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Neues Corona-Mittel Dexamethason "Es ist fast ein Pfennig-Artikel"

"Das sind großartige Neuigkeiten", sagt der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, über den Entzündungshemmer Dexamethason. Denn der Wirkstoff ist möglicherweise der Durchbruch im Kampf gegen das Coronavirus. Bei klinischen Tests der Universität Oxford zeigt sich, dass er die Sterblichkeit von Erkrankten deutlich reduziert. Was das künstliche Steroidhormon von anderen Hoffnungsträgern wie Remdesivir unterscheidet, erklärt der Arzt und Medizinjournalist Christoph Specht bei ntv.

ntv: Es gibt bereits Wirkstoffe, die bei Corona-Patienten mit schweren Verläufen eingesetzt werden, Remdesivir zum Beispiel. Ist mit Dexamethason ein hervorragendes Mittel gefunden?

Christoph Specht: So wie es aussieht, ja. Nicht nur, dass Dexamethason ein altes Medikament ist, das seit 60 Jahren eingesetzt wird. Es ist auch sehr billig und nicht neu erfunden. Der große Unterschied zu Remdesivir ist: In dieser Studie hat sich gezeigt, dass es bei späten Stadien der Covid-19-Erkrankung wirkt. Das ist besonders. Remdesivir hat auch gute Ergebnisse, aber man muss es relativ früh geben, etwa eine Woche nach Ausbruch des Krankheits-Geschehens. Zu diesem Zeitpunkt weiß man häufig nicht, wie die Reise weitergeht. Mit Dexamethason hat man jetzt ein Medikament in der Hand, was offensichtlich in späten Stadien den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen kann.

Können wir davon ausgehen, dass Dexamethason in hinreichender Menge auch für alle Patienten in Deutschland zur Verfügung stehen wird?

Absolut. Man kann sagen, dass Dexamethason in der Medizin so ähnlich ist wie Silikon auf dem Bau: Eine Waffe, die überall vorhanden ist. Auf die Tablette heruntergerechnet, ist es fast ein Pfennig-Artikel. Insofern sind es also sehr gute Nachrichten. Vorsichtshalber muss man sagen: Es sind vorläufige Studien und vorläufige Ergebnisse. Die müssen noch geprüft werden. Aber wenn die sich bewahrheiten, hätte man erstmalig auch für die späten Stadien der Erkrankung ein wirklich günstiges, überall verfügbares Medikament in der Hand.

Sprechen wir noch kurz über die Kinderstudie aus Baden-Württemberg. Was ist die wesentliche Erkenntnis? Wie infektiös sind Kinder nun?

Letztendlich weiß es immer noch keiner. Alle haben noch Herrn Drosten im Ohr, der sagt: Es sieht so aus, als könnten Kinder möglicherweise genauso ansteckend sein wie Erwachsene. Er hat allerdings etwas ganz anderes untersucht, die Viruslast. Er hat geschaut: Wie viele Viren sind im Rachen von Kindern? Und er meinte gefunden zu haben, dass es genauso viele wie bei Erwachsenen sind. Das heißt aber nicht automatisch, dass Kinder auch genauso infektiös sind.

Wenn man sich das anschaut, und das haben die aktuelleren Studien gemacht, sieht es so aus, dass Kinder eben wirklich nicht die Treiber der Infektion sind. Das ist bei der Influenza, der Grippe, anders. Deswegen ging man davon aus, bei Corona wäre es ähnlich. Aber offensichtlich ist das nicht der Fall.

Mit Christoph Specht sprach Ulrich von der Osten

Quelle: ntv.de, chr