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Ein Hoffnungsträger weniger Colchicin ist doch kein Covid-19-Mittel

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Colchicin wurde als Arzneimittel bereits im Alten Ägypten verwendet.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Noch vor einigen Wochen wird Colchicin zum Hoffnungsträger gegen Covid-19. Nun folgt die große Ernüchterung: Das Gichtmittel reiht sich in die Liste von Medikamenten ein, die sich als unwirksam bei Covid-19 erweisen. Nun wird besonders auf Acetylsalicylsäure, landläufig als ASS bekannt, geschaut.

Sämtliche Hinweise darauf, dass Colchicin zur Erholung bei Patienten mit Covid-19 beiträgt, scheinen sich zerschlagen zu haben. Das zugelassene Gichtmittel konnte nach der Zwischenauswertung der Daten nicht überzeugen. Das ist das Ergebnis der großangelegten Recovery-Studie, in der durch die Initiatoren Martin Landray und Peter Horby von der Oxford-Universität seit nunmehr einem Jahr die Wirksamkeit verschiedener Medikamente gegen Covid-19 untersucht wird.

Die Erwartungen an den Entzündungshemmer, der ursprünglich aus der Pflanze Herbstzeitlose stammt, konnten bei der Auswertung der Daten von insgesamt 11.162 Patienten nicht erfüllt werden. Der zur Studie veröffentlichten Mitteilung zufolge wurden 94 Prozent der Patienten mit einem Kortikosteroid wie Dexamethason behandelt. Die Gabe von Dexamethason gilt derzeit als Standardtherapie in Deutschland für Covid-19-Patienten.

Ohne erkennbaren Vorteil

Zusätzlich wurde einem Teil der Patienten Colchicin verabreicht. Doch die Ergebnisse waren ernüchternd. Die Sterblichkeit der Patienten nach 28 Tagen lag bei 20 Prozent in der Colchicin-Gruppe und bei 19 Prozent in der Kontrollgruppe. Es konnte dementsprechend nicht nachgewiesen werden, dass das Mittel einen Nutzen für Covid-19-Patienten bringt. Aus diesem Grund wurde innerhalb der Recovery-Studien auf weitere Untersuchungen zur Wirksamkeit von Colchicin verzichtet.

Es ist nicht der erste Wirkstoff, der sich im Kampf gegen Covid-19 als wirkungslos erwies. Bereits zuvor hatten Mittel wie Hydroxychlorid, Azithromycin oder die Serumtherapie nicht die erhoffte Wirkung bei Covid-19-Patienten gezeigt.

ASS ist noch dabei

Innerhalb der Recovery-Studie werden derzeit weitere Mittel auf ihre Wirksamkeit bei Covid-19 getestet, darunter die bekannte Acetylsalicylsäure (ASS), der Entzündungshemmer Baricitinib, ein Antikörpercocktail von Regeneron sowie Dimethylfumarat. Der Wirkstoff kommt bisher vor allem bei Multipler Sklerose zum Einsatz.

Die Recovery-Studie, die im März 2020 in Großbritannien gestartet wurde, ist zu einem internationalen Erfolgsmodell geworden. Sie hat bisher die Daten von über 37.000 Patienten gesammelt und klare Ergebnisse für sechs Behandlungen geliefert. Auf der Suche nach preiswerten und leicht verfügbaren Wirkstoffen für Covid-19-Patienten haben sich die Forschenden auch mit Kollegen aus Kliniken in Kathmandu/Nepal und in Jakarta/Indonesien zusammengetan. Besonders dort hatte man auf das schnell verfügbare und erschwingliche Colchicin gesetzt. Nun rückt ASS in den Fokus dieser Untersuchungen.

Quelle: ntv.de, jaz

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