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Dem Mittelmeer geht es schlecht Fast 40 Hai- und Rochenarten droht das Ende

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Ein trauriger Anblick: ein Kurzflossen-Mako, der sich in Seilen verheddert hat, die ihn immer mehr abschnüren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mehr als die Hälfte der im Mittelmeer vorkommenden Hai- und Rochenarten sind gefährdet. Davor warnt ein Bericht der Tierschutzorganisation WWF. Die größte Gefahr für die Tiere ist die Überfischung. Aber noch zwei andere Aspekte gefährden die Fische.

Mehr als die Hälfte aller Hai- und Rochenarten im Mittelmeer ist nach Angaben der Tierschutzorganisation WWF bedroht. Ein Drittel sei bereits "bis an den Rand der Ausrottung befischt", heißt es in einem nun veröffentlichten WWF-Bericht. Der besorgniserregende Zustand dieser Raubfische signalisiere klar, dass die Gesundheit des Mittelmeers insgesamt schwinde. Überfischung sei die größte Bedrohung.

Gefährdet sind im Mittelmeer laut WWF 23 Hai- und 16 Rochenarten - und damit rund 53 Prozent. Weltweit seien 17 Prozent der Hai- und Rochenarten bedroht. Der WWF fordert ein besseres Management und die Regulierung der Hai-Fischereien, vor allem die Umsetzung bereits bestehender Schutzmaßnahmen. Insbesondere geschützte Arten sowie stark gefährdete Arten seien auf die rigorose Umsetzung angewiesen. "Die Datenaufnahme und Kontrolle von Fängen muss verbessert, Beifänge reguliert und besonders wichtige Lebensräume, wie Geburts- und Aufzuchtgebiete geschützt werden", betonte der WWF.

Seit der letzten Bestandsaufnahme vor zehn Jahren habe sich die Situation verschlechtert: "Das Mittelmeer ist für Haie und Rochen ein gefährlicher Lebensraum geworden", warnt Heike Zidowitz, Hai-Expertin beim WWF Deutschland. Der Mensch habe seit Tausenden von Jahren eine enge kulturelle und fischereiliche Beziehung zu diesen Arten im Mittelmeer. "Jetzt drohen sie unter dem Druck der Fischerei zu verschwinden."

Alle Fischereimethoden gefährden Raubfische

Während Dorn- und Glatthaie noch gezielt befischt werden, enden andere Arten häufig als lukrativer Beifang. Alle Fischereimethoden sind laut WWF mitverantwortlich: Die im Mittelmeer vom Aussterben bedrohten Blauhaie endeten massenhaft an den kilometerlangen Köderleinen für Schwert- und Thunfisch. Ringwadennetze, mit denen Schwärme von Blauflossenthun umzingelt werden, fangen manchmal auch den geschützten Weißen Hai.

In Schleppnetzen seien regional bis zu 74 Hai- und Rochenarten nachgewiesen worden. Auch die Sportfischerei habe nicht zu unterschätzende Auswirkungen auf mindestens 20 Prozent der Arten. Verbreiteter Etikettenschwindel verschärfe die Bedrohung noch: "Das Fleisch von Haien wird oft als hochpreisiger Schwertfisch verkauft. Viele Konsumenten bemerken diesen Betrug gar nicht", berichtete Zidowitz.

Plastikmüll sei eine weitere für Haie unterschätzte Gefahr, wie eine gerade veröffentlichte Studie zeige. Auch Haie verhedderten sich in treibendem Kunststoffmüll und verendeten oft qualvoll, so Zidowitz. Das Mittelmeer sei eines der am stärksten mit Plastikmüll verschmutzen Meere. Einer weiteren Studie zufolge hatte mehr als ein Viertel der untersuchten Blauhaie Plastikteile verschluckt.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

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