Fußball

Abstiegskampf in der Bundesliga Köln lebt noch, der HSV ist so gut wie tot

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Niedergeschlagen: Hamburgs Gian-Luca Waldschmidt nach der Niederlage gegen Hertha BSC.

(Foto: imago/MIS)

Die Saison in der Fußball-Bundesliga biegt auf die Zielgerade ein. Die Meisterschaft ist bereits entschieden. Die Blicke richten sich auf den Tabellenkeller. Wer tritt den Gang in Liga zwei an? Wer muss in die Relegation?

Zerfallserscheinungen, Durchhalteparolen, wütende Fans, Verweise auf das mathematisch noch Mögliche: Der Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga tritt in seine heiße Phase, die Nervosität bei den betroffenen Klubs wird immer größer. Um die Moral in ihren Teams aufrecht zu erhalten, verweisen die Verantwortlichen auf die 21 Punkte, die noch zu vergeben sind. Die unter extremem Druck stehenden Trainer nutzen die Länderspielpause zu zahlreichen Gesprächen mit den Spielern. Sie arbeiten an den sogenannten Basics und analysieren die unzähligen Fehler, die auf dem Platz gemacht wurden. Die Coaches beschwören, dass zur Verhinderung des Absturzes in die Zweitklassigkeit auch Kampf notwendig ist - the same procedure as every year.  

Dass das spielerische Reservoir bei den betroffenen Teams limitiert ist, liegt auf der Hand. Nicht umsonst befinden sie sich in der unteren Tabellenregion. Um das Schlimmste zu verhindern, sind Ideen gefragt - besser noch: deren praktische Umsetzung. Dass dabei ein hohes Maß an Disziplin und mannschaftliche Geschlossenheit notwendig ist, liegt auf der Hand.

Die größten Sorgen haben der Hamburger SV, der 1. FC Köln, der FSV Mainz 05 und der VfL Wolfsburg. Aber auch den tapferen Kickern des SC Freiburg sitzt das Abstiegsgespenst noch im Nacken. Die letzten sieben Spieltage der Saison 2017/18 bedeuten für diese Klubs sieben Endspiele. Laut Louis van Gaal gibt es am Ende "Tod oder Gladiolen".

HSV schlägt sich mit Spielerrevolte und Chaoten herum

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Polizeieinsatz im Volksparkstadion.

(Foto: imago/MIS)

Beim Hamburger SV ist wohl die erste Variante sehr wahrscheinlich. Der Bundesliga-Dino ist ein hoffnungsloser Fall und wird nach dem letzten Spieltag am 12. Mai sein Leben aushauchen. Mit Christian Titz betreut nach Markus Gisdol und Bernd Hollerbach nun bereits der dritte Trainer in dieser Saison eine Mannschaft, die eigentlich keine ist. Bei der 1:2-Heimniederlage gegen eine zuletzt schwache Berliner Hertha lebte bei den Hamburgern zwar ein Hauch von Widerstandsgeist auf, doch in der zweiten Spielhälfte fielen sie in alte Verhaltensmuster zurück und überließen dem Gegner alle drei Punkte. Da half auch nicht, dass die Stadionverantwortlichen alles in ihrer Macht Stehende taten und während der Partie immer wieder den Zwischenstand des Mainz-Spiels bei Eintracht Frankfurt (0:3) auf die Tafel projizierten. Die eigenen Kicker ergaben sich ihrem Schicksal. Ergebnis: Der HSV ist Tabellenletzter. Laut Investor und Edelfan Klaus-Michael Kühne wird der Stadt Hamburg eine der drei Perlen abhandenkommen.   

Dem 46-jährigen Titz war zweifellos klar, dass er ein Himmelfahrtskommando übernommen hat. Der Coach drehte gegen Hertha an der personellen Stellschraube und beorderte Ville Matti Steinmann (23) und den von Hollerbach nicht berücksichtigten Tatsuya Ito (20) in die Anfangself. Im Tor wurde Christian Mathenia durch Julian Pollersbeck ersetzt. Gideon Jung nahm in der Innenverteidigung den Platz von Kyriakos Papadopoulos ein. Das sorgte für riesigen Ärger: Der Grieche, der in den letzten Spielen mehr mit sich selbst als mit dem Spiel zu tun hatte, machte seinem Ärger Luft und attackierte Titz. "Es ist total schade, dass viele erfahrene Spieler nicht dabei sind, sie sind wichtig für die Mannschaft, es war nicht die beste Lösung", so Papadopoulos. Er blendete allerdings aus, dass es die erfahrenen Spieler waren, die den HSV in diese missliche Lage gebracht haben.

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Nun beim HSV II: Walace.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Dass es in Hamburg drunter und drüber geht, zeigt auch die Personalie Walace. Von Gisdol zuletzt ignoriert, bei Hollerbach in der Startelf, nun wieder außen vor: Der Brasilianer antwortete auf seine Nichtberücksichtigung im Hertha-Spiel mit Abwesenheit im Stadion. Er findet sich nun in der U21-Mannschaft wieder, die bislang erfolgreich in der Regionalliga Nord kickt. Zu den Problemen mit dem Kader kommen die Chaoten, die mit geschmacklosen Aktionen das HSV-Personal bedrohen.

Das Hamburger Restprogramm: VfB Stuttgart (A), Schalke 04 (H), TSG Hoffenheim (A), SC Freiburg (H), VfL Wolfsburg (A), Eintracht Frankfurt (A), Borussia Mönchengladbach (H)

Effzeh wittert Morgenluft

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Leonardo Bittencourt (rechts) wirbelte mächtig gegen Bayer Leverkusen.

(Foto: imago/Chai v.d. Laage)

Anders präsentiert sich der 1. FC Köln. Mit dem 2:0-Heimsieg im rheinischen Duell gegen Bayer Leverkusen haben die Domstädter den letzten Platz verlassen und einen rettenden Platz in Sichtweite. Allerdings müsste das Team von Trainer Stefan Ruthenbeck auch auswärts nachlegen und bei der TSG 1899 Hoffenheim einen Sieg landen.

Der Trainerwechsel von Peter Stöger zu Ruthenbeck - vorher in Fürth und Aalen Chefcoach - hat sich gelohnt: Er stabilisierte das Team. Gegen den Champions-League-Aspiranten Leverkusen bot Köln eine starke Partie. Ruthenbeck stehen allerdings zuletzt lange verletzte Leistungsträger wie Leonardo Bittencourt und Jonas Hector wieder zur Verfügung. Vor allem Bittencourt brillierte gegen Bayer 04, der 24-Jährige war das Herzstück einer überzeugenden Kölner Mannschaft.

Ein großer Pluspunkt ist, dass die Rheinländer im Abstiegskampf eine Einheit bilden. Mit Glück und Geschick könnte ihnen noch der Verbleib in der obersten Spielklasse gelingen. Vielleicht kommt es am letzten Spieltag in Wolfsburg zum Showdown.

Das Kölner Restprogramm: 1899 Hoffenheim (A), FSV Mainz 05 (H), Hertha BSC (A), Schalke 04 (H), SC Freiburg (A), Bayern München (H), VfL Wolfsburg (A)

Schwache Mainzer betteln um den Abstieg

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Mit Mainz im Abstiegsstrudel: Sandro Schwarz.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Auch dem FSV Mainz 05 steht das Wasser bis zum Hals. Die Rheinhessen spielten bei der 0:3-Niederlage in Frankfurt wie ein Absteiger. Die Formkurve der Mannschaft von Trainer Sandro Schwarz geht seit geraumer Zeit nach unten. Vor allem in der Abwehr gibt es große Probleme. Aber auch die Leistungen der Offensive sind unbefriedigend. Die Verpflichtung des niederländischen Nationalspielers Nigel de Jong für das defensive Mittelfeld hat bislang nicht viel gebracht. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der selbsternannte Karnevalsverein regelrecht um den Abstieg bettelt.

Nur der Umstand, dass Köln und der HSV bereits so weit weg sind, hält die Mainzer auf dem Relegationsrang. Schwarz steht laut Sportvorstand Rouven Schröder nicht zur Disposition. Dabei wäre die Länderspielpause der günstigste Zeitpunkt für einen Trainerwechsel. Die Mainzer wollen die zwei freien Wochen lieber zu einer intensiven Fehleranalyse nutzen. Mit den Spielern soll es Gespräche geben. Die Stimmung bei den 05ern ist derzeit schlecht. Von ihren Fans wurden sie zuletzt ausgepfiffen. Nun muss zuhause gegen die zuletzt auch nicht gerade überzeugenden Gladbacher unbedingt gepunktet werden. Pikant: Danach geht es zum 1. FC Köln.

Das Mainzer Restprogramm: Borussia Mönchengladbach (H), 1. FC Köln (A), SC Freiburg (H), FC Augsburg (A), RB Leipzig (H), Borussia Dortmund (A), Werder Bremen (H)

In Wolfsburg schießt Geld keine Tore

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Bruno Labbadia hat in Wolfsburg auch keinen vergnügungssteuerpflichtigen Job.

(Foto: imago/Hübner)

Punktgleich mit den Mainzern ist der VfL Wolfsburg, nur dank des besseren Torverhältnisses sind die Niedersachsen nicht auf einem Abstiegsplatz. Mit Andries Jonker und Martin Schmidt haben sie bereits zwei Trainer verschlissen. Nun ist Bruno Labbadia am Ruder, sein Start in Wolfsburg ging buchstäblich in die Hose: 1:1 in Mainz, 1:2 gegen Leverkusen, 0:3 in Sinsheim und 0:1 gegen Schalke - nur ein Punkt aus vier Spielen. Der Coach, der vor drei Jahren mit dem Hamburger SV in der Relegation den Klassenerhalt schaffte, ist bereits jetzt Ziel von Spottgesängen der Wolfsburger Fans: "Wir steigen ab. Wir kommen nie wieder. Wir haben Bruno Labbadia." Unterstützung sieht anders aus.

Wie im vergangenen Jahr ist der Deutsche Meister von 2009 trotz eines teuren Kaders in akuter Abstiegsgefahr. Der Weggang von Nationalstürmer Mario Gomez in der Winterpause zum VfB Stuttgart tut den Wolfsburgern immer noch weh. Ihr Spiel ist seitdem von Harmlosigkeit geprägt - Geld schießt keine Tore. Labbadia hat nun vor, das Training zu intensivieren. Bei Hertha BSC soll dann der erste Befreiungsschlag gelingen. Möglich ist, dass der VfL erneut in die Relegation muss. Vor knapp einem Jahr hat man sich dort gegen Eintracht Braunschweig nur knapp durchsetzen können.

Das Wolfsburger Restprogramm: Hertha BSC (A), SC Freiburg (A), FC Augsburg (H), Borussia Mönchengladbach (A), Hamburger SV (H), RB Leipzig (A), 1. FC Köln (H)

Streichs tapfere Freiburger

Die besten Karten im Abstiegskampf hat zweifellos der SC Freiburg. Mit 30 Punkten liegen die Breisgauer zwar fünf Punkte vor dem Relegationsplatz, sie haben allerdings ein miserables Torverhältnis von 26:44. Zuletzt haben die Südbadener eine empfindliche 1:2-Heimniederlage gegen den schwäbischen Erzrivalen VfB Stuttgart hinnehmen müssen. Das Team von Christian Streich spielte auch nicht gut. "Ich bin gottfroh, dass die Pause kommt", sagte der Trainer nach dem Spiel.

Streich weiß, dass sein Team jedes Mal Großes leisten muss, um in der Bundesliga zu bestehen: "Was wir körperlich abspulen müssen, weil es nicht anders geht, ist absolut grenzwertig." Spielerische Unzulänglichkeit muss beim Sportclub mit starker Laufleistung wettgemacht werden. In den letzten Spielen hatten sich die Freiburger, die jedes Jahr wichtige Spieler ziehen lassen müssen, nur wenige Torchancen erarbeitet. Aber in schwierigen Momenten kann Streich in der Regel immer auf Stürmer Nils Petersen setzen, der mit 13 Treffern der derzeit torgefährlichste deutsche Stürmer in der Bundesliga ist.

Der SC Freiburg spielt immerhin noch gegen vier mitgefährdete Mannschaften. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch in der kommenden Saison Erstligafußball in Freiburg zu sehen ist, ist groß.

Das Freiburger Restprogramm: Schalke 04 (A), VfL Wolfsburg (H), FSV Mainz 05 (A), Hamburger SV (A), 1. FC Köln (H), Borussia Mönchengladbach (A), FC Augsburg (H)

Quelle: ntv.de