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Schädigung des Vagusnervs Forscher finden mögliche Ursache für Long Covid

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Der Vagusnerv zieht sich vom Gehirn aus in den Bauchraum, dabei reicht er auch bis in Herz, Lungen, Darm und Muskeln.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Kaum erforscht, aber weit verbreitet: Fast jeder fünfte Corona-Infizierte leidet laut WHO unter langanhaltenden Beschwerden. Einer möglichen Ursache von Long Covid sind nun spanische Forschende auf die Spur gekommen. Demnach spielt ein Nerv eine wichtige Rolle.

Müdigkeit, Kopfschmerzen, Atemnot, Herzprobleme - das sind nur einige der Beschwerden, die nach einer Corona-Infektion auftreten können. Unter dem Begriff Long Covid werden die vielfältigen Symptome zusammengefasst. Erforscht sind sie bislang kaum. Dabei leiden Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge 10 bis 20 Prozent der Infizierten unter Long Covid. Doch warum haben einige noch Wochen und teilweise sogar Monate mit den langanhaltenden Folgen zu kämpfen? Eine mögliche Antwort darauf liefert nun ein spanisches Forscherteam.

In einer aktuellen Studie, die noch nicht von Fachleuten begutachtet wurde, stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uniklinik Badalona einen Zusammenhang von Long Covid und dem Vagusnerv fest. Der Vagusnerv ist einer der wichtigsten Nerven im Körper. Er verläuft vom Hirnstamm im Kopf über den Hals in die Brust bis zum Bauchraum und kontrolliert unter anderem Herzschlag, Atmung, Sprache und Verdauung. Der Vagusnerv ist für das Funktionieren nahezu jedes inneren Organs von Bedeutung. Seine Beschädigung kann daher weitreichende Folgen haben.

"Die meisten Long-Covid-Patienten mit Vagusnerv-Dysfunktionssymptomen wiesen eine Reihe signifikanter, klinisch relevanter, struktureller und/oder funktioneller Veränderungen in ihrem Vagusnerv auf", schreibt das Forscherteam in einer Mitteilung. Für die fortlaufende Studie untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bislang 348 Long-Covid-Patienten. Dabei stellten sie fest, dass zwei Drittel von ihnen mindestens ein Symptom hatten, das auf einen geschädigten Vagusnerv hinwies. Genauer untersucht wurden 22 Probanden, darunter 20 Frauen. Sie sind laut Studien häufiger von Long Covid betroffen. Von den 22 näher untersuchten Patientinnen und Patienten hatten sogar 19 mindestens drei Zeichen eines beschädigten Vagusnervs.

Die häufigsten Symptome waren Durchfall (73 Prozent), erhöhte Herzfrequenz (59 Prozent), Schwindel, Schluckstörungen, Stimmstörung (jeweils 45 Prozent), sowie Blutdruckabfall (14 Prozent). Im Schnitt hielten die Symptome 14 Monate lang an. Bei sechs Patienten konnten Veränderungen des Vagusnervs sogar im Ultraschall dargestellt werden. "Unsere bisherigen Ergebnisse weisen somit auf eine Vagusnerv-Dysfunktion als zentrales pathophysiologisches Merkmal von Long Covid hin", resümieren die Forschenden.

Corona-Impfung hilft bei Long Covid

Frühere Untersuchungen hätten bereits Hinweise darauf geliefert, dass zumindest einige Long-Covid-Symptome durch die Schädigung des Nervensystems bedingt seien, sagte David Strain von der University of Exeter dem "Science Media Center". Die aktuelle spanische Studie gebe daher nützliche Informationen für mögliche Behandlungsmethoden von Long-Covid-Patienten. Der Mediziner merkte aber auch an, dass die Daten noch geprüft und ausgewertet werden müssten, bevor eindeutige Schlüsse gezogen werden können.

"Nicht alle Symptome von Long Covid können mit den direkten Auswirkungen einer Vagusnerv-Dysfunktion in Verbindung gebracht werden", so Strain. Es sei zwar durchaus möglich, dass Menschen, die anfällig für Nervenschäden sind, ein höheres Long-Covid-Risiko haben. Doch eine Schädigung des Vagusnervs erkläre nicht alle Long-Covid-Symptome - wie etwa Gehirnnebel oder Muskelschmerzen. Auch die Studienautoren weisen darauf hin, dass noch weitere Untersuchungen nötig sind.

Nach wie vor ist wenig darüber bekannt, wie sich das Coronavirus langfristig auf den Körper auswirkt und ob es den menschlichen Organismus nachhaltig schädigt. Eine gute Nachricht gibt es aber bereits: Eine Corona-Impfung kann vor Long Covid schützen und sogar bestehende Symptome lindern, wie eine Analyse der UK Health Security Agency kürzlich ergab. Die Wahrscheinlichkeit, an Long Covid zu erkranken, ist demnach bei Personen, die sich infiziert haben, geringer, wenn sie eine oder zwei Dosen eines Impfstoffs erhalten haben.

Und auch Ungeimpfte, die unter langanhaltenden Beschwerden leiden, können laut der britischen Gesundheitsbehörde von einer nachträglichen Spritze profitieren: Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern verschiedener Studien habe sich gezeigt, dass Long-Covid-Patientinnen und -Patienten, die anschließend geimpft wurden, im Durchschnitt geringere und weniger starke Long-Covid-Symptome aufwiesen als diejenigen, die ungeimpft blieben.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 23. Februar 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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