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Bilderserie: Der Papst und der Popstar-Padre

 
Papst Benedikt XVI. ist zu Besuch in Brasilien, dem Land mit den meisten Katholiken weltweit.

Papst Benedikt XVI. ist zu Besuch in Brasilien, dem Land mit den meisten Katholiken weltweit.

Etwa zehntausend Menschen begrüßen das Kirchenoberhaupt bei seiner Ankunft in der 20-Millionen-Metropole São Paulo, der drittgrößten Stadt der Welt.

Allerdings leidet die Kirche seit Jahrzehnten an massiver Abwanderung der Gläubigen. Die Abwendung der Brasilianer vom Katholizismus und der rasante Zulauf für protestantische "Freikirchen" und Sekten sind auch Thema der päpstlichen Reise.

Nicht einmal zwei Drittel der Einwohner Brasiliens sind noch katholisch. Benedikt ruft die Katholiken in Lateinamerika zu "neuem Schwung und missionarischem Eifer" auf. Notwendig sei eine Erneuerung der christlichen Identität auf dem Kontinent.

Der "neue Schwung" ist aber schon lange da: Marcelo Rossi heißt der Pater, Mitgründer und gefeierte Vertreter der Bewegung "Charismatische Erneuerung". Seine Diözese liegt mitten in São Paulo.

Sein Bistum ist das einzige in ganz Brasilien, das nicht schrumpft, sondern kräftig wächst. Der 39-jährige Pater holt die Menschen zurück in die katholische Kirche.

Den Brasilianerinnen und Brasilianern fehlt schließlich nicht der Glaube - 98 Prozent der Brasilianer glauben an Gott. Viel eher fehlt der katholischen Kirche der richtige Zugang zu ihren Schäfchen.

Der Padre kann mit seinem "beispielhaften Engagement den Aderlass an Gläubigen stoppen", meint der Theologieprofessor und Direktor einer katholischen Radiostation in Rio, Edvino Steckel. "Ich sage nicht, dass Rossi ein Heiliger ist - aber er kann ein Heiliger werden!"

Marcelo Rossi ist auch ein Popstar. "In ganz Lateinamerika ist er bekannter als jedes Sportidol", schreibt die Katholische Internationale Presseagentur.

Busladungen von Gläubigen kommen aus allen Landesteilen, um die Gottesdienst-Events in seiner Diözese in Sao Paulo zu erleben, um mit ihm zu singen und zu beten. Zu diesen religiösen Events lädt der Padre regelmäßig andere populäre Musiker ein.

Rossis eigene CDs verkaufen sich in Millionenauflage und stürmen die Charts. 2002 erhält er den Latino-Grammy in der Kategorie "Gospel". Die Musik ist Rossis Erfolgsrezept und, wie er sagt, auch der Trick der Sekten: "Sie wussten vor allem die Musik zu nutzen, das ist ihr Erfolgsgeheimnis!"

Als Hauptdarsteller in einem religiösen Spielfilm lockt er Millionen Menschen in die Kinos, Katholiken wie Sektenanhänger. Die beträchtlichen Gewinne und Honorare fließen in kirchliche Sozialprojekte. Sein populärer TV-Sonntagsgottesdienst ist brasilienweit ein Hit und wird in zwölf Länder übertragen.

Und er bietet den Gläubigen noch mehr: Sportliche Betätigung bei der "Aerobic des Herrn", Openair-Gottesdienste oder "Megamissas" mit bis zu 600.000 Besuchern, einen "Jesus-Karneval" zur Fastenzeit mit Samba-Rhythmen und Lautsprecherwagen, doch ohne Alkohol- oder Drogenexzesse.

Von Starruhm möchte Rossi dennoch nichts wissen: „Ich mache das, was ich eben am besten kann. Aber ich bin kein Popstar, ich bin Priester, zu einhundert Prozent."

Als Priester scheut er auch vor brisanten Themen wie Prostitution, Pädophilie in der Kirche, Erbkrankheiten oder Ehebruch nicht zurück. Seine Fans hören zu. Seine Gegner ärgern sich und drohen ihm.

Im vergangenen Jahr musste er wegen Morddrohungen aus Kreisen des organisierten Verbrechens monatelang rund um die Uhr von der Polizei beschützt werden. Ein "Padremobil" hat man ihm aber noch nicht zur Verfügung gestellt.

Für Benedikts Treffen mit der brasilianischen Jugend im Fußballstadion von São Paulo gestaltet der brasilianische Star das Rahmenprogramm.

Rossi ist überzeugt, dass dem Papst seine Art zu feiern gefällt. (Alle Bilder: AP, dpa, Pe. Marcelo Rossi)

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