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Fünf Antworten zur Formel 1 Verstappen jagt Hamilton, Vettel muss siegen

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Während Max Verstappen in dieser Saison schon zwei Rennen gewann, blieb Sebastian Vettel bislang sieglos.

(Foto: imago images / Thomas Melzer)

Der Große Preis von Belgien am Sonntag (ab 15.10 Uhr bei RTL und im Liveticker bei n-tv.de) ist der Auftakt in die zweite Hälfte der Saison 2019. Während Lewis Hamilton und das Mercedes-Team die Formel 1 dominieren, wächst Max Verstappen im Red Bull zu einem echten Herausforderer heran. Kann er den britischen Fünffach-Weltmeister ernsthaft angreifen? Und bleibt die erfolgsverwöhnte Scuderia Ferrari nach 2016 erneut ohne einen einzigen Sieg? Das sind nur zwei der fünf Fragen, die die n-tv-Redakteure Nico Holter und Torben Siemer zur Rückkehr aus der Sommerpause beantworten.

Gerät Lewis Hamiltons sechster WM-Titel noch in Gefahr?

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In Ungarn zog Hamilton wenige Runden vor Schluss an Verstappen vorbei und sicherte sich seinen achten Saisonsieg.

(Foto: imago images / HochZwei)

Nico Holter: Red Bulls Motorenlieferant Honda hat angekündigt, seinem Motor noch ein paar PS mehr abzugewinnen. Das lässt eine verheißungsvolle zweite Saisonhälfte erwarten. Max Verstappen ist eine echte Attraktion, ihm gehört die Zukunft der Formel 1. Aber wenn alles normal läuft, wird es keinen Weg vorbei an Lewis Hamilton geben. Zumal Mercedes zwei starke Fahrer hat und weiß, dass es nicht immer nur um Siege, sondern manchmal auch einfach um sichere Punkte geht.

Torben Siemer: 69 Punkte Rückstand hat Verstappen auf Hamilton bei noch neun Rennen. Von den bisherigen zwölf hat der Mercedes-Pilot acht gewonnen, der Red-Bull-Jungstar immerhin zwei. Verstappen mag derzeit der formstärkste Fahrer im Feld sein, für einen Angriff auf den Titel reicht es in diesem Jahr noch nicht. Auch nicht für Hamiltons Teamkollegen Valtteri Bottas, der nach seiner Vertragsverlängerung eher darum bemüht sein wird, nicht auf Platz drei der Fahrerwertung zurückzufallen.

Wie schlägt sich Alexander Albon gegen Max Verstappen?

Nico Holter: Es wäre für das gesamte Red-Bull-Team, die Entwicklung des Autos und des Motors extrem wichtig, einen starken zweiten Fahrer zu haben. Ich kann mir vorstellen, dass Alexander Albon einen besseren Job macht als Pierre Gasly, der in Österreich und in Ungarn von Verstappen ja sogar überrundet wurde. So einen Klassenunterschied innerhalb eines Teams gab es seit Jahren nicht. Albon ist aber niemand, der mit Verstappen auf Augenhöhe fahren kann. Außerdem wird er die nächsten Rennen brauchen, um sich an das neue Auto zu gewöhnen. Zudem verstehe ich die Herangehensweise von Red Bull nicht, die mit Toro Rosso ein Nachwuchsteam haben und nun nach Daniil Kwjat zum zweiten Mal ein Talent degradieren, das sie zu früh hochgezogen haben.

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Torben Siemer: Dass Daniel Ricciardo vor der Saison von Red Bull zu Renault wechselte, hat die Österreicher nachhaltig geschwächt. Gasly war noch nicht bereit für den Schritt zum Top-Team und deshalb mehr Not- als Wunschlösung. Alexander Albons Lernkurve zeigt zwar steil nach oben - aber sich nach gerade einmal zwölf Formel-1-Rennen für Toro Rosso plötzlich an ein neues Auto gewöhnen und mit DEM Hoffnungsträger der Serie mithalten zu müssen, ist eine zu große Aufgabe. Er wird näher dran an seinem Teamkollegen sein als Gasly, die Top 5 aber wird er nicht aufmischen.

Bleibt Ferrari in dieser Saison wirklich sieglos?

Nico Holter: Das kann ich mir nicht vorstellen. Auf den Highspeed-Strecken in Spa und Monza sehe ich den Ferrari mindestens auf Augenhöhe mit dem Mercedes. Bislang fehlte in diesem Jahr aber die Effizienz, die Chancen zu nutzen. Vielleicht gibt es also bei den Rennen in Belgien und und in Italien endlich Grund zum Jubeln für die Tifosi.

Torben Siemer: Ja. So hart das klingt, aber es reicht in diesem Jahr einfach nicht. In zehn von zwölf Rennen kam ein Mercedes vor dem besten Ferrari ins Ziel - und in Spielberg und Hockenheim siegte Verstappen, Charles Leclerc und Sebastian Vettel wurden jeweils Zweiter. Wenn Hamilton und Bottas schwächelten, schlug Red Bull zu. Diese Effektivität geht Ferrari in diesem Jahr ab, und das bleibt leider auch bis zum Ende der Saison so. Eine herbe Enttäuschung. Immerhin startete Ferrari mit der Hoffnung, um beide WM-Titel zu fahren.

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Wie sieht die Zukunft von Nico Hülkenberg aus?

Nico Holter: Es ist schon tragisch. Wenn man auf seine Leistung beim Regenrennen in Hockenheim schaut, war das vielleicht schon die letzte Chance aufs Podium zu fahren. Der Vertrag mit Renault läuft aus und wird auch nicht verlängert. Es gab allerdings offenbar bereits sehr konkrete Gespräche mit dem Haas-Team - deshalb denke ich, er wird der Formel 1 erhalten bleiben. Aber es droht eine unvollendete Karriere.

Torben Siemer: Hülkenberg ist zu gut, um in der kommenden Saison nicht in der Königsklasse zu fahren. Dass Renault ihn gehen lässt, hat nicht in erster Linie sportliche Gründe, das französische Team holte mit Esteban Ocon nicht nur ein Talent, sondern auch einen einheimischen Fahrer. Diesen Ruf hatte auch Hülkenberg, trotzdem reichte es nie für einen Sieg, nicht mal für ein Podium. Das wird es auch bei Haas nicht, sollte der 32-Jährige dort Romain Grosjean ersetzen. Und die Paarung mit Kevin Magnussen hätte großes Unterhaltungspotenzial, nachdem Hülkenberg den Dänen nach dem Ungarn-GP 2017 als "unfairsten Fahrer" bezeichnete.

Hat Kubica über diese Saison hinaus eine Zukunft in der Formel 1?

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Nico Holter: Ich ziehe alle meine Hüte vor seiner Leistung. Wenn man sich vor Augen hält, wie schwer der Arm und die Hand verletzt waren, verdient sein Comeback riesigen Respekt und ich habe mich sehr darüber gefreut, dass er wieder dabei ist. Aber es reicht eben leider nicht mehr, um mit den besten Fahrern der Welt mitzuhalten. Deswegen wird er der Formel 1 leider Adieu sagen müssen. Denn auch über den Faktor Geld wird es für den Montreal-Sieger der Saison 2008 keinen Platz mehr geben.

Torben Siemer: Es ist beeindruckend, dass Kubica es nach seinem beinahe tödlichen Rallye-Unfall 2011 zurück in eine F1-Cockpit geschafft hat. 2012 wäre er zu Ferrari gewechselt, wäre an der Seite von Fernando Alonso gefahren. Stattdessen musste er lernen, mit den Einschränkungen seines rechten Armes klar zu kommen. Er spricht selbst von einer Behinderung. Trotzdem zurückgekehrt zu sein, verdient höchste Anerkennung. Sportlich aber reicht es leider nicht mehr, er fährt seinem Rookie-Teamkollegen George Russell deutlich hinterher. Deshalb endet die Comeback-Story nach einer Saison.

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Quelle: n-tv.de, Nico Holter, Torben Siemer

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