Fußball

So läuft der 9. Spieltag FC Bayern trainerlos, die Liga borussiaisiert

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Müller spielt immer? An dieser Regel wird beim FC Bayern kräftig gewackelt.

(Foto: imago/Eibner)

Für seinen Schoko-Adventskalender findet der FC Bayern eine clevere Lösung, weniger formvollendet sind die jüngsten Fußball-Auftritte. Anders sieht's bei den Borussias aus - und Werder stürmt derzeit eiskalt nach Europa.

Was macht der FC Bayern?

Der lernt aus den Fehlern der Vergangenheit. In diesem Winter müssen Fans nicht befürchten, auf ihrem FC-Bayern-Schoko-Adventskalender Türchen mit einem Trainer zu erblicken, der schon gar nicht mehr an der Säbener Straße weilt. Das Problem wird umschifft, indem einfach gar kein Übungsleiter auf dem Mannschaftsfoto drauf ist. Elegante Lösung. Wobei wir mitnichten kolportieren wollen, dass am 1. Dezember jemand anderes als Niko Kovac auf der Trainerbank sitzt (zum Beispiel Jupp Heynckes). Advent gerettet - allerdings gibt es andere Baustellen, die a) pressierender sind und b) komplexerer Lösungsansätze bedürfen.

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Lecker, ein schokoladiger Bayern-Kalender!

Es rumpelt beim deutschen Rekordmeister, und damit spielen wir nicht auf die Realsatire der Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß vom vergangenen Freitag an. In der hatte Vorstandschef Rummenigge gesagt, er habe jetzt wirklich genug von dieser "herabwürdigenden, hämischen, faktischen Berichterstattung". Jaja, ganz recht; er sagte faktisch. Kommen wir also zu den Wahrheiten, die durch unumstößliche Tatsachen belegt sind. Der FC Bayern spielt an diesem 9. Spieltag der Bundesliga gegen den FSV Mainz 05 (Samstag, 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de), hat am vergangenen Samstag gegen den VfL Wolfsburg und dann am Dienstag in der Champions League in Athen gewonnen. Was ja ohnehin das Allerwichtigste sei, wie Arjen Robben unwidersprochen kundtat. Formschön war es allerdings nicht. Faktisch taugte keiner der beiden Auftritte dazu, die Kritiker verstummen zu lassen. Auch wenn diese Erkenntnis nicht durch eine verifizierte, weil vereinsinterne Quelle abgesichert ist: "Kritiker werden jetzt einiges sehen, das nicht gut war", sagte Kovac. Um dann anzufügen, er selbst habe "ein sehr, sehr gutes Spiel" gesehen. Wer behauptet schon, dass Realitäten immer eindeutig sein müssen. Davon (also Realitäten) gibt es übrigens einige, denen sich der Verein in den kommenden Monaten wird stellen müssen. Wie geht es mit Thomas Müller weiter? Wie abhängig ist der Klub von Robert Lewandowski und wie lange geht das gut? Was, wenn das schnöde Gewinnen mit Abzügen in der B-Note in den kommenden wegweisenden Spielen wie gegen Borussia Dortmund (10. November) eben nicht mehr reicht? Wäre durchaus spannend, die Meinung der Münchner Alphabosse dazu zu hören. Anderseits: Gegen Mainz dürfte selbst ein formunschöner Auftritt reichen. Tipp: 2:0.

Wie geht's dem BVB?

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Auch dank Witsel ist der BVB spitzenmäßig unterwegs.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Ah der BVB. Tatsächlich ist es so, dass wir über die "Es kann nur einen geben"-Rivalität zwischen dem FC Bayern und den Dortmundern prinzipiell erhaben sind. Aber wären wir das nicht, müssten wir feststellen, dass der Vergleich für den FC Bayern nicht besonders schmeichelhaft ausfällt. Während die Münchner nicht das liefern (können), was von ihnen erwartet wird – euphorisierender Dominanzfußball auf Spitzenniveau -, findet in Dortmund genau das statt. Und zwar, bis zum fulminanten Champions-League-Auftritt gegen Atlético Madrid, weitestgehend abseits des öffentlichen Fokus. Damit ist Schluss. Der BVB hat sich unter dem im Sommer angestellten Trainer Lucien Favre in einen Rausch gespielt. Ein Zustand, der mutmaßlich nachhaltig ist. Das Fundament stimmt, die selbstverpflichtete Aufbauarbeit nach den Turbulenzen der letzten beiden Spielzeiten greift und ist, glaubt man beispielsweise Kapitän Marco Reus, noch lange nicht abgeschlossen.

Deswegen ist die Frage, wie sich Schwarzgelb nach dem Höhenflug in der Königsklasse mit so banalen Aufgaben wie dem Samstagsspiel in der Bundesliga schlägt, durchaus interessant. Wobei, banal? Es geht gegen Hertha BSC. Also den Klub, der bis vor zwei Unentschieden gegen nicht wirklich übermächtige Gegner aus Mainz und Freiburg die gehypte Mannschaft der frühen Saison war. Dahin wollen sie in der Hauptstadt zurück, sagt Manager Michael Preetz. Was käme da besser als ein Sieg gegen den ungeschlagenen Tabellenführer? "Dortmund ist in einer herausragenden Verfassung, hat Selbstvertrauen ohne Ende. Sie schießen im Moment im Schnitt vier Tore pro Spiel. Da ist es irgendwie an der Zeit, mal einen Punkt zu setzen", so Preetz. Brisant ist die Konstellation noch in anderer Hinsicht. Favre war einst Trainer bei der Hertha und der inzwischen dort angestellte Pal Dardai unter ihm noch zwei Jahre Stammspieler. Um die Qualitäten des akribischen Schweizers wissen sie in Berlin jedenfalls bestens Bescheid. "Es ist ein anderer Lucien Favre als damals. Damals war die Bundesliga neu für ihn, das war ein Anfang. Er hat sich sehr entwickelt", so Dardai. Nur ein Grund, warum der Hertha-Hype noch ein bisschen Pause hat. Tipp: 3:1.

Geht die Borussiaisierung der Liga weiter?

Das hängt wohl auch von Dieter Heckings Platzbegehung ab. Auf die Bemerkung seines Torjägers Thorgan Hazard, der Platz in Freiburg sei klein, verkündete der Trainer von Borussia Mönchengladbach: "Ich schreite ihn morgen mal ab." Service-Info für Hecking: Das Spielfeld im Schwarzwald-Stadion hat ein Gefälle und ist 4,5 Meter zu kurz, aufgrund einer Ausnahmegenehmigung aber spieltauglich. Bei seinem Spaziergang über den abschüssigen Rasen kann sich Hecking überlegen, wie er sein Kader-Luxusproblem löst. Beim Freitagabendspiel gegen den SC Freiburg (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) kann er bis auf die Angreifer Raffael und Villalba sämtliche Spieler einsetzen, um Tabellenplatz zwei hinter der anderen Borussia aus Dortmund erfolgreich zu verteidigen. Für Hecking ist klar, "dass sich jeder strecken muss, um zu spielen".

Das klingt platt. Leistungsträger wie Christoph Kramer, Patrick Herrmann und Fabian Johnson wissen allerdings, wie ernst ihr Trainer das meint: Beim furiosen 4:0-Erfolg gegen Mainz fristeten sie ihr Dasein auf der Bank. Sie sahen, wie ihr Kollege Jonas Hofmann die Borussia mit einem Dreierpack fast im Alleingang zum Sieg schoss. Der 26-Jährige ist in blendender Verfassung und ein überfälliger Kandidat für das Nationalteam. Apropos: Einer, der den Zwergenplatz in Freiburg bestens kennt, ist Joachim Löw. Das Gladbacher Gastspiel im Breisgau wäre doch eine perfekte Gelegenheit zur Hofmann-Schau - oder, Herr Bundestrainer? Die Borussia hat derweil nicht nur die Chance, die fünfte Partie in Folge ohne Niederlage zu bestreiten, sondern auch ihre schwarze Serie gegen Freiburg zu beenden. Der letzte und bisher einzige Bundesliga-Sieg der Gladbacher in Freiburg datiert vom 23. März 2002. Damals stand noch ein gewisser Max Eberl auf dem Platz. "Diese Serie interessiert mich nicht", sagte Trainer Hecking trotzig. Sein Gegenüber Christian Streich adelte Gladbach vorsorglich als "Spitzenmannschaft". Dann redete der Freiburger Coach etwas von "mutig spielen" und davon, "dass die Leute ihre Freude haben" sollen. Klingt, als habe sich Streich beinahe mit dem Zustand abgefunden, den die "Rheinische Post" jüngst treffend als "Borussiaisierung der Bundesliga" bezeichnete. Tipp: 1:3

Stürmt Werder weiter eiskalt gen Europa?

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Fühlt sich manchmal als Maskottchen des SV Werder Bremen: Sebastian langkamp (r.).

(Foto: imago/Nordphoto)

Von wegen bei Werder läuft alles wie in Butter: Bei den Norddeutschen ist seit Jahren ein wichtiger Posten vakant. Und das hat an der Weser mitunter dramatische Auswirkungen: "Ich habe mich schon immer gefragt, warum Werder kein Maskottchen hat", sagte Abwehrspieler Sebastian Langkamp dem Fan-Portal "Deichstube" - und gestand: "Zwischendurch habe ich mich selbst so gefühlt." Den Hilfeschrei haben die "Deichstube"-Redakteure vernommen und kurzerhand einen Wettbewerb kreiert, um das Defizit zu beheben. Animalische Vorschläge wie "Seeotter Otti Seehagel" oder "Robbe Werdinand" vermitteln den Eindruck, dass einige Fans noch nicht so recht mit sportlichen Höhenflug ihres Herzensklubs umgehen können.

Werder steht mit nur einer Niederlage auf Platz drei, das ist der beste Saisonstart seit 13 Jahren. Überhaupt: Unter Trainer Florian Kohfeldt ist das Team seit einem Jahr und 16 Spielen zu Hause ungeschlagen. Nach dem 2:0 auf Schalke sagte Angreifer Max Kruse: "Wir haben unsere Dinge eiskalt gemacht. Das zeichnet uns im Augenblick aus." Das kann Werders Gegner aus Leverkusen nicht von sich behaupten. Vor dem Spiel am Sonntag (ab 18 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) steckt die Werkself in der Krise. Nach mehreren mauen Auftritten in der Bundesliga belegt Leverkusen mit nur acht Punkten Platz 13, der Abstand auf den Relegationsplatz beträgt lediglich zwei schmale Zähler. Dazu kommt das zähe 2:3 beim FC Zürich in der Europa League. Für Trainer Heiko Herrlich wird's, sofern das überhaupt möglich ist, immer enger. Sportchef Rudi Völler rang sich noch nicht mal mehr zu einem Alibi-Bekenntnis durch. "Das Spiel am Sonntag gegen Bremen wird natürlich ein Endspiel", sagte auch Nationalspieler Kai Havertz nach der Niederlage im Letzigrund. Das trifft wohl vor allem auf seinen Trainer zu. Tipp: 3:1

Das Rennen in der Werder-Maskottchenabstimmung hat übrigens "Robbe Otto" mit 27,69 Prozent der Stimmen gemacht.

Was ist sonst noch los?

RB Leipzig - FC Schalke 04 (Sonntag, 15.30 Uhr): Für Freunde der einfachen Lösungen sind die Probleme bei Schalke 04 schnell auf eines heruntergebrochen. Sie treffen und treffen und treffen einfach nicht. Was, zuletzt in der Champions League gegen Galatasaray, haarsträubende Züge annimmt und angeblich dafür sorgt, dass die Verantwortlichen über einen Verkauf des 22,5 Millionen Euro teuren Torverweigerers Breel Embolo nachdenken. Aber das allein kann's ja nicht richten - und richtig, Trainer Domenico Tedesco plagen weitere Personalprobleme. Das liegt zum einen an den zahlreichen Verletzten. Aber auch daran, dass der für 16 Millionen Euro vom FC Bayern verpflichtete Sebastian Rudy den Weggang von Leon Goretzka nicht kompensieren kann. Auch die Ausbeute nach Standards ist ein riesiges Problem. Erzielten die Schalker vorige Saison noch 26 von 53 Toren nach ruhenden Bällen, ist es in dieser Saison bislang genau eins.

Blöd, dass es jetzt ausgerechnet gegen RB Leipzig geht. Da muss Trainer Ralf Rangnick nämlich in erster Linie entscheiden, welchen Stürmer er aufstellt, gegen Celtic Glasgow waren es gleich drei, zwei davon trafen. Der RB-Zug kommt ins Rollen, die Rasenballer sind seit sieben Spielen ungeschlagen und haben zuletzt am 4. Oktober ein Gegentor kassiert. Auch das sind für S04 keine guten Nachrichten. Tipp: 1:0.

Fortuna Düsseldorf - VfL Wolfsburg (Samstag 15.30 Uhr): Seit dem vergangenen Spieltag teilt sich die brasilianische Nation den leidvollen Ausdruck "7:1" mit den Landeshauptstädtern aus Düsseldorf. So hoch hatte die Elf von Friedhelm Funkel in Frankfurt verloren. Und war damit fast noch gut bedient. Nun zog der Trainer-Dino Konsequenzen und ordnete knallharte Videoanalysen und personelle Konsequenzen an. Auch der freie Tag wurde den Profis gestrichen, im Neudeutsch nennt man das wohl Bootcamp. Allerdings haben die letztplatzierten Düsseldorfer gegen individuell wesentlich besser besetzte Wolfsburger noch kein Pflichtspiel in der Bundesliga (oder der 2. Liga) gewonnen. "Für uns ist es zuhause Pflicht, etwas Zählbares mitzunehmen", forderte Verteidiger Niko Gießelmann dennoch. Das wird auch dringend nötig sein, um die von Klubchef Robert Schäfer erwünschten 15 bis 17 Punkte bis zur Winterpause zu holen. Gegen Wolfsburg sollte ein Sieg her - die fünf der aktuell sechs besten Teams der Liga kommen schließlich noch. Tipp: 0:0.

Hannover 96 - FC Augsburg (Samstag 15.30 Uhr): Der Punkt von Hannover im Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen am vergangenen Spieltag war clever erkämpft, doch er fühlte sich für die 96er wie eine Niederlage an. Gegen Augsburg will die Elf von Trainer André Breitenreiter in die Tabellenmitte schaffen - aktuell steht der Klub mit sechs Zählern auf Rang 15. "Es wird ein Geduldsspiel", sagte Breitenreiter - wohl wissend um die Widerstandsfähigkeit der Augsburger. Deren Trainer Manuel Baum konstatierte: "Hannover spielt ein bisschen wie wir, da treffen zwei Mannschaften mit ziemlich gleichen Vorzeichen aufeinander." Klingt nach einer zähen Partie. Tipp: 1:1.

TSG Hoffenheim - VfB Stuttgart (Samstag, 18.30 Uhr): Trainer Julian Nagelsmann ist der TSG Hoffenheim entwachsen. Das ändert jedoch nichts daran, dass er mit seiner Elf die Gäste aus Stuttgart in Empfang nehmen muss. Dabei setzt der Coach, der im kommenden Sommer zur Konkurrenz aus Leipzig wechselt, auf frische Kräfte. "Es gibt keine neuen Verletzungen, aber ich werde wie schon zuletzt aufgrund unserer vielen Spiele einige Veränderungen vornehmen." Was die Platzierung in der Tabelle angeht, ist die Frage nach der baden-württembergischen Vorherrschaft eindeutig. Die Sinsheimer liegen mit zehn Punkten Rückstand auf Platz acht, der VfB Stuttgart ist punktgleich mit den Düsseldorfern Vorletzter. Hat allerdings mit Markus Weinzierl einen neuen Coach der weiß, wieviel Arbeit auf ihn zukommt. Unabhängig vom Ausgang der Partie bei den Hoffenheimern rechnet er damit, dass seine Mannschaft lange braucht, um wieder in weniger kritische Tabellenregionen vorzustoßen. "Das ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf." Stimmt, der Tipp: 2:1.

1. FC Nürnberg - Eintracht Frankfurt (Sonntag, 13.30 Uhr): Fünf Pflichtspielsiege in Folge, zweitbester Angriff der Bundesliga (zusammen mit Borussia Mönchengladbach), Tabellenplatz eins in der Europa-League-Gruppe - wer soll die Frankfurter Eintracht bloß stoppen? Beim ungefährdeten EL-Erfolg gegen Apollon Limassol erlaubte sich SGE-Trainer Adi Hütter, Fünferpacker Luka Jovic auf der Bank zu lassen. "Ich will ihm die Zeit geben, solche unglaublichen Abende verkraften zu können", sagte Hütter. Nun, gegen die kriselnden Nürnberger dürfte Jovic wieder auf Torejagd gehen. Der "Glubb" hat die schlechteste Abwehr der Liga und wird wohl auch gegen die aufstrebende Eintracht seine Mühe haben. Tipp: 1:3.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Ich war im Kino mit meiner Frau."

Hertha-Trainer Dardai hatte während der BVB-Gala gegen Atlético Madrid in der Champions League wichtigeres im Sinn als Gegnerschau.

Quelle: n-tv.de

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