Panorama

Corona-Interview mit Dr. Specht Spätfolgen möglich, aber kein Grund zur Panik

Offizielles Bild von Dr. Specht

Dr. Christoph Specht sieht keinen Grund zur Panik.

(Foto: Jo Kirchherr)

Die Coronavirus-Pandemie legt ganze Länder lahm und kostet tausende Menschen das Leben. Die meisten Menschen überstehen eine Infizierung aber unbeschadet - dachten Experten lange. Das gelte nach wie vor, sagt der Arzt Dr. Christoph Specht, es gebe allerdings Hinweise auf Ausnahmen von dieser Regel. Bei einigen Patienten seien auch nach der Infektion noch Einschränkungen der Lungenfunktion beobachtet worden.

ntv: Herr Dr. Specht, es gibt Hinweise auf mögliche Spätfolgen des Coronavirus auch bei milden Symptomen. Was wissen wir da zum jetzigen Zeitpunkt?

Dr. Christoph Specht: Bisher ging man ja davon aus, dass die 80 Prozent der Infizierten, die kaum oder nur sehr wenige Symptome haben, anschließend wieder voll gesund werden. Dass es zu einer restitutio ad integrum kommt, wie der Mediziner sagt. Also zu einer kompletten Heilung ohne irgendwelchen Schäden oder Langzeitfolgen. Jetzt muss man aktuell sagen, das scheint im Wesentlichen heute auch noch zu stimmen. Aber es gibt Hinweise aus einem Hospital in Hongkong: Da gibt es anscheinend Patienten, die vom Virus wieder frei und auch an sich genesen sind, aber nach wie vor Einschränkungen der Lungenfunktionen haben und zwar in der Größenordnung von 20 bis 30 Prozent.

Wie belastbar sind denn diese Hinweise?

Das ist eine momentane Betrachtung. Also nur von einem Krankenhaus aus Hongkong, von einem Arzt, der manche Patienten nochmal untersucht hat, nachdem diese entlassen worden sind. Das ist keine Studie, wo man sagen kann, da hat man jetzt an 100, 200 oder gar 1000 Patienten untersucht.

Hier sind es etwa zwölf Patienten gewesen, die man untersucht hat. Und davon waren es etwa zwei bis drei Patienten, die diese Einschränkungen hatten. Ob das wie gesagt in einer großen Studie so ist, bleibt zum derzeitigen Zeitpunkt absolut fraglich. Und es sagt natürlich auch noch nichts darüber aus - dafür ist der beobachtete Zeitraum viel zu kurz - wie lange diese Lungenfunktionseinschränkung besteht.

Wie lange könnte die Lunge beeinträchtigt sein?

Dieses Coronavirus und seine Folgen gibt es ja noch nicht so lange und deshalb ist das vorerst unklar: Ob diese Lungenfunktionseinschränkung dann etwa über Tage oder wenige Wochen besteht und sich dann normalisiert oder ob sie bleibt. Wenn sie bleibt, hätten wir es mit einer Lungenfibrose zu tun. Eine Lungenfibrose ist eine Verhärtung des Lungengewebes, die zur Folge hat, dass die eigentliche Funktion der Lunge nicht mehr wahrgenommen werden kann. Eine solche Fibrose ist irreversibel.

Das heißt, wenn diese Fibrose eingetreten ist, ist sie nicht mehr rückgängig zu machen. Aber das kann man jetzt noch überhaupt nicht sagen, ob es infolge einer Infizierung mit dem Coronavirus dazu kommen kann oder ob es eben nur eine Reduktion der Lungenfunktion für eine gewisse Zeit ist, die dann aber auch wieder ausheilt. Also auch hier: Kein Grund zur Panik. Aber aus wissenschaftlicher Sicht natürlich interessant - man wird das weiter beobachten müssen.

Quelle: ntv.de, lwe