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Rätsel um spröde Nudel gelöst So brechen Spaghetti nur noch in zwei Teile

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Um ungekochte Spaghetti in jeweils exakt zwei Teile zu brechen, haben Wissenschaftler aus Cambridge einen Trick entdeckt.

(Foto: imago/Westend61)

Es ist eines der größten mathematischen Rätsel: Wie ist es möglich, Spaghetti in nur zwei Teile zu brechen? Nach zahlreichen Experimenten haben Wissenschaftler nun einen Trick entdeckt, das große Nudelsplittern in der Küche zu verhindern.

Einer echten Liebe tut man nicht weh. Deshalb ist es für die meisten Liebhaber von Spaghetti ein Frevel, wenn Hobbyköche die langen Nudeln zerbrechen, um die Dutzenden Splitter dann in den Kochtopf zu stopfen. Dabei sollen die Teigwaren meist lediglich entzweit werden - in der Praxis funktioniert das allerdings so gut wie nie. Für all jene, denen Kritiker schlicht zum Kauf eines größeren Topfes raten, haben Wissenschaftler nun einen Trick entdeckt.

Den Forschern Ronald Heisser und Vishal Patil vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA ist ein wahrhaftiger Durchbruch gelungen - in einem der größten mathematischen Rätsel, an dem viele renommierte Wissenschaftler bereits verzweifelt sind. Schon in den 1950ern zerbrach sich der spätere Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman den Kopf darüber, warum sich Spaghetti nie zwei-, sondern stets drei- oder vierteilen. Allein, mehr als Theorien und Dutzende Pasta-Abende kamen nicht heraus.

Die Antwort auf die Bruch-Frage gibt es seit nunmehr 13 Jahren. Im Jahr 2005 stellten die Franzosen Basile Audoly und Sebastien Neukirch fest, dass Spaghetti zunächst dort brechen, wo sie am stärksten gekrümmt sind. Das ist meist in der Mitte. Demnach brechen die Nudeln infolge der ausgelösten Biegungswellen, den "Snap-Back-Effekt", aber auch an weiteren Stellen. Auch wenn die beiden Wissenschaftler das Projekt Zweiteilung nicht erfolgreich zu beenden vermochten: Für ihre Erkenntnisse erhielten sie den Ig-Nobelpreis, eine Spaß-Auszeichnung für kuriose wissenschaftliche Leistungen.

Durchbruch mit Haken

Den Ruhm ernten nun Heisser und Patil. Nach dreijähriger Forschung ist es den Mathematikern vom MIT in Cambridge gelungen, Spaghetti in genau zwei Teile zu brechen. Der Weg zu dem gewünschten Ergebnis ist ihren Ausführungen im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" zufolge denkbar einfach: Die Spaghetti müssen zunächst um 270 Grad verdreht werden, um sie dann in lediglich zwei Teile zu brechen.

Für ihre Experimente krümmten die Forscher Hunderte Spaghetti der Sorten "Barilla Nr. 5" und "Barilla Nr. 7". Allerdings hat der wissenschaftliche Durchbruch einen Haken: Die Allgemeinheit kann das Experiment nicht nachmachen. Für die Tests bauten Heisser und Patil eine Vorrichtung, um die Nudeln in den gewünschten Zustand zu drehen und zu biegen.

Laut Jörn Dunkel, Professor der beiden Forscher und Ko-Autor der Studie, müssen die Nudeln sehr stark verdreht werden. "Sobald es bricht, gibt es immer noch einen Snap-Back, weil die Stange gerade sein will", sagt Dunkel im Portal "MIT News". "Aber es will auch nicht verdreht sein." So entstehe ein Schraubenzieher-ähnlichen Effekt, der die Biegungswellen letztlich beruhige. "Deshalb bekommt man nie einen zweiten Bruch, wenn man die Nudel nur stark genug verdreht" sagt Dunkel. Seine beiden Forscher lobt er als brillante und ausdauernde Studenten, "die wahrscheinlich eine Zeitlang keine Spaghetti sehen, brechen oder essen wollen." Auf hartgesottene Pasta-Gourmets trifft das wohl nicht zu. Sie werden allerdings trotz der bahnbrechenden Erkenntnisse aus Cambridge wohl weiter auf eine gewaltfreie Zubereitung der Spaghetti setzen.

Quelle: n-tv.de

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