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Gegen übermäßige Immunreaktionen Spezielle Blutwäsche hilft Covid-19-Patienten

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Mit dem Blutwäsche-Verfahren können Stoffe aus dem Blut entfernt werden, die zu übermäßigen Immunreaktionen führen.

(Foto: picture alliance / imageBROKER)

Noch immer sind Mediziner auf der Suche nach wirksamen Covid-19-Therapien. Da die Erkrankung jedoch sehr unterschiedlich verlaufen kann, muss immer wieder probiert werden, was hilft. Im Krankenhaus Havelhöhe in Berlin wird ein neuer Weg gegangen - mit echtem Erfolg.

Mediziner des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe in Berlin haben mit einem Gerät zur speziellen Blutplasmawäsche bereits einigen ihrer Patienten, die schwer an Covid-19 erkrankt waren, vermutlich das Leben retten können. "Wir setzten für die Behandlung die sogenannte CRP-Apherese ein", erklärt Fabrizio Esposito, leitender Arzt der Intensivmedizin dort, im Gespräch mit ntv.de. Das Blutwäsche-Verfahren zur Reduktion der Entzündungsstoffe im Blutplasma, das bisher vor allem nach Herzinfarkten eingesetzt wurde, zeige auch bei der Behandlung von Covid-19-Patienten vielversprechende Ergebnisse.

"Wir sehen, dass mithilfe der CRP-Apherese die Patientinnen und Patienten nicht nur überleben, sondern nach der Erkrankung auch noch schneller eine bessere Lebensqualität zurückbekommen können", betont der Arzt, in dessen Klinik das Gerät erstmals in Deutschland zur Covid-19-Behandlung bei mehreren schwer Erkrankten zum Einsatz kam. Dabei greift die Behandlung nicht die Coronaviren selbst an. Sie hilft vielmehr dabei, lebensgefährliche Folgen der Infektion zu verhindern. Das sogenannte C-reaktive Protein, kurz CRP, spielt dabei wohl eine Schlüsselrolle.

Wenn zu viel CRP vorhanden ist

Das Eiweiß gehört zum Abwehrsystem des Körpers. Angegriffene oder infizierte Zellen werden durch das Molekül markiert und abgetragen. Der CRP-Wert gilt in Kliniken deshalb auch als Biomarker, um bestehende Entzündungsreaktionen einschätzen zu können. Ein erhöhter CRP-Blutwert steht zudem im Verdacht, im Zusammenhang mit Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen entzündlichen Erkrankungen, wie beispielsweise Rheuma oder Morbus Crohn, deutlich schwerere Schäden in den betroffenen Organen herbeizuführen.

Bei mittelschweren und schweren Covid-19-Verläufen kann es dazu kommen, dass zu viel CRP gebildet wird, sodass die Moleküle nicht nur die geschädigten Zellen markieren und deren Vernichtung veranlassen, sondern auch gesunde Zellen angreifen. Diese überschießende Immunreaktion, die auch als Komplikation bei Covid-19 auftritt, kann sogar tödlich enden.

Mitarbeiter der Herstellerfirma wurde geholfen

Da man bei einer Reihe von Covid-19-Patienten eine Erhöhung der CRP-Werte feststellen kann, entschieden sich die Mediziner des Krankenhauses, das Blut einiger Patienten, die schwer an Covid-19 erkrankt waren, mittels Apherese von überschüssigem CRP zu befreien. Die Ärzte hatten von Einzelfällen gelesen, denen auf diese Art bereits geholfen werden konnte. Einer dieser Einzelfälle war ein 53-jähriger Mann, der Mitarbeiter der Herstellerfirma Pentracor ist. Bei dem 53-Jährigen wurde die Art der Therapie erstmals erfolgreich bei Covid-19 eingesetzt. Er bekam im Dialysezentrum Diamedikum Potsdam insgesamt vier solcher Behandlungen. Der Fall wurde bereits Anfang 2021 auf einer Pressekonferenz vorgestellt.

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"Für uns war schnell klar, warum die Lunge während der Erkrankung so großen Schaden nimmt", zitiert Healthcare in Europe den Biochemiker Ahmed Sheriff, Geschäftsführer von Pentracor. "Die zentrale Aufgabe des CRP ist die Entsorgung absterbender Zellen. Im Verlauf der Krankheit sammelt sich in den Alveolen viel Wasser an, den Lungenzellen steht kaum noch Sauerstoff zur Regeneration zur Verfügung. Das CRP beginnt mit der Entsorgung dieser eigentlich gesunden Zellen und löst damit eine gefährliche Überreaktion aus. In anderen Worten: Nicht das Coronavirus zerstört die Lunge, sondern die Entzündung - CRP wird dadurch zu einem Hauptproblem der Covid-Infektion."

Pentracor mit Sitz in Hennigsdorf bei Berlin hat die sogenannten CRP-Adsorber, die zur CRP-Apherese nötig sind, entwickelt, stellt sie her und vertreibt diese auch. Sie könnten in Zukunft nicht nur zu einem echten Bestseller der Medizinprodukte werden, sondern auch vielen Covid-19-Patienten das Leben retten. Im Krankenhaus Havelhöhe wurde das Verfahren bereits bei sieben Patienten erfolgreich eingesetzt.

Quelle: ntv.de

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