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Der Niedergang der SPD hat eine lange Vorgeschichte.
Besonders deutlich wird er aber seit der Bundestagswahl im September 2005.
Dort liegt die SPD mit 34,2 Prozent der Stimmen zwar noch fast gleichauf mit der Union, und Gerhard Schröder gebärdet sich in der Wahlnacht als eigentlicher Wahlsieger.
Doch all dies ändert nichts an der Tatsache: Die SPD hat verloren, sie wird zum Juniorpartner in einer Großen Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Mit dem Verlust der Regierungsmacht verliert die SPD immer mehr an Bedeutung.
10. Oktober 2005: Gerhard Schröder lehnt das Amt des Vizekanzlers in der Großen Koalition ab ...
... und wird wenig später Aufsichtsratschef beim Pipeline-Konsortium NEGP Company. Das Pikante: Das Konsortium betreibt die Ostsee-Pipeline von Russland nach Deutschland - ein Projekt, das Schröder als Kanzler vorangetrieben hatte.
1. Oktober 2005: Der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering verzichtet auf eine neue Kandidatur als Parteichef.
Zuvor hatte er seinen Kandidaten Kajo Wasserhövel nicht als Generalsekretär durchsetzen können.
Stattdessen sprach sich der Parteivorstand mehrheitlich für die Parteilinke Andrea Nahles aus.
15. November 2005: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck wird neuer SPD-Chef. Schon im April 2006 tritt er aber aus Gesundheitsgründen zurück.
Nachfolger wird der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck.
22. November 2005: Müntefering wird Vizekanzler und Arbeitsminister in der Großen Koalition.
14. Mai 2006: Beck wird offiziell zum neuen SPD-Chef gewählt. Er bemüht sich in der Folgezeit um eine stärkere Abgrenzung von der Union.
26. Oktober 2007: Nach wochenlangem Streit zwischen Beck und Müntefering stellt sich der SPD-Parteitag in Hamburg hinter Beck und beschließt eine längere Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld I für Ältere.
13. November 2007: Müntefering tritt überraschend als Vizekanzler und Arbeitsminister zurück, um seiner schwerkranken Frau Ankepetra beizustehen.
27. Januar 2008: Bei der Hessen-Wahl erzielen weder CDU und FDP noch SPD und Grüne eine Mehrheit.
Dies löst Spekulationen über Rot-Rot-Grün aus.
20. Februar 2008: Kurz vor der Wahl in Hamburg sickern Äußerungen Becks aus einem Hintergrundgespräch durch, wonach sich die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti mit den Stimmen der Linken zur Ministerpräsidentin wählen lassen will - was sie vor der Wahl ausgeschlossen hatte.
5. April 2008: Ypsilanti stellt sich wegen des abweichenden Votums der SPD-Landtagsabgeordneten Dagmar Metzger doch nicht zur Wahl als Ministerpräsidentin.
Die Bundes-SPD hatte zuvor ein Bündnis mit der Linken auf Bundesebene ausgeschlossen, zugleich aber den Landesverbänden freie Hand gegeben.
6. September 2008: Absprachen zwischen Beck und Frank-Walter Steinmeier, wonach der Außenminister Kanzlerkandidat werden soll, werden gerüchteweise verbreitet, ebenso die Darstellung, Beck sei zur Bekanntgabe dieser Entscheidung gedrängt worden.
7. September 2008: Vor einer SPD-Klausurtagung am brandenburgischen Schwielowsee tritt Beck unter Hinweis auf Indiskretionen und Diffamierungen zurück.
Das SPD-Präsidium nominiert Steinmeier zum Kanzlerkandidaten. Steinmeier holt Müntefering auf den Posten des Parteichefs zurück.
18. Oktober 2008: Müntefering wird auf einem Sonderparteitag wieder zum SPD-Chef gewählt.
25. November 2008: Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement tritt nach 28 Jahren aus der SPD aus.
Er hatte im Januar die energiepolitischen Pläne Ypsilantis kritisiert und indirekt von der Wahl der Hessen-SPD abgeraten.
18. Januar 2009: Der SPD Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel für Hessen erweist sich doch nicht als Supermann.
Die Hessen-SPD verliert bei den erneuten Landtagswahlen haushoch.
Die CDU mit Roland Koch regiert weiter.
Auch in den kommenden Monaten kommt die SPD auf keinen grünen Zweig.
7. Juni 2009: Bei der Europawahl erzielt die Partei mit nur noch 20,8 Prozent ihr bislang schlechtestes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl überhaupt.
27. September 2009: Bei der Bundestagswahl erreicht die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Steinmeier nur 23 Prozent und damit ihr schlechtestes Nachkriegsergebnis.
Steinmeier kündigt noch in der Wahlnacht an, künftig Fraktionsvorsitzender der Partei zu sein.
Eine neue Parteiführung mit Sigmar Gabriel an der Spitze soll die SPD in der Opposition neu aufstellen und aus dem Tief führen.
Müntefering dagegen zieht sich zurück.
Doch es bleibt fraglich, ob das Stühlerücken hilft.
Vor ihrem Parteitag an diesem Wochenende in Dresden steckt die SPD weiterhin im Stimmungstief.
Laut wöchentlichem Forsa-Wahltrend von "Stern" und RTL verlieren die Sozialdemokraten erneut einen Punkt und liegen jetzt bei 20 Prozent.
Nur jeder fünfte Deutsche erwartet, dass das designierte Führungs-Duo, Sigmar Gabriel und Andrea Nahles, den Niedergang der SPD stoppen kann.
Auch wenn Müntefering geht, die Krise bleibt.
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