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Die 25.000-Euro-Frage Für unsichere Zeiten - das Kakerlaken-Portfolio

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Auch Bargeld gehört ins Kakerlaken-Portfolio ...

(Foto: picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB)

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2022 war in vielfacher Hinsicht kein Jahr, dem man irgendeine Träne nachweinen wird. Es spricht vieles dafür, dass 2023 ein besseres Jahr werden kann, doch die Unsicherheiten bleiben groß. Wie sieht das optimale Portfolio für dieses Umfeld aus?

2023 wird ein Jahr mit vielen Fragen und Unbekannten. Folgt der ungewohnt restriktiven Geldpolitik der Notenbanken eine tiefe Rezession? Oder knicken die Notenbanken vorher ein und lockern die Zügel? Kann Chinas Versuch gelingen, die Null-Covid-Politik zu beenden, ohne dass die Bevölkerung einen ausreichenden Impfschutz hat. Selbst das Wetter, also vor allem ein harter Winter, kann einen wesentlichen Einfluss auf die Wirtschaft ausüben.

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Marco Herrmann ist seit 1992 für renommierte Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der FIDUKA.

Die optimale Anlagestrategie für das neue Jahr: Anleger suchen bei hoher Unsicherheit gerne Schutz in Cash und Anleihen. Doch kommt die Inflation nicht bald wie erhofft auf ein erträglicheres Maß runter, sind diese sogenannten Nominalpapiere sichere Verlierer.

Sachwerte wie Aktien dürften sich im Inflationsszenario besser schlagen, doch dann darf die Weltwirtschaft nicht in eine Rezession abrutschen, was meistens die Aktienmärkte in einen monatelangen Bärenmarkt stürzt, also die Kurse fallen lässt. Und Gold hat so seine Probleme, wenn die Notenbanken mit hohen Zinsen die Inflation bekämpfen. Das Edelmetall wirft weder Zinsen noch Dividenden ab und muss mit rentierlichen Alternativen konkurrieren.

Keine Lösung von der Stange

Wie sieht denn nun das optimale Portfolio für dieses Umfeld aus? Leider gibt es nicht "das Portfolio". Die Zusammenstellung und Mischung der Investments hängt von der Risikofreude ab, dem Vermögens- und Familienstand und dem eigenen Alter. Es gibt also kein Patentrezept - ein Portfolio ist immer eine persönliche Angelegenheit, sodass es keine Massenlösung gibt.

Aber es gibt eine einfache Idee, die sich interessanterweise auch wissenschaftlich ganz gut schlägt: das Kakerlaken-Portfolio. Warum Kakerlaken? Ganz einfach, Kakerlaken gibt es bereits seit 350 Millionen Jahren, sie gelten als extrem zäh. Nicht mal die Eiszeit und Meteoriteneinschläge konnten ihnen etwas anhaben. So widerstandsfähig sollte auch ein Portfolio sein.

Wie soll ein Portfolio aussehen, das Eiszeit und Meteoriteneinschläge überlebt? Das einfache Rezept: Ein Viertel in Aktien, ein Viertel in Gold, ein Viertel in Staatsanleihen und ein Viertel in bar auf dem Bankkonto. Diese vier Anlageklassen sind untereinander kaum korreliert, sie entwickeln sich weitgehend unabhängig voneinander. So profitieren die Anleihen im Portfolio in rezessiven Phasen von Deflation, während Aktien und Gold sehr wahrscheinlich an Wert verlieren dürften. Umgekehrt dürften die Aktien und das Gold den realen Wertverlust des nominalen Bestandteils (Anleihen und Kasse) in inflationären Phasen ausgleichen.

In der Wissenschaft nennt man diese Art zu investieren "1/n-Heuristik". Eine Heuristik ist eine simple Antwort auf ein komplexes Problem, um sich das Leben einfacher zu machen.

Die 25.000-Euro-Frage

In der heutigen Situation könnten Anleger ihr 25.000 Euro-Depot wie folgt aufbauen:

Cash: Glücklicherweise gehören Negativzinsen der Vergangenheit an. Mit Festgeld sind wieder 1,5 bis zwei Prozent Zinsen möglich.

Anleihen: Aufgrund der inversen Zinsstrukturkurve, das heißt, die Renditen fallen bei kurzen Laufzeiten höher als bei längeren aus, sind Anleihen mit Laufzeiten zwischen ein bis vier Jahren bei rund drei Prozent Rendite interessanter als zehnjährige Bundesanleihen mit zwei Prozent Rendite. Wer mutiger ist, kann auch - bevorzugt aktiv - gemanagte High Yield Fonds hinzunehmen. Diese Junk- oder Risiko-Anleihen-Fonds werfen Renditen von mehr als sechs Prozent ab.

Gold bleibt eine gute Depotbeimischung mit einem Gewicht von fünf bis zehn Prozent. Das Edelmetall könnte 2023 einen neuen Anlauf auf neue Höchststände nehmen, wenn die Ernsthaftigkeit der Inflationsbekämpfung durch die Notenbanken von den Märkten auf die Probe gestellt wird. Außerdem ist von einem leicht schwächeren US-Dollar auszugehen, der dem Edelmetall Rückenwind geben sollte.

Aktien: Kurzfristig ist hier alles möglich. Langfristig betrachtet handelt es sich um die überlegene Anlageklasse, die auch in der Lage ist, die Inflation zu schlagen. Zunächst belasten aber noch Zinserhöhungen, aber die Inflation lässt die Umsätze der Unternehmen zumindest nominal, also ohne Berücksichtigung der Inflation, schneller steigen. Und wenn es den Unternehmen gelingt, ihre Gewinnmargen stabil zu halten, werden auch die Gewinne wieder nach oben klettern.

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Da bei Anlagen mit Aktien ohnehin ein längerer Anlagehorizont vorhanden sein sollte und Aktien langfristig am besten der Inflation trotzen können, sollten Anleger von Gleichgewichtung des Kakerlaken-Portfolios abweichen und die Aktienquote auf mehr als 50 Prozent setzen. Manche Anlageklassen sind eben gleicher als andere.

Marco Herrmann ist seit 1992 für renommierte Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der FIDUKA.

Quelle: ntv.de

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