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Schutz vor dem Coronavirus "Bringt nur etwas, wenn alle Masken tragen"

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Masken schützen gegen die Ausbreitung des Coronavirus - es bringt aber nur etwas, wenn alle sie tragen, sagt Dr. Specht.

(Foto: imago images/Pacific Press Agency)

Um der Coronavirus-Pandemie Einhalt zu gebieten, rückt das Thema Schutzmasken in den Fokus. Mit ntv.de klärt Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht die Frage, wie sinnvoll es wäre, wenn alle Menschen eine Schutzmaske tragen würden und welche am besten dafür geeignet wäre.

ntv.de: Herr Dr. Specht, angesichts der steigenden Zahl von Corona-Infektionen gibt es bereits Überlegungen, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn alle Menschen eine Schutzmaske tragen. Wie sehen Sie das?

Dr. Christoph Specht: Natürlich wäre das eine Möglichkeit. Vorausgesetzt, dass tatsächlich alle eine Schutzmaske tragen. Denn dann würden auch jene Menschen Masken tragen, die gar nicht wissen, dass sie mit dem Coronavirus infiziert sind. Das hätte natürlich den riesigen Vorteil, dass diese das Virus dann weniger verbreiten.

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Dr. Christoph Specht ist Arzt und Medizinjournalist - auf ntv.de beantwortet er regelmäßig Fragen zum Coronavirus.

Man sieht auf den Straßen zwar immer öfter Menschen mit Maske, sie sind aber immer noch in der Minderheit - das heißt, wenn sie noch nicht infiziert sind, bringt ihnen das gar nichts?

Man hat dazu Untersuchungen mit anderen Erkältungskrankheiten gemacht. Dabei wollte man herausfinden, ob es Menschen nützt, sich mit Masken davor zu schützen. Das Ergebnis war, dass es nichts bringt. Es wiegt die Menschen also nur in falscher Sicherheit.

Also müssten tatsächlich alle Menschen Schutzmasken tragen - was derzeit dadurch erschwert wird, dass es diese kaum noch zu kaufen gibt …

Es geht natürlich nicht, dass man dafür die kommerziell hergestellten Masken nimmt. Denn die braucht man unbedingt im medizinischen Bereich. Dort müssen sie auch häufig ausgetauscht werden. Wenn alle Masken tragen, dann müssten das selbstgebastelte Baumwollmasken sein. Mit jedoch ziemlich begrenzter Wirksamkeit. Virendicht sind diese natürlich überhaupt nicht, aber sie können helfen, die kleinen Tröpfchen, in denen die Viren drin sind, ein wenig zurückzuhalten.

Anleitungen dazu gibt es ja bereits zahlreich im Internet. Aber auch für Masken aus Küchenrollenpapier - bringen die auch etwas?

Vom Prinzip her kann man für eine selbstgebaute Schutzmaske auch Küchenrollenpapier nehmen. Auch Klopapier, das allerdings momentan ebenfalls knapp ist. Das sind aber relativ dünne Vliese, die nicht dafür gemacht sind. Baumwollmasken sind daher aus meiner Sicht die bessere und auch die nachhaltigste Idee, weil man die in der Kochwäsche reinigen kann. Es geht ja nicht darum, sie wirklich steril zu machen, sondern nur darum, sie von eventuellen Coronaviren zu befreien. Und das geht in der Kochwäsche ohne Weiteres.

Es gibt ja auch professionelle Masken, die sogenannten FFP-Masken - würde man sich damit nicht als Normalbürger am besten vor einer Infektion schützen können?

Bei den FFP-Masken handelt es sich um bessere Masken mit einem Ventil zum Ausatmen. Diese Masken schließen sehr dicht, vor allem die FFP-3-Masken, diese sind dadurch tatsächlich virensicher. Allerdings muss man sie dafür auch richtig tragen und entsprechend andrücken. Das bedeutet aber auch, dass diese FFP-Masken relativ unangenehm zu tragen sind. Freiwillig macht man das nicht den ganzen Tag. Das halte ich auch nicht für sinnvoll.

Und die FFP-Masken sind derzeit ja ebenfalls knapp ...

Ja, der Nachschub bei FFP-Masken ist kritisch. In vielen Arztpraxen und auch in Kliniken gibt es nur noch wenige. Zwar ist Nachschub bestellt, aber bestellt heißt nicht geliefert. Meistens kommen diese aus dem Ausland, viel wird vor allem in China produziert und da gibt es eben die Lieferengpässe.

Wo wir gerade über Lieferengpässe sprechen - auch bei den einfachen Papiermasken für Mund und Nase gibt es diese. Als Laie fragt man sich: Wieso ist es so schwierig, diese schnell und in Massen hierzulande zu produzieren?

Alle Schutzmasken sind Medizinprodukte und als solche müssen sie genaue Vorschriften erfüllen. Auch einfache Mund-Nase-Schutzmasken müssen zertifiziert sein. Dazu kommt, dass die Produktion in den letzten Jahren ausgelagert wurde und nur wenig in Deutschland hergestellt wird. Auch das erschwert es, hierzulande die Produktion hochzufahren oder überhaupt aufzubauen. In kleinerem Rahmen kann man sich das vorstellen. Aber bis man die Maschinen hat, um wirklich sehr viele Masken herzustellen, das dauert eine gewisse Zeit. Und Zeit haben wir derzeit nicht.

Mit Dr. Christoph Specht sprach Kai Stoppel.

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Quelle: ntv.de