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Lungenschäden nach Covid-19 Air trapping macht volles Ausatmen unmöglich

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Die Computertomografie zeigt die Lunge eines Covid-19-Patienten.

(Foto: picture alliance/dpa/ANP)

Auch wenn der Körper es geschafft hat, die Erreger von Covid-19 erfolgreich zu bekämpfen, werden viele Menschen nach der Infektion mit Sars-CoV-2 nicht ganz gesund. Mediziner suchen nach den Ursachen dafür. In den USA werden sie beim Ansehen von Lungen-Scans fündig.

Einige Patientinnen und Patienten können nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 beim Ausatmen die Lungen nicht vollständig entleeren. Das haben Radiologen in den USA anhand von Bildern der Lungen, die bei Computertomografien entstanden sind, herausgefunden. Auch wenn bisher nicht geklärt werden konnte, welche langfristigen Folgen aus dieser Veränderung in der Lunge entstehen können, ist denkbar, dass diese Einschränkungen zu den verbreiteten Long-Covid-Symptomen wie beispielsweise geringe Belastbarkeit, Kurzatmigkeit oder Abgeschlagenheit führen.

Das Phänomen, das auch bei anderen Erkrankungen der Lunge, wie bei Asthma oder chronischer Bronchitis entstehen kann, ist bekannt. Es wird als Air trapping (Lufteinschluss) bezeichnet. Durch chronische Entzündungen verengen sich die kleinen Atemwege, sodass es Patientinnen und Patienten nicht möglich ist, die Luft aus den Lungenbläschen, den sogenannten Alveolen, beim Ausatmen vollständig herauszubringen. Die Folge ist ein verminderter Gasaustausch. Je mehr Lungengewebe involviert ist, umso größer könnten auch die Auswirkungen sein. Wenn jedoch nur ein Teil der Lunge betroffen ist, dann kann es sein, dass die Einschränkungen weder mit einer Blutgasanalyse noch mit einem kleinen Lungenfunktionstest, der sogenannten Spirometrie, nachgewiesen werden können.

Air trapping und Long Covid

Das Team um Alejandro Comellas vom Carver College of Medicine in Iowa City wollte wissen, ob eine Sars-CoV-2-Infektion bei Patienten mit anhaltenden Symptomen zu einer Erkrankung der kleinen Atemwege führt. Den Forscherinnen und Forschern ist es nun gelungen, Air trapping bei Menschen mit Long Covid durch Computertomografie (CT) sichtbar zu machen. Sie wiesen ihre Patientinnen und Patienten dafür an, erst auszuatmen, um dann die CT zu machen. Insgesamt wurden so Lungenscans von 206 Menschen erstellt und ausgewertet. Davon waren 100 nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert, die sich noch nicht wieder gesund fühlten. Die Erkrankung galt bei allen mehr als 30 Tage lang als überstanden. 67 Patientinnen und Patienten wurden ambulant behandelt, 17 waren wegen Covid-19 stationär im Krankenhaus und 16 mussten auf einer Intensivstation behandelt worden. 106 gesunde Probandinnen und Probanden bildeten die Kontrollgruppe.

Die Forschenden stellten ein hohes Maß an Lufteinschlüssen und Milchglastrübungen auf den Lungenscans bei den Probanden mit Covid-19 fest. Das sind Hinweise auf geschädigtes Lungengewebe. Besonders interessant: Solche Befunde waren nicht nur auf den Bildern bei denen zu finden, die wegen Covid-19 stationär oder intensivmedizinisch behandelt werden mussten, sondern auch bei denen, deren Krankheitsverlauf ohne Krankenhausaufenthalt als mild eingestuft wurde. "Unabhängig von der Covid-Schwere waren ihre Atemwege noch Monate danach betroffen", fasst Comellas laut Medicinenet zusammen.

Lufteinschlüsse und Milchglastrübungen

Lufteinschlüsse wurden beispielsweise bei 25,4 Prozent der Personen entdeckt, die einen milden Verlauf hatten. Der Anteil der stationär behandelten liegt hierbei bei 34,6 Prozent und bei denjenigen, die intensivmedizinische behandelt werden mussten, zeigten 27,3 Prozent Lufteinschlüsse. Bei den Milcheintrübungen zeigt sich ein anderes Bild: Hiervon waren 94 Prozent der Intensivpatientinnen und -patienten und 36 Prozent der mild an Covid-19 Erkrankten betroffen. Solche Eintrübungen sind Hinweise für anhaltende Lungenentzündungen, Ödeme (Wassereinlagerungen) oder Fibrosen (Gewebeverhärtungen). Sie sind für Covid-19-Patientinnen und -patienten typisch und könnten die genannten Long Covid-Symptome erklären.

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Bei denjenigen mit milden Covid-19-Verläufen hingegen, müsse es den Radiologen um Comellas zufolge andere Ursachen geben. Sie gehen davon aus, dass Long Covid-Symptome auftauchen, auch wenn nur ein Viertel der Lunge durch Air trapping geschädigt ist. Die Radiologen, die erstmals Air trapping im Zusammenhang mit Long Covid beschreiben, veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Radiology".

Unklar bleibe, ob die in dieser Studie beobachteten Anomalien der Atemwege verschwinden oder den Beginn einer chronischen Erkrankung markieren, wird Commela bei Medicinenet zitiert. Der Radiologe vermutet, dass am Ende beides zutreffen wird: Einige Patienten werden vollständig genesen, andere nicht. Die US-Forschenden sahen Air trapping allerdings noch immer bei acht von neun Untersuchten, die sie 200 Tage später kontrollierten.

Quelle: ntv.de

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