Ratgeber

Tenhagens Tipps Gold ist jetzt ein Muss, oder?

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Gold ist keine Anlage, bei der man morgen sicher bekommt, was heute reingesteckt wurde.

(Foto: imago stock&people)

Zwar besitzen wir nichts als die Vergangenheit mit Gewissheit, so mancher versucht es dennoch mit Gold. Gerade jetzt ist der Stoff wieder besonders stark gefragt. Ob Anleger noch auf den Zug aufspringen, oder besser gleich bei einem noch edleren Edelmetall zuschlagen sollten, verrät Finanztip-Chefredakteur Tenhagen.

n-tv.de: Der Goldpreis kratzt an der 1600-Dollar-Marke. Letzter Aufruf zum Einsteigen?

Hermann-Josef Tenhagen: Nee, kein Aufruf zum Einsteigen. Die Frage ist doch, was mache ich mit Gold. Der Preis dafür ist recht volatil und im Vergleich zu Aktien hat Gold über lange Jahre im Vergleich weniger Rendite eingebracht. Dafür wird es aber natürlich nie ganz wertlos. Insofern kann man natürlich einen Teil seines Geldes auch in Gold anlegen. Mehr als 10 Prozent des Vermögens würde ich aber nicht investieren.

Immerhin ...

Ja, wobei man immer wissen muss, dass sich der Goldpreis in Euro bereits dem Allzeithoch nähert, was zuletzt im Herbst 2011 der Fall war. Davor war das Allzeithoch 1980. Sprich, man kann also auch längere Zeit ohne gute Rendite dasitzen.

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Quelle: Finanztip

 

Aber als Vermögensabsicherung geht das Edelmetall in Ordnung?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Ich würde Gold nicht als Vermögensabsicherung benutzen, sondern zur Diversifikation meiner Geldanlagen. Also neben der eigenen Immobilie, etwas Aktien, etwas Cash und einem vernünftigen Einkommen/Rente ist eine Anlage völlig in Ordnung.

Mittlerweile werden ja auch vermehrt Goldminenaktien empfohlen. Haben Sie denn zu solchen Werten auch eine Meinung?

Ja, eine Meinung habe ich da schon. Grundsätzlich sehen wir unsere Aufgabe bei Finanztip ja eher darin den Leuten zu sagen, was sie über 10 oder 15 Jahre ohne großen Aufwand mit ihrem Geld machen sollten. Viel Geld in Einzelaktien anzulegen, ist nur etwas für Menschen, die die Geldanlage zu ihrem Hobby gemacht haben. Also die auch die nötige Zeit und Lust haben, sich mit entsprechenden Werten auseinanderzusetzen. Klar ist: steigt der Goldpreis weiter, gewinnen die Unternehmen in der Regel überproportional an Wert.

Aber die Rentabilität von Goldminen ist aus der Ferne schwer zu beurteilen. Abgesehen davon sind die entsprechenden Aktien noch mal deutlich volatiler als der Rohstoff selber.

Verstanden. Abgesehen davon, wie sehen Sie denn Gold-Besitz aus moralisch-ethischer Sicht - das soll ja in letzter Zeit bei dem einen oder anderen bei der Geldanlage eine Rolle spielen?

Also aus moralisch-ethischer Sicht sollte altes Gold gekauft werden, welches schon als Münzen, Barren oder Schmuck auf dem Markt ist. Goldabbau ist nie eine besonders saubere Angelegenheit gewesen. Das ist ja so eine Art von Bergbau, die es eigentlich nicht braucht. Wer Mutter Erde in Ruhe lassen will, wird keine Goldminen wollen.

Wenn es denn Gold sein muss, dann physisch, als Xetra-Gold oder Zertifikat?

Wenn dann bitte physisch. Hier gibt es aber ein Problem. Barren und Münzen kauft man am besten in größeren Stückelungen. Denn hier ist der Abschlag, also die Differenz zwischen Kaufs- und Verkaufspreis, die der Händler behält, geringer. Zu groß sollten die Barren dann aber auch nicht sein, ansonsten kann es schwieriger sein, diese wieder abzustoßen.

Welche Größe empfehlen Sie denn?

Ich würde im Bereich von einer Unze bleiben. Da sind Kaufs- und Verkaufskosten nicht so arg auseinander - da geht es so um drei bis vier Prozent. Und man wird das Zeug auch wieder los. Beachtet werden muss bei den Kosten aber auch die Lagerung. Hat man bereits ein Schließfach, kommen in aller Regel keine weiteren Kosten hinzu. Es sei denn die Versicherungssumme muss angepasst werden. Hier muss unbedingt abgeklärt werden, welche Summen bei Diebstahl versichert sind.

Wer extra eine Bleibe bei der Bank mietet, muss nochmal extra zahlen. Wer Gold zu Hause lagert, sollte es in einen Safe legen und unbedingt bei der Hausratversicherung anfragen, ob ein möglicher Diebstahl auch abgedeckt ist

Macht es steuerlich einen Unterschied, ob etwaige Gewinne mit Papier oder Barren und Münzen eingefahren werden?

Nein, Gewinne sind bei beiden Formen steuerfrei, wenn denn das Gold länger als zwölf Monate gehalten wird. Das ist übrigens etwas, was Leuten, die in den letzten 10 Jahren Gold gekauft und wieder verkauft haben, einen Vorteil gegenüber Aktienbesitzern gebracht hat. Realisierten letztere ihre Gewinne, war hier Abgeltungssteuer fällig. Zudem ist der Kauf von physischem Gold als auch Xetra-Gold von der Mehrwertsteuer befreit.

Und wo soll ich Gold kaufen?

Da würde ich bei den Vergleichsportalen "Gold.de" und "Goldpreisvergleich.de" schauen. Und wenn ich nicht so onlineaffin bin, dann gehe ich zu "Pro Aurum" oder "Degussa".

Okay, jetzt die Zusatzfrage: Es gibt ja Experten, die halten Palladium für ein noch edleres und wertvolleres Edelmetall ...

Das ist nun ein total volatiler Markt. Palladium wird ja vor allem in der Autoindustrie gebraucht. Hier vor allem für die Katalysatoren von Benzinern. Wenn das mit dem Elektroauto schneller geht, ist hier eine Investition also keine so gute Idee. Wenn nicht, dann vielleicht schon. Das ist aber eine Zockerei. Das sieht man bei Platin, welches vor allem in Diesel-Fahrzeugen eingesetzt wird, welche ja doch ein wenig ins Hintertreffen geraten sind.

Darüber hinaus sollte unbedingt beachtet werden, dass der Markt für Palladium sehr eng ist, da es kaum physisches Angebot gibt . Und dann hat man auch noch die beiden wunderbaren Hauptursprungsländer Russland und Südafrika. Was auch nicht dazu angetan ist, dass man sagen kann, hier handelt es sich um ein stabiles politisches Umfeld. 

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: ntv.de