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Corona: Dr. Specht klärt auf "Ich rate von Ibuprofen und Paracetamol ab"

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In jedem Fall sollte vor der Medikamenteneinnahme ein Arzt konsultiert werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Coronavirus stellt die Krankenhäuser vor eine Belastungsprobe, die Patientenzahlen steigen stetig. Der Arzt Dr. Christoph Specht berichtet über die Vorbereitungen der Kliniken, zudem rät er Menschen mit typischen Symptomen, sich selbst zu isolieren. In der Diskussion um den Einsatz von Medikamenten wie Ibuprofen und Paracetamol gibt er eine klare Empfehlung.

ntv: Herr Dr. Specht, bei bald 10.000 Infizierten können wir davon ausgehen, dass etliche auch schwerer Erkrankte in die Krankenhäuser kommen. Mit welcher Mehrbelastung ist jetzt schon zu rechnen?

Dr. Specht: Die Rechnung ist relativ einfach. Wir haben von der Gesamtzahl der Infizierten immer ungefähr 20 Prozent schwerer Erkrankte. Die müssen nicht alle direkt ins Krankenhaus, auch nicht alle auf Intensivbetten. Aber mit circa fünf Prozent muss man doch rechnen. Und das ist gewaltig, denn wenn ich eine hohe Anzahl von Infizierten habe, steigt auch die Zahl derer, die Intensivbetten brauchen. Wir haben jetzt noch relativ viele nutzbare Betten, aber deswegen war ja auch der Appell so wichtig, wenn möglich, Operationen zu verschieben. Es laufen aber überall in den Krankenhäusern die Planungen, zusätzliche Betten freizumachen, zum Beispiel Rehakliniken, die umfunktioniert werden zu Normalkliniken, damit die weniger schweren Fälle dorthin kommen. Die Belastung steigt momentan tatsächlich stündlich.

Stellen wir uns vor: Ich habe einen trockenen Hals, Husten, erhöhte Temperatur. Was sind die ersten Schritte, die ich dann einleiten müsste?

Die meisten möchten sich natürlich sofort testen lassen. Das wäre auch gut, hätten wir die Möglichkeiten dazu. Der Test ist toll, aber er ist auch kompliziert, er muss im virologischen Labor gemacht werden, die Kapazitäten sind begrenzt. Sprich, man testet immer noch nicht einfach jeden, der ein Kratzen im Hals hat. Man schaut, ob er einen Kontakt zu einem bestätigten Fall gehabt hat oder aus einem bestimmten Risikogebiet kommt. Wobei wir mittlerweile, das ist auch eine sich stündlich ändernde Situation, fast überall Risikogebiete haben. Und natürlich kann es sein, dass sich eine Person auch ohne diese Kriterien mit dem Coronavirus infiziert hat. Ein praktischer Rat: Hat jemand einen Verdacht und kann nicht getestet werden, sollte er sich, so gut es geht, selbst isolieren.

Wie sieht es mit Wirkstoffen aus, die womöglich helfen können, die Symptome zu lindern?

Im Hinblick auf die zuletzt geführte Diskussion über Wirkstoffe wie Ibuprofen und Paracetamol, die wir alle von Erkältungserkrankungen kennen, hat die Weltgesundheitsorganisation nun gesagt, sie empfehle, nicht ohne ärztlichen Rat Ibuprofen einzunehmen. Hintergrund ist, dass Ibuprofen auch die Blutgerinnung beeinflusst. Paracetamol macht das so nicht, aber beide Medikamente haben natürlich Nebenwirkungen. Ich würde in jedem Fall dazu raten, gar nichts davon einzunehmen. Falls nicht anders möglich, dann nur in Abstimmung mit einem Arzt, wobei die Empfehlung tatsächlich mehr in Richtung Paracetamol geht.

Quelle: ntv.de, mdi