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Fatale Folgen für das Klima Amazonas-Wald droht Kollaps durch Brände

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Mehr als 70.000 Brände wüten derzeit in Brasilien - ein Großteil davon im Regenwald des Amazonasbeckens.

(Foto: dpa)

Die massiven Brände im Amazonas-Regenwald erschüttern die Welt. Tatsächlich könnten sie eine gefährliche Entwicklung einläuten. Forscher gehen davon aus, dass es ab einem bestimmten Punkt kein Zurück mehr gibt und der Regenwald verloren ist. Auch ohne Zutun des Menschen.

Für Entsetzen sorgen die grassierenden Brände im Regenwald Amazoniens weltweit. Und das wohl zu Recht. Forscher befürchten, dass durch die zunehmende Entwaldung der Regenwald als Ganzes bedroht sein könnte. "Extreme Waldbrände, wie wir sie jetzt am Amazonas sehen, bedeuten in Kombination mit der Politik von Präsident Jair Bolsonaro - die die Rodungen bereits beschleunigt hat - ein Risiko für das ganze Waldsystem", sagt Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), auf Nachfrage von n-tv.de.

Amazonas-Regenwald - die "Lunge der Erde"

  • Im Amazonas-Becken liegt das größte tropische Waldgebiet der Welt. Es umfasst 5,5 Millionen Quadratkilometer.
  • Im Amazonas-Gebiet steht mehr als die Hälfte der verbliebenen Tropenwälder der Welt.
  • Laut Schätzungen erzeugt der Wald etwa 20 Prozent des weltweiten Sauerstoffs.
  • Zugleich absorbiert er rund elf Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr.
  • Der Amazonas-Wald schwindet in einem alarmierenden Ausmaß. Innerhalb von 50 Jahren ist laut WWF etwa ein Fünftel des Waldes verschwunden.

Ganz konkret bedeutet das: Forscher gehen davon aus, dass der Regenwald im Amazonasbecken unwiederbringlich verschwinden könnte. Rockström erklärt, dass dieser Prozess in Gang gesetzt werden könnte, wenn das Ökosystem an einen bestimmen Kipp-Punkt kommt. "Dieser Kipp-Punkt könnte erreicht sein, wenn die Entwaldung etwa 40 Prozent überschreitet", sagt Rockström. Dann könnte der Regenwald unumkehrbar zu einer baumarmen Savanne werden.

Wie viel Spielraum gibt es noch? Heute liege die Entwaldung erst bei 15 bis 20 Prozent, so Rockström. Aber er warnt: Sollten die Temperaturen durch den Klimawandel weiter unvermindert ansteigen, könnte der Amazonas-Wald möglicherweise noch rascher kippen. "Manche Wissenschaftler denken, dies könnte dann schon bei etwa 25 Prozent Waldverlust passieren", so Rockström. Also schon bald.

Aber wie kommt es überhaupt zum Kippen des Ökosystems? Dies hängt mit einer wichtigen Eigenschaft des Regenwaldes zusammen - er erzeugt den von ihm benötigten Regen selbst. Was im Regenwald an Wasser verdunstet, fällt irgendwann auch wieder als Niederschlag herab. Doch dafür muss ausreichend Waldfläche vorhanden sein.

Dramatische Folgen für das Klima

Wird eine bestimmte Größe unterschritten, kann der Wald sich nicht mehr selbst mit Wasser versorgen. Es kommt zum Waldsterben. Und mit der Trockenheit steigt die Gefahr weiterer Brände. Selbst wenn die Menschheit sich ab dann strikt an die Klimaziele halten würde - der Regenwald im Amazonas wäre unumkehrbar verloren.

Die Folgen wären voraussichtlich dramatisch. "Was im Amazonas-Regenwald passiert, hat Einfluss auf unseren gesamten Planeten", so Rockström. "Dieser Wald ist eines der ganz großen biologischen Systeme. Er trägt zu dem Sauerstoff bei, den wir atmen. Er ist Lebensraum für drei Millionen Arten von Pflanzen und Tieren." Und: Er ist ein gigantischer Speicher von Kohlenstoff.

Schätzungen zufolge sind 90 bis 140 Milliarden Tonnen Kohlenstoff im Regenwald des Amazonasbeckens gebunden. Würde nur die Hälfte davon verschwinden, rechnen Forscher damit, dass etwa 150 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente in die Atmosphäre freigesetzt würden. Das ist etwa das Vierfache des derzeitigen CO2-Jahresausstoßes der gesamten Menschheit. Und fast die Hälfte der Menge an CO2, welche die Menschheit noch ausstoßen dürfte, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt: Schrumpft die Waldfläche zunehmend, kann das Amazonasgebiet auch immer weniger CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen. Denn der Regenwald im Amazonasgebiet gilt neben den Weltmeeren als wichtige Kohlenstoffsenke - bisher nimmt er mehr CO2 auf, als er ausscheidet. Dadurch bremst er bisher den Klimawandel. Verschwindet der Amazonas-Regenwald jedoch, dürfte dies dem Klimawandel eine andere Dimension geben.

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Quelle: n-tv.de

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