Ratgeber

Was ändert sich 2022 … ... bei den Steuern?

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Zum 1. Januar steigen die Einkommensgrenzen für alle Steuersätze.

(Foto: imago stock&people)

Das neue Jahr beginnt nicht nur mit einer Reihe guter Vorsätze. Regelmäßig kündigen sich zum Jahreswechsel auch viele gesetzliche Neuerungen an. Darüber, was sich zum neuen Jahr für Steuerzahler ändert, informiert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Corona-Bonus in Höhe von 1500 Euro noch bis März steuerfrei

Wenn Arbeitgeber ihren Beschäftigten einen Corona-Bonus zahlen, ist dieser noch bis zum 31. März 2022 bis zu einer Höhe von 1500 Euro steuerfrei. Danach läuft die Steuerbefreiung für diese zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährten Beihilfen und Unterstützungen aus.

Die 1500 Euro sind ein steuerlicher Freibetrag, der einmal pro Dienstverhältnis in Anspruch genommen werden kann. Die Auszahlung kann jedoch in mehreren Raten erfolgen.

Einkommensgrenzen steigen

Die Einkommensgrenzen für alle Steuersätze steigen im nächsten Jahr um 1,17 Prozent. Damit wird die Inflationsrate des Jahres 2021 quasi in den Steuertarif eingepreist. Mit dieser Rechtsverschiebung des Einkommensteuertarifs, die allen Steuerzahlern zugutekommt, soll der Effekt der sogenannten "kalten Progression" ausgeglichen werden. Diese würde ansonsten bewirken, dass Lohn- und Gehaltssteigerungen in Verbindung mit der Inflation zumindest teilweise durch eine höhere Steuerbelastung aufgezehrt würden.

Grundfreibetrag erhöht sich

Der Grundfreibetrag in der Einkommensteuer steigt für Ledige auf 9984 Euro (Plus von 240 Euro gegenüber 2021). Verheirateten stehen 19.968 Euro zu, 480 Euro mehr als bisher. Der Grundfreibetrag bezeichnet den Betrag, bis zu dem das Einkommen Lediger oder gemeinsam veranlagter Ehepartner steuerfrei bleibt. Dieses Existenzminimum wird also steuerlich nicht angetastet. Damit haben Arbeitnehmer etwas mehr Geld, da der Fiskus ab Januar 2022 erst bei Einkommen über dem neuen Grundfreibetrag Steuern abzieht.

Im selben Umfang erhöhen sich die Beiträge, bis zu denen Steuerzahler Unterhalt für nahe Angehörige als außergewöhnliche Belastungen abziehen können. Maximal 9984 Euro sind da drin (2021: 9744 Euro).

Durch die Verschiebung der Eckwerte des Einkommensteuertarifs nach rechts ist beispielsweise auch der Höchstsatz von 45 Prozent erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 277.826 Euro (2021: 274.613 Euro) im Veranlagungszeitraum 2022 zu zahlen. Der Spitzensteuersatz von aktuell 42 Prozent greift 2022 ab einem jährlich zu versteuernden Einkommen von 58.597 Euro (2021: 57.919 Euro). Er ist in dieser Höhe pro hinzuverdientem Euro zu zahlen. Zusammen veranlagte Ehegatten haben für das gemeinsame Einkommen die doppelten Einkommensgrenzen.

Kinderfreibetrag bleibt unverändert

Unverändert bleibt hingegen der steuerliche Kinderfreibetrag, der das Existenzminimum des Kindes sichert: Dieser beträgt weiterhin 8388 Euro (je Kind für beide Elternteile). Der Kinderfreibetrag setzt sich zusammen aus 2928 Euro für den Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf sowie 5460 Euro für das sächliche Existenzminimum des Kindes.

Höhere Pauschale bei berufsbedingtem Umzug

Wer ab 1. April aus beruflichen Gründen umzieht, kann sich einen Teil der Kosten durch die Steuererklärung zurückholen: mit der sogenannten Umzugskostenpauschale. Diese erhöht sich dann für Alleinstehende von derzeit 870 auf 886 Euro. Für Ehe- oder Lebenspartner sowie für Kinder erkennt das Finanzamt dann einen Zuschlag von je 590 Euro (bislang 580 Euro) an. Stichtag zur Ermittlung der Höhe der Pauschale ist der Tag vor dem Einladen des Umzugsguts.

Wenn Kinder in eine andere Stadt oder ein anderes Bundesland umziehen, müssen sie oft Schulstoff nachholen. Bei einem als berufsbedingt anerkannten Umzug können - mit Rechnungen für den Unterricht belegt - je Kind ab 1. April Nachhilfekosten bis zum Höchstbetrag von 1881 Euro (2021: 1160 Euro) in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Mehr Extras zum Lohn

Kleine Extras vom Arbeitgeber – wie Gutscheine, Tankkarten oder ein Jobticket – können auch 2022 steuerfrei bleiben: Lag die bisherige Freigrenze bei 44 Euro im Monat, ist der Lohnbonus fortan bis 50 Euro monatlich steuerfrei. Strenger werden aber die Regeln, nach denen solche Sachleistungen – die als Zusatz zum ohnehin geschuldeten Lohn gewährt werden – weiterhin von der Steuer befreit sind. Denn Gutschein- oder Prepaidkarten bleiben nur noch dann lohnsteuerfrei, wenn sie in bestimmten Geschäften, Ladenketten, Shoppingketten oder bei Akzeptanzstellen mit einer festgelegten Produktpalette eingesetzt werden können. Gutscheine und Geldkarten, die überall zu verwenden sind oder unbeschränkt auf einem elektronischen Marktplatz eingelöst werden können, gelten nicht mehr als steuerfreies Lohnextra. Weiterhin möglich bleiben Essensgutscheine und Zuschüsse zu den Mahlzeiten.

Homeoffice-Pauschale wird verlängert

Die Homeoffice-Pauschale wird bis Ende 2022 verlängert. Beschäftigte können 5 Euro pro Tag - maximal 600 Euro pro Jahr - pauschal von der Steuer absetzen, wenn sie an diesem Tag nicht im Büro gearbeitet haben.

Allerdings gibt es die Pauschale nach den bisherigen Planungen nicht zusätzlich zum Werbungskostenpauschbetrag von 1000 Euro jährlich. Die Ausgaben mindern dann die Steuerlast nur, wenn sie gemeinsam mit weiteren Werbungskosten, wie zum Beispiel Schreibtisch, Drucker oder Bürostuhl den Werbungskostenpauschbetrag überschreiten. Für Tage, an denen Beschäftige ins Büro fahren, können sie wie bisher die Entfernungspauschale von 30 Cent je Kilometer für den einfachen Weg geltend machen. Ab dem 21. Kilometer können 0,35 Euro abgesetzt werden. Zwischen 2024 und 2026 sind es hier dann 0,38 Euro.

Die Homeoffice-Pauschale von 5 Euro kann dann nicht geltend gemacht werden, sondern wird nur für Arbeitstage zu Hause angerechnet - dies allerdings auch dann, wenn kein eigenes Arbeitszimmer vorhanden ist.

Neue Sachbezugswerte für Arbeitnehmer

Spendiert der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ab dem 1. Januar ein Essen, kann für das Finanzamt ein steuerpflichtiger Arbeitslohn vorliegen. Maßgeblich sind die sogenannten Sachbezugswerte: Diese steigen ab dem neuen Jahr für die Verpflegung auf 270 Euro (bisher: 263 Euro). Damit sind ab 2022 für verbilligte oder unentgeltliche Mahlzeiten folgende Werte anzusetzen: Frühstück: 56 Euro monatlich; 1,87 Euro kalendertäglich, Mittagessen: 107 Euro monatlich; 3,57 Euro kalendertäglich, Abendessen: 107 Euro monatlich; 3,57 Euro kalendertäglich.

Wie für die Verpflegung erhöhen sich auch die Werte für Unterkunft oder Miete. Der Sachbezugswert für freie Unterkunft beträgt 2022 bundeseinheitlich 241 Euro monatlich. Erhält ein Arbeitnehmer also durchgängig sowohl freie Unterkunft als auch freie Verpflegung, dann bedeutet dies fürs Finanzamt: Das monatliche Bruttoeinkommen, auf das Steuern und Sozialabgaben zu zahlen sind, erhöht sich auf 511 Euro (270 Euro plus 241 Euro).

Höhere Vorsorgeaufwendungen absetzbar

Vorsorgeaufwendungen für den Ruhestand können steuerlich besser abgesetzt werden. Für die Berücksichtigung der Sonderausgaben gilt ein Höchstbetrag von 25.639 Euro. Maximal können davon im kommenden Jahr 94 Prozent abgesetzt werden. Das bedeutet, Alleinstehende können 24.101 Euro und Ehepaare beziehungsweise eingetragene Lebenspartner 48.202 Euro steuerlich geltend machen.

Tabaksteuer wird erhöht - und für E-Zigaretten eingeführt

Die Tabaksteuer für eine Packung mit 20 Zigaretten steigt um durchschnittlich zehn Cent. Ab dem 1. Juli unterliegen erstmals auch die Substanzen für E-Zigaretten der Tabakbesteuerung – und zwar unabhängig davon, ob die Flüssigkeiten nikotinhaltig sind oder nicht. Für ein Zehn-Milliliter-Liquid, das derzeit rund fünf Euro kostet, sollen zusätzlich 1,60 Euro Steuern anfallen. Darüber hinaus wird Tabak für Wasserpfeifen mit einer Zusatzsteuer belegt und damit fiskalisch der Filterzigarette gleichgestellt.

Quelle: ntv.de, awi

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