KatastrophenschutzWie sich Deutschland vorbereitet

Obwohl Japan weit entfernt ist, haben viele Menschen Angst vor dem unsichtbaren Gift der radioaktiven Strahlung. Was tun Behörden, um auf einen Ernstfall vorbereitet zu sein? "Wir halten für alle Arten von Katastrophen Pläne bereit", sagt etwa das niedersächsische Innenministerium.
In Deutschland gibt es seit der Atomkatastrophe von Tschernobyl ein internationales Umweltinformationssystem zur Überwachung der atmosphärischen Radioaktivität, das kurz IMIS genannt wird. Das Bundesamt für Strahlenschutz unterhält außerdem ein Netz mit mehr als 1800 Messsonden (ODL-Messnetz), die bundesweit verteilt sind. (Die Messdaten des ODL-Netzes können jederzeit im Internet abgerufen werden.) Zudem werden in regelmäßigen Abständen Lebensmittel und Wasser auf radioaktive Strahlung in Labors untersucht. Rund um die Atomkraftwerke befinden sich eigenständige Messgeräte für Radioaktivität, die von den Bundesländern betrieben werden.
Alle gemessenen Daten werden täglich an das IMIS gesendet und dort ausgewertet. Diese Daten bilden die Grundlage für Entscheidungen im Falle einer radioaktiven Überbelastung. Zu den Schutzmaßnahmen könnten die Evakuierung für bestimmte Regionen, die Ausgabe von Jodtabletten, die Empfehlung, in geschlossenen Räumen zu bleiben oder der Verzicht auf frisches Obst und Gemüse gehören.
Evakuierungspläne und Checklisten
Die Empfehlungen des Bundesamtes werden dann auf Länderebene umgesetzt. Im Falle eines Atomunglücks gibt es in den Ländern diverse Katastrophenschutzpläne, die auch den Schutz vor radioaktiver Strahlung nach einem Atomunfall einbeziehen. "Diese wiederum liegen bei den unteren Katastrophenschutzbehörden der Landkreise vor", erklärt Dirk Hallmann vom Innenministerium Niedersachsen.
Die Pläne enthalten unter anderem Checklisten, die im Ernstfall von den zuständigen Stellen, Polizei, Feuerwehr oder Technisches Hilfswerk, abgearbeitet werden. Die Pläne unterscheiden sich in ihren Details bezogen auf die unterschiedlichen Szenarien. "Wir halten für alle Arten von Katastrophen, so auch für Hochwasser oder extreme Stürme, Pläne bereit", ergänzt Hallmann. Es gibt dazu namentlich vorbereitete Katastrophenstäbe, die im Ernstfall sofort aufgerufen werden und eine möglichst schnelle Einsatz- und Entscheidungsbereitschaft ermöglichen.
Diese Pläne werden regelmäßig geprüft und aktualisiert. Außerdem gibt es umfangreiche Katastrophenschutzübungen in regelmäßigen Abständen.
Realitätsnahe Großübungen
Ein konkretes Beispiel ist die länderübergreifende Krisenmanagementübung, auch LÜKEX genannt. Die Übungen werden vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz in Zusammenarbeit mit den Katastrophenschutzbehörden der Bundesländer organisiert. Die Durchführungen sind aufwendig, weil sie so realitätsnah wie möglich gestaltet werden. Die Übungsserien werden unter bestimmten Katastrophenthemen absolviert. Die letzte LÜKEX war Anfang Januar 2010 und hatte "bundesweite Terrorangriffe mit chemischen, biologischen und radioaktiven Substanzen" zum Thema. Ziel der Großübungen mit bis zu 3000 Beteiligten ist es, das länder- und bereichsübergreifende Krisenmanagement zu optimieren.
Jodtabletten liegen bereit
Neben Übungen, Checklisten und Plänen gibt es auch eine große Anzahl an Schutzmitteln in Städten und Landkreisen. Im Falle eines Unfalls mit radioaktiver Strahlung liegen beispielsweise 503.600 Jodtabletten im Kreishaus in Brake bereit. „Diese Stückzahl ergibt sich aus der Anzahl der Einwohner, die sich in der sogenannten Mittelzone, also 10 Kilometer um das Kernkraftwerk Unterweser herum, befinden“, erklärt Karl-Heinz Röben, Leiter der Abteilung für Zivil- und Katastrophenschutz im Landkreis Wesermarsch in Niedersachsen. Mit dieser Menge Jod könnten insgesamt
43.691 Einwohner wirksam mit Jod versorgt werden. Bei einem Mehrbedarf aus unvorhersehbaren Gründen, könne man auch noch Jodtabletten von der Polizeidirektion in Oldenburg bekommen, so Röben weiter. Die Anzahl der Tabletten wird regelmäßig an die Einwohnerzahl angepasst. Nach dem Verfallsdatum werden frische Medikamente eingelagert.
Für den Ernstfall liegen außerdem Schutzanzüge und Atemmasken bereit, allerdings nicht für die Bevölkerung, sondern nur für die Einsatzkräfte. Diese befinden sich normalerweise in den jeweiligen Stationen, also bei Feuerwehren oder Polizei. Sie werden vor Ort regelmäßig auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft. Die Kosten für die bereitstehenden Mittel werden von Bund und Land gemeinsam getragen.