gründung einer Super League ablehnt."

Warum gerade jetzt?

Die Super League scheint den „Wettbewerb“ abzubilden, den sich die Topklubs im Zuge der Champions-League-Reform gewünscht haben. Garantierte Teilnahme mit garantiert hohen Einnahmen, die fest eingeplant werden können, statt vom sportlichen Abschneiden abhängig zu sein. Die UEFA wollte offenkundig nicht in dem Maße die Champions League verändern, wie es sich die zwölf Gründungsmitglieder der Super League gewünscht haben, die übrigens – Grüße an den FC Arsenal – sportlich seit Jahren nicht die Teilnahmeberechtigung für Europas Königsklasse erreicht haben.

Das Timing ist auch unter finanziellen Gesichtspunkten günstig, worauf die Sportschau hinweist: Denn in Spanien und England laufen im kommenden Jahr die gewaltigen TV-Verträge der Premier League und der La Liga aus. Da wird plötzlich sehr viel Geld frei – auch um es in die Super League zu investieren. Und mittelfristig könnten sogar noch größere Summen aufgeboten werden, denn 2024 müssen die TV-Verträge in Italien und für die Champions League neu verhandelt werden. Eine Umverteilung zugunsten der abtrünnigen Großklubs ist mehr als denkbar.

Wie sind die Reaktionen auf die Pläne?

Die Reaktionen auf die revolutionären Pläne sind auf vielen Ebenen sehr deutlich: Am eindringlichsten formulierte wohl Gary Neville seine Kritik an der Entwicklung, ausgerechnet eine Legende von Super-League-Klub Manchester United. Dessen Besitzer Malcolm Glazer ist eine der treibenden Kräfte hinter der Liga. "Eine Schande" sei das alles, schimpfte Neville sichtlich bewegt bei "Sky". "Ich bin Manchester-United-Fan, ich bin das seit 40 Jahren, aber ich bin empört, total empört. Das ist kriminell. Das ist ein krimineller Akt gegen die Fans!" Und weiter: "Zieht ihnen morgen alle Punkte ab! Verbannt sie an das Ende der Liga und nehmt ihnen das Geld weg", forderte Neville und fragte: "Haben sie denn das gottgegebene Recht, dabei zu sein? Ganz ehrlich, die Zeit ist jetzt reif für einen unabhängigen Regulator, um diese Klubs an ihrer Machtbasis zu stoppen. Genug ist genug!"

Ja, "genug ist genug", schrieb Dr. Rainer Koch, DFB-Vize und Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees. "Ich unterstütze zu 100 % die Position der UEFA. Viel zu lange ist dem Treiben einiger weniger europäischer Großklubs zugesehen worden". Fußball basiere auf offenen sportlichen Wettbewerben. "Wer das nicht anerkennt, wird mit seinen Fans, Spielern und Teams aus allen Stockwerken des Weltfußballhauses ausziehen müssen", so Rainer Koch.

Die englische Premier League warnte ihre Klubs vor dem Beitritt in eine Superliga und verwies auf die Statuten, die genau das verhindern sollen. Sogar der britische Premierminister Boris Johnson schaltete sich in die Diskussion ein und nannte die Superliga-Pläne "schädlich" für den Fußball. Sie würden das Herz des nationalen Fußballs treffen und die Fans im ganzen Land betreffen, schrieb Johnson auf Twitter.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron fand ebenfalls deutliche Worte. Die Super League "gefährdet das sportliche Leistungsprinzip", erklärte der 43-Jährige. Frankreich würde "alle Schritte" der Fußballverbände unterstützen, um die bestehenden Wettbewerbe zu schützen.

Scharfe Kritik gab es vom europäischen Fan-Netzwerk Football Supporters Europe (FSE). "Dieser geschlossene Wettbewerb wird der letzte Nagel im Sarg des europäischen Fußballs sein und alles zerstören, was ihn so beliebt und erfolgreich gemacht hat", heißt es in einer Erklärung. "Diese Pläne sind von Grund auf illegitim, unverantwortlich und gegen jeglichen Wettbewerb. Mehr noch, sie werden ausschließlich aus Gier vorangetrieben."

Quelle: ntv.de, mit dpa und sid

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.