Die Todesstrafe ist die gesetzlich vorgesehene Tötung eines Menschen als Strafe für ein Verbrechen, dessen er für schuldig befunden wurde.Bild 1 von 75 Ihr geht in der Regel ein Gerichtsverfahren voraus, das mit einem Todesurteil endet. Dieses wird dann durch die Hinrichtung vollstreckt.Bild 2 von 75 In den meisten Staaten, die die Todesstrafe im Gesetz verankert haben und anwenden, ist sie für Verbrechen wie Mord, Landes- und Hochverrat oder Spionage vorgesehen, besonders im Kriegsrecht.Bild 3 von 75 Einige Staaten bestrafen außerdem Entführung, Vergewaltigung, Raub mit Todesfolge und Drogenhandel bzw. Drogenbesitz ab einer bestimmten Menge mit dem Tod: z.B. Indonesien, Malaysia, Singapur, Thailand.Bild 4 von 75 In manchen Staaten werden sexuelle Verhaltensweisen mit dem Tod bestraft, die in westlichen Staaten nicht als strafbar gelten.Bild 5 von 75 In Saudi-Arabien, Iran und Afghanistan werden bis heute Frauen wegen Ehebruchs hingerichtet.Bild 6 von 75 Praktizierte männliche Homosexualität gilt in 22 islamisch geprägten Staaten als schwere Straftat. Iran, Saudi-Arabien, Jemen, Sudan, Mauretanien und Tschetschenien verhängen dafür bei mehrfacher Bezeugung im Extremfall die Todesstrafe.Bild 7 von 75 Im Iran sollen seit 1979 allein etwa 4.000 männliche Homosexuelle hingerichtet worden sein.Bild 8 von 75 Auch die Abkehr vom Islam wird nach der Scharia mit dem Tod bestraft.Bild 9 von 75 So gelten die 300.000 im Iran lebenden Bahai dort als vogelfrei; hunderte Bahai, darunter viele junge Frauen, wurden allein wegen ihrer Religion gehängt. Die Bahai stützen sich in ihrem Glauben auf ihren Religionsstifter Baha'u'llah.Bild 10 von 75 Die Todesstrafe für zur Tatzeit noch nicht Achtzehnjährige ist nach internationalem Recht verboten.Bild 11 von 75 Historisch ist mit der Todesstrafe immer ein Aspekt der Vergeltung und Machtsicherung verbunden.Bild 12 von 75 Erst seit dem Zeitalter der Aufklärung in Europa stellten Humanisten das Recht der Machthaber zum Hinrichten zunehmend in Frage.Bild 13 von 75 Heute ist die Todesstrafe im Strafrecht international äußerst umstritten.Bild 14 von 75 Sie wirft vielfältige ethische, rechtliche und praktische Fragen auf, vor allem die nach ihrer Vereinbarkeit mit den Menschenrechten.Bild 15 von 75 Eine Vielzahl von nichtstaatlichen Organisationen und die UN-Menschenrechtskommission setzen sich für ihre weltweite Ächtung, Nichtanwendung und gänzliche Abschaffung ein.Bild 16 von 75 Seit dem 18. Jahrhundert verzichteten einige Staaten auf die Todesstrafe; nach den Erfahrungen der Weltkriege, nochmals verstärkt seit 1970 und 1990, haben immer mehr Staaten die Todesstrafe abgeschafft.Bild 17 von 75 Nach Artikel 102 des Grundgesetzes ist die Todesstrafe in Deutschland abgeschafft.Bild 18 von 75 Laut amnesty international haben derzeit 125 Staaten die Todesstrafe rechtlich oder faktisch abgeschafft, davon 88 ganz.Bild 19 von 75 In 74 Staaten steht sie zwar noch im Gesetz, wird aber nur von wenigen davon tatsächlich jedes Jahr vollstreckt. Russland hat sein Moratorium gerade bis 2010 verlängert.Bild 20 von 75 Elf Staaten haben sie nur noch für Ausnahmefälle wie Kriegsverbrechen im Gesetz, 26 weitere wenden das noch vorhandene Gesetz seit mindestens zehn Jahren nicht mehr an.Bild 21 von 75 2005 wurden weltweit mindestens 2.148 (vgl. 2004: 3.797) Menschen in 22 Ländern hingerichtet, weitere 5.186 (2004: 7.395) wurden in 53 (zuvor 64) Ländern zum Tod verurteilt.Bild 22 von 75 Die Dunkelziffer ist jedoch um ein Vielfaches höher. Insgesamt warten um die 20.000 Menschen in Todeszellen auf ihre Hinrichtung.Bild 23 von 75 94 Prozent (zuvor 97) aller bekannt gewordenen Exekutionen (im Durchschnitt etwa 3.000 pro Jahr) entfielen wieder auf nur vier Staaten: die Volksrepublik China mit mindestens 1.770 (3.400) - Rechtsexperten rechnen hier jedoch mit bis zu 8.000 weiteren, von den Behörden verschwiegenen Hinrichtungen -, ...Bild 24 von 75 ... den Iran mit 94 (159), ...Bild 25 von 75 ... Saudi-Arabien mit 86 (im Vorjahr lag Vietnam mit 64 auf dem "dritten Platz") ...Bild 26 von 75 ... und die USA mit 60 (59) Hinrichtungen. Dort werden durchschnittlich zwischen 50 und 100 Hinrichtungen pro Jahr vollstreckt.Bild 27 von 75 Von vielen Hinrichtungsmethoden setzten sich einige im Lauf der Geschichte längerfristig durch, lösten einander ab oder wurden und werden parallel ausgeübt.Bild 28 von 75 Im Alten Orient war meist die Steinigung üblich, die ein Kollektiv - meist die Sippe oder der Stamm - durchführte. Später verlangte man von den Anklägern, die ersten Steine auf das Opfer zu werfen, um so ihre rechtmäßige Anklage zu unterstreichen und Meineide im Prozess zu erschweren.Bild 29 von 75 In Ländern wie dem Iran wird die Steinigung für Ehebruch teilweise bis heute durch den Staat oder Selbstjustiz der Angehörigen ausgeübt. In Nigeria wurde sie mit der Scharia wieder eingeführt.Bild 30 von 75 Im Römischen Reich war die Kreuzigung für entlaufene Sklaven, Verbrecher ohne römisches Bürgerrecht und Aufständische die übliche, bewusst grausame und erniedrigende Hinrichtungsart.Bild 31 von 75 Das europäische Mittelalter behielt das Kreuzigen wegen des christlichen Glaubens an den gekreuzigten Jesus Christus nicht bei, erfand dafür aber viele neue Methoden.Bild 32 von 75 Für besonders schwere Straftaten waren Erhängen, Erwürgen mit einem Strick oder Rädern üblich.Bild 33 von 75 "Ketzer" wurden in der Regel bei lebendigem Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannt.Bild 34 von 75 Anfangs war diese Strafe rechtlich streng begrenzt und daher selten, wurde aber in einigen Ländern und Zeiten exzessiv angewandt: so während der spanischen Inquisition und vor allem bei der Hexenverfolgung gegen Ende des 15. Jahrhunderts.Bild 35 von 75 Vielfach wurden die Verurteilten jedoch zuvor heimlich erdrosselt oder wenigstens bewusstlos gemacht.Bild 36 von 75 Die Enthauptung durch das Schwert war Adeligen oder anderen privilegierten Delinquenten vorbehalten.Bild 37 von 75 In einigen Ländern ist die Enthauptung bis heute üblich.Bild 38 von 75 Hinrichtungen vollzog damals ein einzelner dafür bestellter Beamter, der Henker oder Scharfrichter. Dieser war mitsamt seiner Familie geächtet.Bild 39 von 75 Man mied den Kontakt zu ihm und stellte ihn auf die niedrigste soziale Stufe, obwohl die häufige Vollstreckung der Todesstrafe als regelmäßiges Volksschauspiel öffentlich gefeiert wurde.Bild 40 von 75 Neuzeitliche Verfahren folgten dem technischen Fortschritt. In Frankreich wurde 1792 die Guillotine als maschinelle Form des Enthauptens eingeführt und verbreitete sich von dort aus in Europa.Bild 41 von 75 Hinzu kam seit Erfindung der Schusswaffen die Erschießung.Bild 42 von 75 Seit etwa 1890 setzte sich daneben der Strang durch.Bild 43 von 75 Im 20. Jahrhundert kamen die Gaskammer, ...Bild 44 von 75 ... der Elektrische Stuhl ...Bild 45 von 75 ... und neuerdings auch die letale Injektion (tödliche Giftspritze) hinzu.Bild 46 von 75 Seltsam schizophren wirkt das Vorgehen neuzeitlicher Staaten, in denen die Hinrichtung oft auf mehrere Personen verteilt wird, um individuelle Schuld zu verbergen - z.B. durch die maschinelle Auslösung eines Fallbeils, durch ein Peloton oder einen Zufallsgenerator wie in den Hinrichtungskammern der USA.Bild 47 von 75 Zwei oder drei Ausführende betätigen Schalter, von denen nur einer das tödliche Gift in die Venen des Verurteilten fließen lässt.Bild 48 von 75 So kann die Tötung nicht einem allein zugeordnet werden.Bild 49 von 75 Auch bei Erschießungen im Krieg haben manche Soldaten des Exekutionskommandos Platzpatronen in ihrem Gewehr.Bild 50 von 75 Die Befürworter der Todesstrafe meinen, dass diese Strafe Menschen nachhaltiger und wirksamer von der Begehung von Straftaten abzuschrecken vermag als langjährige Haftstrafen.Bild 51 von 75 Kriminalstatistiken belegen jedoch eher das Gegenteil: Dort, wo keine Todesstrafe existiert oder angewandt wurde, lag die Zahl der Morde fast immer niedriger als dort, wo im selben Zeitraum Hinrichtungen durchgeführt werden.Bild 52 von 75 Die wenigsten Gewaltverbrecher planen ihre Taten zudem vorher so rational, dass sie die möglichen Folgen für sich einkalkulieren. Morde geschehen vielmehr häufig im Affekt und durch Verkettung Gewalt fördernder Umstände.Bild 53 von 75 Todesstrafenbefürworter wollen Gleiches mit Gleichem vergelten und berufen sich dabei auf das Alte Testament. "Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn?"Bild 54 von 75 Doch in der Bibel steht bekanntlich auch: "Du sollst nicht töten", und sehr pragmatisch gedacht macht ein toter Mörder auch das Opfer nicht wieder lebendig.Bild 55 von 75 Wer jemanden getötet hat, kann nicht seinerseits auf ein Recht auf Leben pochen, meinen die Befürworter der finalen Strafe.Bild 56 von 75 Hier antworten die Todesstrafen-Gegner, dass der Staat als oberste moralische Instanz dem Straftäter überlegen sein sollte. Deshalb sollte er die Straftat nicht unter dem Deckmantel des Gesetzes nachvollziehen, also im Namen des Gesetzes töten.Bild 57 von 75 Viele halten die Todesstrafe auch für billiger als langjährige oder gar lebenslange Freiheitsstrafen.Bild 58 von 75 Auch hier spricht die Statistik eine andere Sprache: Die gegenwärtigen Kosten von der Urteilsverkündung bis zur Vollstreckung des Todesurteils übersteigen die Kosten für eine lebenslängliche Haft um ein Vielfaches.Bild 59 von 75 Kritiker der Todesstrafe bemängeln zudem, dass Staaten mit der endgültigsten aller Strafen unvermeidbar die Hinrichtung von Unschuldigen in Kauf nehmen. Weder Polizei noch Justiz arbeiten fehlerfrei, so dass es nachweislich immer wieder zu Justizirrtümern und Fehlurteilen kommt.Bild 60 von 75 Die Endgültigkeit der Todesstrafe macht jedoch deren nachträgliche Korrektur unmöglich. Seit 1973 mussten laut amnesty international in den USA 124 Menschen wegen erwiesener Unschuld oder erheblicher Zweifel an der Schuld aus den Todestrakten entlassen werden. Einige Gefangene standen nach jahrelanger Haft kurz vor der Hinrichtung.Bild 61 von 75 Hinzu kommt, dass viele Staaten unklare Gesetzeskriterien festlegen: Als todeswürdig gilt eine Gewalttat etwa dann, wenn sie aus "niederen Beweggründen" heraus begangen wurde. Deren Definition unterliegt jedoch ständig veränderlichen gesellschaftlichen Werturteilen.Bild 62 von 75 In Kapitalverfahren geben zudem oft subjektive Eindrücke von Strafverfolgern, Anklägern, Beisitzern, Richtern und Geschworenen den Ausschlag für ein Urteil. Solche Strafprozesse sind oft stark emotionalisiert: Diese Situation ist eine häufige Ursache für Fehlurteile.Bild 63 von 75 Ferner wird die Todesstrafe sehr oft als unmenschliche Grausamkeit empfunden. Tatsächlich hat bisher jede der verschiedenen Hinrichtungsmethoden Fehler, unvorhergesehene Nebenwirkungen und Qualen hervorgerufen.Bild 64 von 75 Zuletzt dauerte der Todeskampf eines Delinquenten nach Einsatz der tödlichen Giftinjektion, die sich in den USA heute als vorherrschende Methode durchsetzt, 34 Minuten.Bild 65 von 75 Angel Nieves Diaz war 1979 wegen eines Mordes zum Tode verurteilt worden. Bei Diaz wurden die Injektionsnadeln laut einem medizinischen Gutachten falsch angesetzt, so dass sie die Venen des verurteilten Mörders durchstießen.Bild 66 von 75 Die tödlichen Chemikalien gelangten deshalb nicht schnell in die Blutbahn, sondern ganz langsam ins Muskelgewebe. Dadurch erlitt der 55-Jährige nicht nur rund 30 Zentimeter lange Verbrennungen an beiden Armen, er war auch noch lange Zeit bei Bewusstsein.Bild 67 von 75 Die Organisation "deathpenaltyinfo" berichtet von fast 40 Hinrichtungspannen in den vergangenen 30 Jahren und vom anhaltenden Anti-Todesstrafen-Trend in den USA.Bild 68 von 75 Die Mehrheit der Amerikaner wünscht sich aktuellen Umfragen zufolge inzwischen lebenslange Haft ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Freilassung als Alternative. Dazu geht die Zahl der Todesurteile und die der Vollstreckungen kontinuierlich zurück.Bild 69 von 75 Denn auch die "humanste" Methode ändert für die Gegner nichts an der ethischen Verwerflichkeit der Todesstrafe. Für sie ist die Frage nicht wie, sondern ob der Staat töten sollte.Bild 70 von 75 Extrem schwierig ist auch der Schutz geistig Behinderter und psychisch Kranker vor der Todesstrafe. Inzwischen wird das rechtsstaatliche Prinzip, solche Personen weder zum Tode zu verurteilen noch tatsächlich hinzurichten, von den allermeisten Staaten beachtet.Bild 71 von 75 Im Durchschnitt warten Verurteilte in den USA zehn Jahre auf die Hinrichtung. Ihre letzten Worte unmittelbar vor der Hinrichtung sind ein Versuch, allem zum Trotz, in Würde zu sterben.Bild 72 von 75 Seit 2001 werden die letzten Worte der im texanischen Huntsville Hingerichteten auf einer Website veröffentlicht. Viele bitten um Verzeihung, wenden sich an Gott.Bild 73 von 75 Willie Shannon, verurteilt wegen Mordes auf einem Parkplatz in Houston während eines Autodiebstahls, sagte zum Beispiel: "Gelobt sei Gott. Ich will der Familie des Opfers sagen: Seht mein Lächeln, ich lächle nicht vor Glück. Ich habe Euch den Vater genommen, aber es war nicht meine Schuld, es war ein Unfall. ...Bild 74 von 75 ... Gott kennt die Wahrheit. Wenn mein Leben Euren Vater zurückbringen kann, dann soll es so sein. Seht mein Lächeln nicht als Respektlosigkeit. Wenn ich Euren Vater treffe, bitte ich ihn um Vergebung. Wenn mein Leben Euch glücklich macht, dann seid frei. Ich bin nicht zornig, noch ängstlich. ... Ich gehe nach Hause."Bild 75 von 75