Fußballticker

Automatisch aktualisieren
 WM 2018, So., 24. Jun. 14:00 Uhr SpieltagTabelle
England -:-  Panama Spielbericht
 WM 2018, So., 24. Jun. 17:00 Uhr SpieltagTabelle
Japan -:-  Senegal Spielbericht
Sport
Miroslav Klose macht wieder eine WM-Vorbereitung mit. Doch diesmal muss er sich körperlich nicht mehr so schinden.
Miroslav Klose macht wieder eine WM-Vorbereitung mit. Doch diesmal muss er sich körperlich nicht mehr so schinden.(Foto: imago/Revierfoto)
Samstag, 09. Juni 2018

Spätstarter und Rekordtorschütze: Miroslav Klose - der bescheidene Teamplayer

Von Wolfram Neidhard

Er ist Fußball-Weltmeister und dennoch sehr geerdet: Miroslav Klose. 137 Fußball-Länderspiele bestritt der ehemalige Stürmer, der seinen 40. Geburtstag feiert, für Deutschland. 71 Tore erzielte er. Nun fährt Klose wieder zur WM - als Assistenztrainer.

Die Fußball-Weltmeisterschaft steht vor der Tür, und Miroslav Klose ist, obwohl er nicht mehr selbst gegen das runde Leder tritt, wieder sehr angespannt. Denn Klose gehört erneut zur deutschen Nationalmannschaft, weil er beim DFB ein individuelles Ausbildungsprogramm bestreitet, um seine Lizenzen als Fußballlehrer zu erwerben. Er trainiert die Stürmer. Nach der WM in Russland ist für ihn die Lehrzeit bei Joachim Löw vorbei. Es geht dann nach München, wo Klose die U17-Junioren des FC Bayern betreuen wird.

Selbst ist der Mann: Klose bereitet das Training in Eppan vor.
Selbst ist der Mann: Klose bereitet das Training in Eppan vor.(Foto: imago/Schüler)

Die Terminplanung bringt es mit sich, dass Klose vor großen Titelkämpfen seinen Geburtstag im Kreis der Nationalspieler verbringt - diesmal ist es der 40. Von 2001 bis zum 2014 gehörte der am 9. Juni 1978 im polnischen Opole geborene Sohn eines deutschstämmigen Fußballers und einer polnischen Handball-Nationalspielerin zum festen Kreis der DFB-Auswahl. An vier Weltmeisterschaften nahm Klose teil, dabei erreichte er immer mindestens Rang drei. 2002 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft Vize- und 2014 Weltmeister. Mit insgesamt 24 WM-Einsätzen hat er weltweit lediglich Lothar Matthäus (25) vor sich. Dazu gehörte er noch bei drei Europameisterschaften (2004, 2008 und 2012) zum deutschen Kader. Mit 16 Toren ist Klose alleiniger WM-Rekordhalter.

Beginn als Nationalspieler in "Rumpelfußball"-Mannschaft

Klose war ein Spätstarter. Mit 20 Jahren spielte er noch für die SG Blaubach-Diedelkopf in der siebten Liga. Es ist schon eine Seltenheit, dass ein Spieler den Sprung vom Bezirksligastürmer zum Weltmeister schaffte - eine Ochsentour, die seine Weltmeisterkollegen von 2014 nicht machen mussten. Als Klose - nunmehr in Diensten des Traditionsklubs 1. FC Kaiserslautern - zur Nationalmannschaft stieß, hatte der deutsche Fußball kein hohes Ansehen in der Welt, Franz Beckenbauer sprach von "Rumpelfußball". Vielleicht war dieser Umstand für den bescheidenden und schüchtern wirkenden Klose sogar von Vorteil, denn er konnte sich mit relativ wenig Mühe im Sturm durchsetzen und vor 16 Jahren bei der WM in Südkorea und Japan mit seinen Toren dazu beitragen, dass die DFB-Auswahl unter Teamchef Rudi Völler das Finale erreichen konnte und nach einer 0:2-Niederlage nur Brasilien den Vortritt lassen musste.

Bis ins hohe Fußballeralter machte Klose nach Toren seinen Salto.
Bis ins hohe Fußballeralter machte Klose nach Toren seinen Salto.(Foto: imago/Ulmer/Teamfoto)

Dabei erntete Klose auch in der Anfangszeit seiner Nationalmannschaftskarriere durchaus Kritik. Fußball-Fachleute bemängelten, dass er sich nur gegen schwächere Mannschaften behaupten konnte und vor allem gegen Teams wie Saudi-Arabien und Österreich die meisten Treffer erzielte. Dagegen ginge er gegen Weltklasseteams unter. Mit moderneren Formen des internationalen Fußballs hätte er seine Probleme, das schnelle Umkehrspiel wäre nichts für den Angreifer, der sich im traditionellen 4-4-2-System am wohlsten fühle. Sie mögen in den Jahren des jungen Klose durchaus Recht gehabt haben, der ältere und gestandene arbeitete aber hart an sich und wurde zum Schrecken für Weltklasseteams wie Argentinien oder Brasilien.

Kein Lautsprecher

Und - seinem Naturell zum Trotz - wuchs Klose im Laufe der Jahre in die Rolle eines Führungsspielers hinein. Bei der Heim-WM 2006 avancierte er zum Chef des Sturms und erklärte dem jungen Lukas Podolski das neue Spielsystem des Trainerduos Jürgen Klinsmann/Joachim Löw mit den entsprechenden Laufwegen. Klose hatte seine Schüchternheit abgelegt und war ein wichtiger Pfeiler im Nationalmannschaftsgefüge geworden. Bis zu seinem letzten Länderspiel, dem 1:0-Finalsieg gegen Argentinien bei der WM 2014, war er ein wichtiger Ansprechpartner des Trainerteams. Allerdings: Ein Lautsprecher wurde er nie.

Mit seinen Zwillingen nach dem Titelgewinn 2014.
Mit seinen Zwillingen nach dem Titelgewinn 2014.(Foto: imago/MIS)

Was Klose so wertvoll für jeden Trainer machte, war seine Teamfähigkeit, die Eigenschaft, sein Ego hintenan zu stellen. Er war damit keiner der typischen Stürmer, die vor dem gegnerischen Tor besser postierte Mitspieler übersehen. Klose übertrieb es mitunter mit seinem mannschaftsdienlichen Spiel und passte auch in Situationen, in denen er selber hätte schießen sollen. Der den meisten Angreifern innenwohnende Egoismus fehlte Klose vollends. Dennoch wurde er mit 71 Treffern Rekordtorschütze - in 137 Länderspielen. Kloses Vorgänger in der DFB-Torschützenliste, Gerd Müller, erzielte 68 Tore in nur 62 Länderspielen. Allerdings verrichtete der "Bomber der Nation" seinerseits auch nicht ein solch hohes Maß an Defensivarbeit wie Klose, der die fußballerische Gabe besaß, seinen Gegenspielern ohne grobe Fouls den Ball zu klauen.

Klose verkörperte in der Nationalmannschaft sowie in seinen Klubs Werte wie Teamgeist und Disziplin wie kein anderer. Er spielte auch eine wichtige Rolle als guter Geist neben dem Platz oder auf der Auswechselbank. Im Gegensatz zu Spielern wie Michael Ballack oder Oliver Kahn war Klose kein Machtmensch. Er kam auch in der zweiten Reihe zurecht.

Und Fairplay konnte Klose auch: Als Schiedsrichter Herbert Fandel im Jahr 2005 beim Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen und Arminia Bielefeld (3:0) nach einem angeblichen Foul des Arminen-Keepers Mathias Hain an Klose auf den Elfmeterpunkt zeigte, war es der Nationalstürmer, der den Referee darauf hinwies, dass Hain ihn im Strafraum fair vom Ball getrennt habe. Später, im Trikot von Lazio Rom, ließ er vom Schiedsrichter ein Tor zurücknehmen, weil er es mit der Hand erzielt hatte. Die mitunter gnadenlose italienische Journaille reagierte entzückt.

Schwierige Jahre in München, Aufblühen in Rom

Kloses Selbstlosigkeit hatte aber auch ihre Nachteile. Im Klubfußball, vor allem bei Bayern München, hatte er dadurch nicht das Standing wie bei der Nationalmannschaft. Der Wechsel von Bremen an die Säbener Straße im Jahr 2007 brachte ihn zwar menschlich voran, aber sportlich waren die vier Jahre in München nicht ohne Probleme. Vor allem Trainer Louis van Gaal, der eigentlich nur mit einer Spitze spielen wollte, hatte keine richtige Verwendung für Klose. Dieser reagierte auf die ihm eigene Weise: still und ohne Tiraden in Richtung Trainer. Der Wechsel 2011 zu Lazio Rom war folgerichtig - ohne verbale Giftspritzen. Der Lohn: Er arbeitet ab der kommenden Saison wieder an der Isar. Die fünf Jahre in Rom genoss Klose. Die Lazio-Fans mochten ihn, Klose schoss wichtige Tore. Er fühlte sich mit seiner Familie in der ewigen Stadt pudelwohl.

In letzter Zeit ist Klose etwas lauter geworden. Überraschend meldete er sich im Fall Sandro Wagner zu Wort. Dessen Rücktritt von der Nationalmannschaft nach der Nichtnominierung für die WM in Russland kann Klose nicht verstehen und er tat dies auch kund. "An seiner Stelle hätte ich die Sache erst einmal sacken lassen und dann gehandelt. Diese Konsequenzen hätte ich nicht gezogen", sagte Klose. Er legte nach: "Es ist schwer, so eine Entscheidung zu akzeptieren. Aber ich kann sagen: Ich bin vom Typ her ganz anders." Ja, das ist er wahrlich.

Quelle: n-tv.de