Ratgeber

Was ändert sich 2022 … … bei Energie und Wohnen?

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Wer mit Öl, Erdgas oder Fernwärme heizt, muss sich auch ab 2022 auf höhere Heizkosten einstellen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Zukunft bleibt ungewiss. So viel ist sicher. Abgesehen davon stehen aber auch im neuen Jahr viele Neuerungen und Gesetze an. Diese Änderungen aus den Bereichen Energie und Umwelt werden wichtig, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen informiert.

EEG-Umlage sinkt

Die EEG-Umlage sinkt zum 1. Januar auf 3,72 Cent pro kWh (netto). Derzeit liegt sie bei 6,5 Cent pro kWh. Grund für die Absenkung der EEG-Umlage sind insbesondere die stark gestiegenen Börsenstrompreise. Aufgrund höherer Vermarktungserlöse für erneuerbaren Strom sinkt damit der Förderbedarf. Zusätzlich wird die Umlage durch einen Bundeszuschuss aus der nationalen CO2-Bepreisung um circa 0,9 Cent pro kWh gesenkt. Die EEG-Umlage ist aber nur ein Bestandteil des Strompreises. Ein anderer Bestandteil, die Strombörsenpreise, haben sich im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr in etwa um 3 bis 4 Cent pro kWh verteuert. Allerdings konnten Energieversorger 2020 extrem günstig einkaufen. Energieanbieter mit vorausschauender Beschaffungsstrategie werden die Möglichkeit haben, die Strompreise zu senken. Insgesamt ist daher von stabilen Strompreisen für das kommende Jahr auszugehen.

Höherer CO2-Preis verteuert Heizkosten

Ab 1. Januar verteuert der CO2-Preis den Liter Heizöl um 9,5 Cent. Bei Erdgas werden 0,65 Cent pro Kilowattstunde (kWh) aufgeschlagen. Bei Heizöl bedeutet das knapp 1,5 Cent pro Liter, bei Erdgas circa 0,1 Cent pro kWh mehr an CO2-Aufschlag im Vergleich zum Vorjahr.

Hintergrund: Wer mit Öl, Erdgas oder Fernwärme heizt, muss sich ab dem 1. Januar 2021 auf höhere Heizkosten einstellen. Das Klimaschutzprogramm 2030 sieht ab dann einen CO2-Preis auf die Emission von Kohlendioxid vor. Die CO2-Abgabe wird anhand eines CO2-Preises berechnet, den die Bundesregierung für eine Tonne des klimaschädlichen Gases im Jahr 2021 mit 25 Euro festgelegt hat. Im neuen Jahr steigt dieser wie angekündigt auf 30 Euro pro Tonne CO2. Die Kosten geben Mineralölkonzerne und Energieanbieter üblicherweise über den Preis an Kundinnen und Kunden weiter. Erdgas- und Heizölpreise, aber auch Diesel und Benzin werden teurer.

Energielieferverträge: kürzere Kündigungsfristen

Bisher stand in vielen Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Energielieferanten, dass Laufzeitverträge drei Monate vor Ablauf der Vertragslaufzeit gekündigt werden müssen. Ansonsten würden sie sich um ein Jahr verlängern. Für Verträge, die ab dem 1. März 2022 geschlossen werden, gilt dies nicht mehr. Diese Verträge dürfen nur noch eine Kündigungsfrist von einem Monat haben. Verpassen Verbraucher die Kündigungsfrist, so verlängern sich die Verträge zukünftig nur noch auf unbestimmte Zeit. Das heißt, Verbraucher können die Verträge dann jederzeit, mit einer Frist von einem Monat, kündigen.

Ende der Einspeisevergütung bei einigen Photovoltaik-Anlagen

Zum Jahresende 2020 endete der Förderzeitraum der EEG-Einspeisevergütung für die ersten Photovoltaikanlagen (Ü20-Photovoltaikanlagen). Ende 2021 sind nun alle Anlagen betroffen, die im Jahr 2001 in Betrieb gegangen sind. Viele Anlagen funktionieren auch nach 20 Jahren noch gut, sie können und dürfen weiterbetrieben werden: Entweder wird der Sonnenstrom einfach weiter ins öffentliche Netz eingespeist. Die Ü20-Anlage kann aber auch umgebaut werden, damit nur überschüssig erzeugte Energie ins Netz eingespeist wird und der Strom primär im Haushalt selbst verbraucht wird. Durch den Eigenverbrauch eingesparte Stromkosten ermöglichen es, auch kleine PV-Anlagen so meist wirtschaftlich weiter zu betreiben. Zusätzlich können Verbraucher und Verbraucherinnen dann auch einen Stromspeicher nachrüsten, der den Anteil des selbst genutzten Stroms weiter steigert.

Solardach soll Pflicht werden

Wer künftig neu baut, für den soll nach dem Willen der neuen Bundesregierung ein Solardach Pflicht werden. Wie es im Koalitionsvertrag heißt, soll dies bei gewerblichen Neubauten verpflichtend, bei privaten Neubauten die Regel werden.

Effiziente Gebäudeförderung für Effizienzhaus-Standard 55 endet

Der Antrag auf Zuschüsse und Förderkredite der "Bundesförderung für effiziente Gebäude" (BEG) für den Effizienzhaus-Standard 55 muss bei der KfW bis spätestens zum 31. Januar 2022 eingegangen sein. Der Grund: Die Bundesregierung hat die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) dahingehend geändert, dass Fördergelder vor allem dorthin fließen, wo das CO2-Einsparpotenzial am höchsten ist, in Gebäudesanierungen und besonders effiziente Neubauten.

Förderfähig im Neubau (BEG) ab dem 1. Februar 2022:

  • Effizienzhaus 40: Zuschusshöhe 20 Prozent von maximal 120.000 Euro, Zuschuss bis zu 24.000 Euro
  • Effizienzhaus 40-Erneuerbare Energien-Klasse oder Nachhaltigkeits-Klasse: Zuschusshöhe 22,5 Prozent von maximal 150.000 Euro, Zuschuss bis zu 33.750 Euro
  • Effizienzhaus 40 Plus: Zuschusshöhe 25 Prozent von maximal 150.000 Euro, Zuschuss bis zu 37.500 Euro

Höhere Schornsteine bei Neubauten

Ab 1. Januar müssen die Schornsteine von neuen Festbrennstoffheizungen den Dachfirst künftig mindestens um 40 Zentimeter überragen. Denn die Abgase müssen sich möglichst weit verteilen können und dürfen nicht für die Bewohner selbst und die direkten Nachbarn zur Belastung werden. Die jeweilige Höhe ist abhängig von der Dachneigung und der Gesamtwärmeleistung der Heizungsanlage. Dabei gibt es genaue Abstufungen der Anlagengrößen und Vorgaben bezüglich der Höhen und wie weit Oberkanten von Lüftungsöffnungen, Fenstern und Türen der Nachbargebäude in einem bestimmten Umkreis überragt werden müssen.

Neu ist zudem, dass die Öffnung neu errichteter Schornsteine sehr nahe am Dachfirst, dem höchsten Punkt des Hauses, angebracht sein muss. Den First muss der Schornstein um mindestens 40 Zentimeter überragen, und nimmt deutlich zu mit dem Abstand vom First innerhalb des zulässigen Abstandsbereiches.

Mietspiegel für Städte ab 50.000 Einwohnern wird Pflicht

Mit dem Mietspiegelreformgesetz, das zum 1. Juli in Kraft tritt, wird der Mietspiegel für Städte ab 50.000 Einwohnern Pflicht. Vermieter wie Mieter werden durch die Mietspiegelverordnung verpflichtet, Auskunft zu erteilen. Weil Mietspiegel in gerichtlichen Auseinandersetzungen häufig infrage gestellt wurden, hat der Gesetzgeber die Mindeststandards zu deren Erstellung nun klarer gefasst.

Nach wie vor werden einfache und qualifizierte Mietspiegel unterschieden: Beim einfachen Mietspiegel handelt es sich um eine Übersicht über die üblichen Entgelte in der Gemeinde oder in einer vergleichbaren Gemeinde, soweit die Übersicht von der Gemeinde oder von Interessenvertretern der Vermieter und der Mieter gemeinsam erstellt oder anerkannt worden ist. Zudem muss dokumentiert werden, wie die Zahlen zustande gekommen sind.

Der qualifizierte Mietspiegel hingegen muss auf einer repräsentativen Stichprobe beruhen und anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen standhalten. Mieter und Vermieter sind künftig – wenn sie aus einer Stichprobe per Zufallsprinzip ausgewählt wurden – verpflichtet, Angaben zur Größe der Wohnung, zum Mietpreis und zu weiteren wohnungsrelevanten Daten zu machen. Wer dann nicht komplett und korrekt antwortet, dem droht ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro. Der qualifizierte Mietspiegel wird alle zwei Jahre aktualisiert und alle vier Jahre neu erstellt.

Es wird davon ausgegangen, dass durch die Reform für etwa 80 der 200 größten deutschen Städte neue Mietspiegel erstellt werden müssen. Für einen einfachen Mietspiegel haben sie dazu bis zum 1. Januar 2023 Zeit, für einen qualifizierten Mietspiegel läuft die Übergangsfrist bis zum 1. Januar 2024.

Wohngeld wird automatisch erhöht

Das Wohngeld wird zum 1. Januar erstmals automatisch entsprechend der Miet- und Einkommensentwicklung erhöht. Vor allem ältere Menschen und Familien sollen davon profitieren. Für die bisherigen Wohngeldempfänger steigt das Wohngeld ab Januar im Durchschnitt um rund 13 Euro pro Monat. Etwa 30.000 Haushalte können ab dem Jahr 2022 wieder oder erstmals Wohngeld erhalten. Insgesamt sollen rund 640.000 Haushalte von der Wohngelderhöhung profitieren. Dabei wird Wohngeld als Mietzuschuss für Menschen gezahlt, die Mieter einer Wohnung oder eines Zimmers sind, oder als Lastenzuschuss für Menschen, die Eigentümer einer Wohnung oder eines Hauses sind. Vom staatlichen Zuschuss profitieren nur Haushalte, die ansonsten keine Unterstützung wie zum Beispiel Hartz IV oder Grundsicherung im Alter bekommen.

Durch die regelmäßige Anpassung des Wohngelds alle zwei Jahre können viele einkommensschwache Haushalte weiter Wohngeld beziehen, die sonst aufgrund von Einkommenssteigerungen möglicherweise keinen Anspruch mehr gehabt hätten. Das bedeutet: Weniger Menschen müssen zu Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe wechseln, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Quelle: ntv.de, awi

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