Fußball

BVB schon vor Anpfiff genervt Frühe Schicksalsspiele für Klopp und Tuchel

imago23615777h.jpg

Zwei ehemalige BVB-Trainer müssen sich in den Achtelfinal-Hinspielen der Champions League beweisen.

(Foto: imago/MIS)

Das Achtelfinale der Champions League hat es in sich: Gleich zwei ehemalige BVB-Trainer kehren an schicksalhafte Orte zurück. Währenddessen muss RB Leipzig gegen den Vorjahresfinalisten Tottenham ran. Und BVB-Geschäftsführer Watzke ist genervt von vielen Nachfragen.

In der Zeit, in der im Fußball das Achtelfinale der Champions League ausgespielt wird, könnten in anderen Ballsportarten gleich mehrere Weltmeisterschaften abgewickelt werden. Über volle vier Wochen streckt die Uefa die erste K.-o.-Runde, die letzten Viertelfinalisten dürfen sich erst am 18. März freuen.

Langweilig wird es bis dahin jedoch kaum, denn die ehemalige englische Nationalspielerin Kelly Smith hat schon im Dezember ein spannendes Achtelfinale ausgelost. Assistiert wurde ihr in der Uefa-Zentrale in Nyon übrigens von Hamit Altintop. Der ehemalige Bundesligaprofi ist ein Repräsentant des Finalspielorts: In diesem Jahr wollen alle der 16 Achtelfinalisten ins Atatürk-Stadion nach Istanbul. Dort findet am 30. Mai das Champions-League-Endspiel statt. Der Weg dorthin ist lang, er startet heute und morgen mit diesen Partien:

Borussia Dortmund - Paris Saint-Germain

imago26109573h.jpg

Ein Bild aus einer anderen Zeit: Thomas Tuchel und Hans-Joachim Watzke.

(Foto: imago/Contrast)

Nein, nein, man solle sich nicht vertun, erinnert Borussia Dortmunds Torwart Roman Bürki: "Wir spielen gegen PSG und nicht gegen den FC Tuchel." Der Schweizer ist leicht genervt, aber die Rückkehr des ehemaligen Trainers, des Klopp-Nachfolgers, ist eben das beherrschende Thema rund um die Begegnung. Immerhin trennte man sich 2017 nicht eben friedlich, die sportlich eigentlich erfolgreiche Ehe zerbrach auch am Umgang mit dem schlimmen Bomben-Anschlag auf die Mannschaft vor dem Champions-League-Heimspiel gegen die AS Monaco. Zumindest für Tuchel ist das Spiel aber "keine Bühne, um irgendetwas aufzuarbeiten. Die Dinge sind aufgearbeitet und verarbeitet für mich." Auch Tuchels ehemaliger Vorgesetzter Hans-Joachim Watzke gibt sich gelassen, allerdings mit einem mehr als dezenten Nachtreten: Nein, emotional werde die Begegnung mit dem Trainer des Gegners nicht, es "kommt ja nicht Jürgen Klopp zurück".

Sportlich könnte in diesem Duell schon das Hinspiel zum Spektakel werden: Borussia Dortmund hat erst vor Kurzem die konzentrierte Defensivarbeit für sich wieder entdeckt, PSG hat sich dagegen am Wochenende defensiv indisponiert präsentiert: Gegen den Tabellenvorletzten Amiens hatte das Nobelensemble schon drei Gegentore kassiert - und dabei hatte Tuchel doch vor allem seine Offensivstars geschont. "Die ganze Welt denkt jetzt: Oh, sie werden unruhig, unruhig, unruhig, sie haben viele Probleme", sagte Tuchel nach dem Spiel, das dann immerhin noch 4:4 endete, mit Zynismus in der Stimme, "aber nein. Das ist das Leben! Das ist Fußball!" Trotz der demonstrierten Gelassenheit: Nicht wenige Experten glauben, dass ein erneutes Scheitern im Achtelfinale das Ende von Tuchels Amtszeit in Paris bedeuten könnte.

Borussia Dortmund hat in der laufenden Bundesligasaison schon 63 Tore erzielt, so viele wie noch nie nach 22 Spielen. Paris setzt dem Teenager-Wirbel um Jadon Sancho und Erling Haaland immerhin die Superstars Kylian Mbappé und Neymar entgegen. Der Brasilianer wird nach einer verletzungsbedingten Pause wieder mitstürmen. Also volle Pulle mit offenen Visieren? Natürlich nicht! "Natürlich sehe auch ich gern schöne Spiele. Aber schön ist es manchmal auch, eine bessere Defensive als Offensive zu haben. Ich habe nichts dagegen, nur 1:0 zu spielen.", sagte Trainer Lucien Favre und Watzke sekundierte: "Wir müssen gieriger sein, unser Tor zu verteidigen. Und nicht nur gierig sein, das nächste Tor zu erzielen". Lizenzspieler-Chef Sebastian Kehl ist da schon forscher: "Es könnte ein torreiches Spiel werden. Wobei das mit den Auswärtstoren im Europapokal nicht so prickelnd ist." Emre Can fordert Dortmunder Mut: "Wir dürfen nicht spielen, um nicht zu verlieren. Wir müssen spielen, um zu gewinnen. Wir dürfen nicht passiv werden. Wir müssen angreifen", sagte der Nationalspieler. Spektakel oder nicht, dieses Duell produziert nicht nur ganz sicher große Geschichten, es ist auch völlig offen.

Atlético Madrid - FC Liverpool (beide Dienstag, 21 Uhr im Liveticker auf ntv.de)

Natürlich, mit dem Wanda Metropolitano verbinde er "positive Emotionen", sagt Jürgen Klopp. Alles andere wäre auch arg verwunderlich, denn wer hat schon die rauschhafte Nacht vergessen, in der der FC Liverpool dort, im Stadion von Atlético Madrid im Juni 2019 die Champions League gewann? "Diese Gruppe von Spielern ist von einer dunklen Stunde in der Champions League zu einem tollen Moment in Madrid gegangen", sagte Klopp 2019 bei ESPN. "Wir verloren gegen Real, aber gewannen in Madrid. Als hätte es so sein sollen." Aber das ist lange her und "wir sind nicht zum Pilgern dort". Doch auch die Gegenwart gibt wenig Hinweise darauf, dass das gute Gefühl getrübt werden könnte. Der FC Liverpool marschiert in der Premier League von Rekord zu Rekord, saisonübergreifend sammelten die "Reds" unglaubliche 103 der letzten 105 ausgespielten Punkte. Und pünktlich zum Start der wichtigsten Saisonphase hat Klopp auch seinen Traumsturm wieder beisammen: Der wieder genesene Sadio Mané kehrte beim 1:0-Sieg bei Norwich City zurück und wird mit Mohamed Salah und Roberto Firmino Atlético Madrid vor große Probleme stellen.

imago40644105h.jpg

Beim letzten Mal lief es für den FC Liverpool in Madrid ganz gut.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Die Spanier wiederum erleben eine komplizierte Spielzeit: In der Meisterschaft hechelt die Mannschaft des exzentrischen Diego Simeone der Spitze abgeschlagen hinterher, sogar die erneute Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb ist alles andere als selbstverständlich. Immerhin kehren voraussichtlich wichtige Leistungsträger zurück. Die Stürmer Alvaro Morata, Diego Costa und Youngster Joao Felix stehen vor der Rückkehr. Auch Klopp hat Respekt vor dem Tabellenvierten der Primera Division. "Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass alles möglich ist." Was soll der Welttrainer, der Champions-League-Sieger, der designierte englische Meister auch sagen?

Überhaupt sieht Klopp überall mindestens ernsthafte Mitbewerber, eher Favoriten auf den Titel. Allen voran den italienischen Serienmeister Juventus Turin: "Da ist viel Qualität dabei, es ist verrückt. Ich kann nicht verstehen, warum sie die Serie A nicht mit zehn Punkten Vorsprung anführen." Auch den FC Bayern München mit einem "ebenfalls starken Kader" sowie Paris Saint-Germain und den FC Barcelona hat der 52-Jährige auf dem Zettel. Und natürlich Ligakonkurrent Manchester City. "Die Champions League wird das größte Ziel sein", für den Scheichklub bietet diese Saison ja möglicherweise die vorerst letzte Chance, endlich den ersehnten Titel zu holen. Beinahe das halbe verbliebene Feld hatte Klopp aufgezählt, Atlético sparte er allerdings aus. Aus guten Gründen. Und der FC Liverpool? "Ich denke nicht an eine Titelverteidigung", teilte Klopp dem italienischen TV-Sender RaiSport mit. "Wir dachten auch im letzten Jahr nicht schon früh ans Gewinnen. Wir dachten erst wirklich an den Sieg in der Champions League, als wir im Halbfinale gewonnen hatten."

Tottenham Hotspur - RB Leipzig

RB Leipzig hätte es leichter treffen können, doch nun begegnen die Sachsen in der Champions League bereits im Achtelfinale dem Vorjahresfinalisten Tottenham Hotspur. Mit dessen Teammanager José Mourinho trifft eine schillernde Persönlichkeit des Fußballs - oder eine grantige, je nach Laune oder eben Verlauf und Ausgang des Spiels - auf einen ebenfalls extrovertierten Julian Nagelsmann. Der sorgt sich schon um seinen Leumund: "Ich hoffe, dass wir an der Seitenlinie nicht allzu häufig Kontakt haben, weil er auch aufbrausend sein kann", fürchtet er, hat aber für alle Fälle schon einen Plan parat: "Dann sitzen wir beide auf der Tribüne und essen eine Bratwurstsemmel."

imago46664907h.jpg

Selbst alles andere als zurückhaltend: Julian Nagelsmann.

(Foto: imago images/Christian Schroedter)

Während seine Leipziger souverän ihre Gruppe G für sich entscheiden konnten und dabei Olympique Lyon, Benfica Lissabon und Zenit St. Petersburg hinter sich ließen, stolperte Tottenham in der Gruppe B über einen Klub: den FC Bayern. Noch unter Ex-Coach Mauricio Pochettino setzte es eine 2:7-Klatsche, bereits unter Mourinho ging das Rückspiel immer noch 1:3 verloren. Dabei hat sich der Trainerwechsel für die Engländer an sich gelohnt: In der Premier League haben sie den Anschluss an die Champions-League-Plätze zurückerobert, stehen auf Platz fünf und haben mit 40 Punkten nur noch einen weniger als der FC Chelsea.

Den Buchmachern zufolge ist Tottenham als Vorjahresfinalist sogar der Favorit gegen die Leipziger, die im Achtelfinale debütieren. Auch Nagelsmann hält das Team von Tottenham für einen "Gegner, der auf vielen Positionen Weltklasse besetzt ist". Nun, das sagte er aber, bevor die Meldung kam, dass Stürmer Heung-Min Son wegen eines Armbruchs ausfällt. Ein weiterer Dämpfer, nachdem bereits Harry Kane verletzt passen muss. Und so sind die Träume des 32-jährigen Nagelsmann wohl berechtigter denn je: "In solchen Spielen kommt es viel auf die Cleverness an, auf die Art und Weise, wie wir reinkommen in diesem großen, lauten Stadion, wie viel wir von unserer Power auf den Platz bekommen." Für RB ist es, egal wie es ausgeht, jetzt schon das größte Duell der noch jungen Vereinsgeschichte.

Atalanta Bergamo - FC Valencia (beide Mittwoch, 21 Uhr im Liveticker auf ntv.de)

*Datenschutz

Armes FC Valencia, die Spanier spielen gegen den Fußballklub, über den Teammanager Josep Guardiola sagt: "Gegen Atalanta zu spielen, ist wie ein Besuch beim Zahnarzt. Es ist wirklich sehr hart." Gemeint ist der Vierte der italienischen Serie A, Atalanta Bergamo. 63 Tore hat das Team von Trainer Gian Piero Gasperini in dieser Liga-Saison schon erzielt, weit mehr als jedes andere in Italien. Dem AC Mailand fügte es gar eine 5:0-Klatsche bei. Doch zugegeben, in der Champions League sah es zunächst nicht nach einem Erfolg aus: Die Königsklassen-Saison - die der Klub übrigens im 40 Kilometer entfernten Mailänder San Siro austrägt, begann mit einem 0:4 gegen Dinamo Zagreb, es folgte ein 1:2 gegen Shakhtar Donezk und ein 1:5 gegen Manchester City. Doch eben das dazu passende Rückspiel endete 1:1 - verleitete Guardiola zu seinem plastischen Satz und leitete bei Bergamo die Wende ein, die sie noch in die nächste Runde führte. Am Aufschwung beteiligt war der Deutsche Robin Gosens. Der 25-Jährige spielt zumeist im linken Mittelfeld und traf beim letzten Gruppenspiel gegen Donezk sogar zum finalen 3:0-Sieg. Er dürfte sich in diesem Moment ziemlich darüber gefreut haben, dass der Wechsel zu seinem Herzensverein FC Schalke 04 im vergangenen Sommer kurz vor knapp gescheitert war. Mit den Gelsenkirchenern würde er jetzt nicht in der Champions League spielen.

Nun muss er gegen den FC Valencia bestehen. Mit nur einer Niederlage gegen Ajax Amsterdam beschloss Valencia die Gruppe H als Erster - und setzte sich damit auch gegen den amtierenden Europa-League-Sieger FC Chelsea durch. Für die Spanier ist die Champions League wohl die einzige Chance, in diesem Jahr noch erfolgreich zu sein. In der Liga sind sie nur Siebter - und drohen damit sogar die europäischen Plätze zu verpassen - im Copa del Rey scheiterte das Team von Trainer Albert Celades im Viertelfinale am FC Granada. Doch Gosens und sein Team werden es den Spaniern nicht leicht machen - wartet auf sie doch mit dem Einzug in die nächste Runde der größte Klub-Erfolg seit Jahrzehnten. Woran die wiedererlangte Konstanz liegt? "Entscheidend ist, dass sich in den letzten zwei Jahren das Kader kaum verändert hat", sagte Gasperini laut "NZZ". "Es ist das erste Mal in meiner Trainerkarriere, dass ich zwei Jahre am Stück mit den gleichen Spielern trainieren kann." Auch, weil Gosens in Bergamo geblieben ist.

Gute Nachrichten gibt es übrigens vom offiziellen Balllieferanten der Champions League: Ab heute werden alle restlichen Partien des Wettbewerbs mit dem "Istanbul 20" bestritten. Und der ermöglicht, dass "die besten Spieler Europas ihr ganzes Talent entfalten können", wie die Uefa verspricht. "Dank seiner äußeren Ummantelung, die gleich beschaffen ist wie bei allen anderen offiziellen Champions-League-Bällen, bietet der 'Istanbul 20' sowohl sicheren Halt als auch einwandfreie Kontrolle, und die thermisch gebundenen Sternpanels sorgen dank der nahtlosen Oberfläche für ein verbessertes Ballgefühl." Alles klar?

Quelle: ntv.de