Die leisen Töne sind nicht Oskar Lafontaines Sache. So verwundert es kaum, dass auch sein 65. Geburtstag wieder von ordentlichem Polit-Getöse begleitet wird.Bild 1 von 40 Sein früherer Parteifreund Helmut Schmidt hatte in einem Interview gesagt, Charisma allein mache noch keinen guten Politiker, und angefügt: "Auch Adolf Nazi war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch."Bild 2 von 40 Lafontaine, inzwischen Vorsitzender der Linkspartei und ihr Fraktionschef im Bundestag, reagiert empört und vergisst darüber, dass er Schmidt einst vorhielt, mit dessen Sekundärtugenden könne "man auch ein KZ betreiben".Bild 3 von 40 Der gebürtige Saarländer und studierte Physiker ist derzeit wohl eine der schillerndsten politischen Figuren in Deutschland. Eiskalter Machtmensch, Demagoge, gefährlicher Populist - seine Gegner finden viel Schlechtes über ihn zu sagen.Bild 4 von 40 Jahrelang stand er in der ersten Reihe der SPD. Bereits 1966 trat er in die Partei ein.Bild 5 von 40 1980 führte er die Saar-SPD erstmals zur stärksten Kraft im Landtag, fünf Jahre später wurde er Ministerpräsident. Aus jener Zeit stammt der Spitzname vom "Napoleon von der Saar". (Rechts im Bild beim Honecker-Besuch 1987)Bild 6 von 40 1987 schlug ihn Willy Brandt als seinen Nachfolger im Amt des SPD-Parteivorsitzenden vor, doch Lafontaine lehnte die Enkel-Rolle ab.Bild 7 von 40 Nach dem Zusammenbruch der DDR argumentierte er vehement gegen eine schnelle Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und warnte vor "nationaler Besoffenheit".Bild 8 von 40 Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 trat er als Kanzlerkandidat gegen Helmut Kohl an.Bild 9 von 40 Seine Kandidatur wurde von einem Attentat überschattet, bei dem eine geistesgestörte Frau ihn mit einem Messer in den Hals stach und lebensgefährlich verletzte.Bild 10 von 40 Bei der Wahl fuhr er nicht zuletzt wegen seiner Haltung zur deutschen Einheit mit 33,5 Prozent das schlechteste SPD-Ergebnis seit 1957 ein.Bild 11 von 40 Danach zog Lafontaine sich zunächst aus der Bundespolitik zurück, verzichtete auf den ihm angebotenen SPD-Vorsitz und blieb saarländischer Ministerpräsident.Bild 12 von 40 Mit Macht meldete er sich dann im November 1995 auf dem legendären Mannheimer Parteitag zurück.Bild 13 von 40 Nach einer Kampfabstimmung löste er Rudolf Scharping als SPD-Chef ab, …Bild 14 von 40 … überließ aber Gerhard Schröder 1998 die Kanzlerkandidatur und trat nach gewonnener Wahl auch in dessen rot-grünes Kabinett ein.Bild 15 von 40 Schon wenige Monate später folgte das Zerwürfnis mit dem Regierungschef - zu unterschiedlich waren die Auffassungen über die Wirtschaftspolitik.Bild 16 von 40 Am 11. März 1999 erklärte Lafontaine seinen Rücktritt vom Amt des Bundesfinanzministers.Bild 17 von 40 Zugleich legte er den Vorsitz der SPD und sein Bundestagsmandat nieder.Bild 18 von 40 In einer kurzen Presseerklärung drei Tage darauf begründete er diesen Rückzug aus allen Ämtern mit dem "schlechten Mannschaftsspiel" in der Regierung.Bild 19 von 40 Nach dem Rücktritt 1999 galt Lafontaine als abgeschrieben. Seinem Frust über die Schrödersche Agenda-Politik ließ er in drei Büchern freien Lauf, in verschiedenen Veröffentlichungen vertrat er zunehmend globalisierungs- und regierungskritische Positionen.Bild 20 von 40 2005 gab er nach 39 Jahren Mitgliedschaft sein SPD-Parteibuch ab und führte in einem Kraftakt die Wahlalternative WASG mit der PDS zusammen.Bild 21 von 40 Zusammen kamen WASG und PDS bei der Bundestagswahl im gleichen Jahr auf über acht Prozent. Die gemeinsame Fraktion wählte Lafontaine zu einem ihrer beiden Vorsitzenden.Bild 22 von 40 Gemeinsam mit Gregor Gysi bildet er ein Tandem an der Spitze der Bundestagsfraktion der Linken.Bild 23 von 40 Lafontaine bestreitet Rachegefühle gegenüber der SPD. Einstige Wegbegleiter nehmen ihm das jedoch nicht ab.Bild 24 von 40 Seine Kritiker werfen ihm vor, mit sozialen Ängsten zu spielen und mit antiamerikanischen und gelegentlich auch nationalistischen Ressentiments Stimmung zu machen.Bild 25 von 40 Die aktuellen Umfragewerte sind für Lafontaine eines der schönsten Geburtstagsgeschenke. Die Linke liegt in der Wählergunst derzeit bundesweit klar über zehn Prozent.Bild 26 von 40 Mitglieder der Linken haben jedoch mitunter ein gespaltenes Verhältnis zu ihrem Vorsitzenden.Bild 27 von 40 Einerseits lassen sie sich von Gysi überzeugen, dass die Partei ohne Lafontaine keinesfalls im Westen einen Fuß an Deck bekommen hätte.Bild 28 von 40 Andererseits haben sie Probleme mit Lafontaines Führungsstil. Bei allem Humor und erfolgreichem Einsatz für die Sache kann Lafontaine autoritär, selbstbezogen, zynisch und arrogant wirken.Bild 29 von 40 Kritik an seinem mondänen Lebensstil inklusive ansehnlicher Villa kontert er gern mit einem Zitat seines Parteifreundes Gysi: "Ein Linker muss nicht arm sein, ein Linker muss gegen Armut sein."Bild 30 von 40 Möglicherweise träumt Lafontaine von einer vereinigten Linken in Deutschland. Was seine inhaltlichen Positionen angeht, bleibt er gern im Vagen, konkrete Finanzierungsideen sind Mangelware.Bild 31 von 40 In Ostdeutschland ist die Linke dennoch schon in weiten Teilen stärker als die SPD und etabliert sich zunehmend im Westen. Erstmals gibt es eine bei Wahlen erfolgreiche Partei links von der SPD.Bild 32 von 40 Im Westen könnten die Linken laut einer Erhebung im Saarland die Sozialdemokraten überholen. Dort, in seinem Heimatland, tritt Lafontaine bei der Landtagswahl 2009 als Kandidat für das Ministerpräsidentenamt an.Bild 33 von 40 Noch ist Lafontaine politisch nicht am Ziel, wenngleich er vor wenigen Jahren kaum mit dieser schnellen Veränderung in Deutschland gerechnet haben wird.Bild 34 von 40 Der Machtmensch Lafontaine will rot-rote Koalitionen schmieden, möglichst auch im Saarland. Ziel aber ist der Angriff im Bund.Bild 35 von 40 Angeblich hat er vier Bedingungen, unter denen er bereit wäre, einen SPD-Kanzler zu wählen: höhere Hartz-IV-Sätze, Rücknahme der Rente mit 67, flächendeckender Mindestlohn und der Einstieg in den Abzug aus Afghanistan.Bild 36 von 40 Es ist schwer zu glauben, dass der Bundesvorsitzende der Linken und frühere Bundesfinanzminister lediglich wieder Landespolitik machen möchte.Bild 37 von 40 Aber er versichert, dass er im Falle seines Wahlsieges zurück nach Saarbrücken gehen würde - um dann von dort aus Bundespolitik zu machen.Bild 38 von 40 Und da er die von den Sozialdemokraten mitbeschlossene Rente mit 67 zwar als unsozial für die Gesellschaft, nicht aber für sich selbst geißelt, wird noch lange mit ihm zu rechnen sein. Lafontaine sagt: "Solange ich gesund bin, werde ich weiter mitmischen."Bild 39 von 40 Das passt zwar nicht mit Aussagen aus dem Jahr 2007 zusammen, als er betonte: "In meinem Alter giert man nicht mehr nach Ämtern." Doch es passt dann doch wieder zu Oskar Lafontaine.Bild 40 von 40