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Tenhagens Tipps Biden, Börse, Boom?

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Corona dürfte die Weltwirtschaft kurz- bis mittelfristig noch deutlich mehr beschäftigen als die Abwahl von Trump.

(Foto: imago stock&people)

Trump-Fans würden sagen, dass er bei der US-Wahl einen hervorragenden zweiten Platz belegt hat, Biden hingegen nur Vorletzter wurde. Abgesehen davon: Ändert der Machtwechsel im Weißen Haus etwas für Anleger? Finanztip-Chef Tenhagen gibt eine Einschätzung.

Trump-Fans würden sagen, dass er bei der US-Wahl einen hervorragenden zweiten Platz belegt hat, Biden hingegen nur Vorletzter wurde. Abgesehen davon, ändert der Machtwechsel im Weißen Haus etwas für Anleger? Finanztip-Chef Hermann-Josef Tenhagen gibt eine Einschätzung.

ntv.de: Ist die Biden-Wahl ein Grund für Anleger zum Jubel? Oder steigen die Kurse nur deshalb, weil es überhaupt eine Entscheidung gibt?

Hermann-Josef Tenhagen: Also erstmal ist es natürlich Erleichterung. Börsen schätzen ja nichts so wenig wie Unsicherheit. Das ist Teil 1. Zu Teil 2 gehört, dass meine Experten/innen bei Finanztip Aktien-Anlegern ja immer sagen, bitte habt einfach eine 15-Jahres-Perspektive und schaut nicht nur kurzfristig auf die Börse. Denn über diesen Zeitraum haben breit aufgestellte Portfolios immer gut ausgesehen. Im Schnitt waren mit einem globalen Aktienindexfonds 7 Prozent p.a. zu holen.

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Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur des unabhängigen Geldratgebers Finanztip.

Und dann kommt Teil 3. Nämlich die Weltwirtschaft und der Handel. Langfristig ist es für Anleger in Deutschland wichtig, dass beides wieder in die Gänge kommt. Und da kann man mit einem Präsidenten Biden wieder etwas optimistischer sein. Die Wahl stellt für Anleger in jedem Fall eine Beruhigung dar. Es zeigt sich doch schon jetzt, dass Biden versucht aktiv zu gestalten, indem er eine Task-Force zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zusammenstellt, während sein baldiger Vorgänger den Golfschläger schwingt.

Apropos Corona, wie schätzen Sie hier das Rückschlagpotenzial für Wirtschaft und Börse ein?

Corona dürfte die Weltwirtschaft kurz- bis mittelfristig noch deutlich mehr beschäftigen als die Abwahl von Trump. Was nicht zuletzt von einem wirksamen Impfstoff abhängig ist. Man kann ja gerade schön beobachten, welche Auswirkungen die Ankündigung des Pharmaunternehmens Biontech hat, einen zuverlässigen Impfstoff bis Ende des Jahres parat zu haben. Bei etwaigen Rückschlägen bei der Pandemie-Bekämpfung dürfte es aber auch wieder schnell in die andere Richtung gehen.

Nochmal zurück zu Biden. Sollten Anleger, ohne dabei groß zu spekulieren aber nicht vielleicht doch mehr auf nachhaltige Investments wie beispielsweise regenerative Energien setzen? Schließlich will der zukünftige Präsident diese im Kampf gegen den Klimawandel doch verstärkt vorantreiben?

Aus grundsätzlichen Erwägungen, ja. Nicht wegen Biden. Es ist doch klar, wir müssen uns dieses Problems annehmen. Um das zu verstehen, müssen wir nicht jung sein und auch nicht Mitglied von Extinction rebellion. Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass Firmen, die gleichzeitig nachhaltig und erfolgreich wirtschaften, auch besser gemanagt sein müssen. Da diese sich ja neben dem reinen Geschäft auch für ihren ökologischen Fußabdruck interessieren. Was sich langfristig auch an der Börse zeigen sollte.

Wie erklären Sie sich denn aber, dass der Ölpreis gerade so durch die Decke geht?

Der Preis ist ja noch sehr niedrig. Wenn die Weltwirtschaft ein wenig Fahrt aufnimmt, muss man "befürchten", dass der Ölverbrauch auch wieder deutlich anzieht. Zumindest kurzfristig. Abgesehen davon ist Öl mittlerweile auch ein hochspekulatives Gut.

Okay, also besser kein Öl ins Depot gießen. Wie sähe dann Ihr Weltportfolio für den langfristigen, unaufgeregten Anleger aus?

Nach wie vor ganz einfach. Als Sicherheitsbaustein würde ich je nach persönlicher Risikoneigung einen bestimmten Teil meines Geldes in Fest- und Tagesgeld packen, und den Rest würde ich in einen Fonds auf den MSCI World anlegen. Ich persönlich würde hier aus bereits genannten Gründen in eine nachhaltige ETF-Variante investieren.

Sogar ohne Nachhaltigkeitsgedanken zeigt sich, dass die Börsen heute weniger Öl-Titel, weniger Autotitel und andere Technologiekonzerne in den Top 10 der wertvollsten Firmen führen. Indexfonds vollziehen die jeweiligen Entwicklungen an der Börse auch nach. Wer sich einmal die Mühe macht und schaut, was vor zehn Jahren am stärksten im konventionellen MSCI vertreten war, wird feststellen, dass damals noch Werte wie zum Beispiel General Electric und auch BP tonangebend waren.

Derzeit ist der genannte Index ja sehr US-lastig. Sollte nicht besser auch in Schwellenländer investiert werden, um mehr Vielfalt im Depot zu haben?

Wer möchte, kann da vorausgehen. Allerdings werden sich die künftigen wirtschaftlichen Entwicklungen auch in den Indizes spiegeln. Das ist ja ein weiterer Vorteil von Indexfonds. Mir persönlich wäre die Nachhaltigkeit wichtiger. Aber das schöne ist, der Index kommt so oder so nach.

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Ihre Einstellung zu Gold hat sich nicht geändert?

Nein. Wer es zu Beruhigung braucht, kann einen kleinen Teil seines Vermögens auch in Edelmetalle investieren. Aber bitte nicht zu viel, und bitte auch nicht auf einen immer weiter steigenden Goldpreis spekulieren.

Dann verraten Sie uns doch noch abschließend, bei welchem Tages- beziehungsweise Festgeld Anleger am meisten Zinsen bekommen. Unter Berücksichtigung aller sicherheitsrelevanten Kriterien natürlich.

Für Neukunden ist das Tagesgeld derzeit bei der Renault Bank Direkt (0,5 Prozent pro Jahr für drei Monate) oder der Advanzia Bank (0,4 Prozent pro Jahr für drei Monate) in guten Händen. Dauerhaft gutes Tagesgeld gibt es beispielsweise mit derzeit 0,3 Prozent bei der Leaseplan Bank.

Letztere ist genau wie die Renault Bank aktuell auch beim Festgeld erste Wahl.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: ntv.de

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