Ratgeber
Um den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen, hat sich Coca-Cola ein hanebüchenes Bearbeitungsverfahren ausgedacht, beklagt Foodwatch (Bildquelle Foodwatch).
Um den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen, hat sich Coca-Cola ein hanebüchenes Bearbeitungsverfahren ausgedacht, beklagt Foodwatch (Bildquelle Foodwatch).
Dienstag, 04. Dezember 2018

"Goldener Windbeutel 2018": Hier ist die "dreisteste Werbelüge"

Behumpst wird niemand gerne. Aber auch im Supermarkt werden Verbraucher regelmäßig durch Werbelügen und Mogelpackungen von den Herstellern getäuscht. Doch das bleibt nicht ungesühnt. Via Verleihung eines Negativpreises. Das ist der Gewinner.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat zum achten Mal zur Wahl gerufen und auch dieses Jahr haben fast 70.000 Teilnehmer über die dreisteste Werbelüge abgestimmt. Und - tätäräta - der Goldene Windbeutel 2017 geht an das "Glacéau Smartwater" von Coca-Cola.

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Auch 2018 hatten Teilnehmer der Aktion fünf Produkte für den Negativpreis zur Wahl. Eine knappe Mehrheit hat sich schließlich für das "Smartwater" entschieden. Die Kritik: Anders als von Coca-Cola suggeriert, ist das "Smartwater" nicht besser als herkömmliches Mineralwasser, kostet aber deutlich mehr.

"Coca-Cola betreibt dreiste Verbraucherabzocke mit dem Grundnahrungsmittel Nummer eins. Um den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen, hat sich Coca-Cola ein hanebüchenes Bearbeitungsverfahren ausgedacht, das wissenschaftlich klingt, aber völlig unsinnig ist. Das 'Smartwater' ist einfach nur ein schnödes Wasser, teuer verkauft", sagte Sophie Unger von Foodwatch, Wahlleiterin beim Goldenen Windbeutel 2018. Die Verbraucherorganisation forderte Coca-Cola auf, das Werbemärchen zu stoppen und nahm gleichzeitig den Handel in die Pflicht: Unternehmen des deutschen Einzelhandels dürften die Werbelüge des Jahres nicht länger verkaufen. "Der Einzelhandel verdient an den wolkigen Werbeversprechen kräftig mit - damit muss Schluss sein. Die Händler müssen das Coca-Cola-Mogelprodukt aus den Regalen räumen", sagte Unger.

Coca-Cola bewirbt sein Produkt "Smartwater" als "dampfdestilliertes natürliches Mineralwasser für einen klaren, frischen Geschmack". Hinter Werbesprüchen wie "von Wolken inspiriert" steckt laut Foodwatch ein simpler Vorgang: Das Wasser wird zuerst verdampft und dann wieder aufgefangen, verloren gegangene Mineralstoffe werden später künstlich wieder hinzugefügt. Die Verbraucherorganisation kritisiert das Verfahren aber als ernährungsphysiologisch völlig unnützen Trick, den die Verbraucher teuer bezahlen müssen: Mit 1,65 Euro pro Liter ist das Getränk bis zu sieben Mal teurer als normales Mineralwasser.

Außer dem "Smartwater" waren vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel 2018 nominiert. Das Ergebnis im Detail:

  • Glacéau Smartwater von Coca-Cola (21.235 Stimmen, entspricht 30,5 Prozent der gültigen abgegebenen Stimmen)

  • Kids Tomato Ketchup von Heinz (19.547 Stimmen, 28,1 Prozent)

  • Corny Milch von Schwartau (10.889 Stimmen, 15,6 Prozent)

  • Bratöl Olive von Dennree (9.398 Stimmen, 13,5 Prozent)

  • Erbseneintopf Gut und Günstig von Edeka (8.546 Stimmen, 12,3 Prozent)

Stellungnahme vom Hersteller

Coca-Cola Deutschland hält die Auszeichnung wenig überraschend für nicht gerechtfertigt und nimmt sie denn auch nicht an. Laut dem Unternehmen wurde Smartwater nicht von Verbrauchern, sondern von Oliver Huizinga, Kampagnenchef bei Foodwatch, zur Wahl aufgestellt.

In einer Presseerklärung heißt es: "Die Deklaration und Kennzeichnung des Wassers sind transparent und entsprechen den lebensmittelrechtlichen Regelungen. Sämtliche Aussagen zum Getränk und seinen Inhaltsstoffen sind selbstverständlich zugelassen. Grundsätzlich sind unterschiedliche Preise für Produkte nicht nur in der Lebensmittelindustrie gang und gäbe ... Glacéau Smartwater ist bereits in anderen Ländern erfolgreich und seit Mai 2018 auch in Deutschland erhältlich. Es wird aus natürlichem Mineralwasser hergestellt. Dieses wird durch innovative Dampfdestillation aufbereitet und anschließend mit Mineralsalzen versetzt. Durch den streng regulierten Herstellungsprozess erhält das Wasser einen besonders klaren und wenig mineralischen Geschmack in gleichbleibender Qualität". 

Quelle: n-tv.de