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Richtungsweisende Corona-Studie Kinder sind "keine Virenschleudern"

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Für die Studie waren etwa 2500 Kinder unter zehn Jahren und je ein Elternteil getestet worden.

(Foto: dpa)

Die Ergebnisse einer neuen Studie veranlassen das Bundesland Baden-Württemberg, seine Schulen und Kitas wieder zu öffnen. Kinder sollen demnach nicht entscheidend zur Verbreitung des Coronavirus beitragen. Dafür gibt es laut Forschern auch einen gewichtigen Grund.

Kinder infizieren sich offenbar seltener mit dem Coronavirus als Erwachsene - selbst wenn in einem Haushalt bereits jemand infiziert ist. Dies geht aus einer gemeinsamen Studie der Universitätskliniken Heidelberg, Ulm, Freiburg und Tübingen hervor, die die baden-württembergische Landesregierung vorstellte. In der Untersuchung von 2500 Kindern im Alter zwischen einem und zehn Jahren sowie jeweils einem Elternteil auf Infektionen oder eine überstandene Ansteckung zeigte sich, dass im Vergleich zu den Kindern mehr als doppelt so viele Erwachsene bereits Antikörper hatten.

"Kinder sind keine besonderen Treiber einer Corona-Infektion, wie wir das etwa bei Grippeviren kennen", sagte Klaus-Michael Debatin, Direktor der Kindermedizin an der Uniklinik Ulm. Kinder seien also anders als befürchtet keine Virenschleudern.

Auch zeige die Studie, dass Kinder, die in der Lockdownphase in der Notbetreuung waren, sich nicht häufiger infiziert hätten, erklärte Hans-Georg Kräusslich, Leiter der Virologie der Uniklinik Heidelberg. Insgesamt verliefen Corona-Erkrankungen bei Kindern besonders mild, was die Mediziner auf ein besseres Immunsystem zurückführten. Man habe mit der Studie aber nicht gezielt untersucht, wie infektiös Kinder sind, sagte Kräusslich. Man könne bei den positiv getesteten Eltern-Kind-Paaren auch keine grundsätzliche Aussage darüber treffen, wer wen angesteckt hat.

Die Untersuchung basierte auf Eltern-Kind-Paaren, die keine bekannte Covid-19-Infektion haben durften und sich freiwillig melden konnten. Nach Angaben der Wissenschaftler gab es weltweit bisher keine Studie mit so vielen Teilnehmern zu dieser Frage. Im Untersuchungszeitraum von 22. April bis 15. Mai war nur ein Elternteil-Kind-Paar infiziert. 64 Getestete hatten Antikörper gebildet und weitgehend unbemerkt eine Corona-Infektion durchlaufen, was einer Häufigkeit von 1,3 Prozent entspricht. Darunter befanden sich 45 Erwachsene und 19 Kinder.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann lobte die Wissenschaftler für die schnelle Auswertung. Auf Grundlage der Studie beschloss das baden-württembergische Kabinett eine Öffnung von Kitas und Grundschulen ab dem 29. Juni.

Quelle: ntv.de, mba/AFP/dpa