Zertifikate-Anbieter unter der LupeExperten testen die Banken
Für Anleger, die sich für Zertifkaten interessieren, hat sich auch nach der Finanzkrise nur wenig verändert. Das Angebot erscheint immer noch unübersichtlich, die Informationen zum Produkt bleiben dünn. Professionelle Marktbeobachter gehen mit den Anbietern jetzt hart ins Gericht - zumindest, was die Servicequalität betrifft.
Die Qualitätsunterschiede auf dem deutschen Zertifikatemarkt haben nach Einschätzung der Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting zugenommen. "Die Emittenten, die in den Bereichen Kundenservice, Internetauftritt und Transparenz schon vor einem Jahr gut waren, sind inzwischen noch deutlich besser geworden", sagte der auf Banken spezialisierte Berater Stefan Naumann.
Dazu zählen nach Ergebnissen der Unternehmensberater vor allen anderen Goldman Sachs, die Landesbank Berlin (LBB) und HSBC Trinkaus. "Die mittelmäßigen und schlechten Anbieter haben sich dagegen nur unwesentlich verbessert oder sogar verschlechtert." Darunter fielen SEB, Nomura und Barclays.
Die Qualität der wichtigsten Emittenten am deutschen Markt halten auch das Analysehaus Scope und der Deutsche Derivate Verband (DDV) im Blick. Während der Branchenverband dabei verstärkt auf die technische Abwicklung schaut, überwachen die Scope-Experten unter anderem die Investmentqualität der einzelnen Produkte, die Qualität des Anbieters und auch das Ausfallrisiko auf der Emittentenseite.
"Die Finanzkrise hat die Emittenten dazu veranlasst, die Qualität ihrer internen Risikokontroll-Systeme zu verbessern und die Transparenz zu erhöhen", hielt Scope-Analyst Sasa Perovic dazu gegenüber n-tv.de fest. "Transparenz und Informationsqualität sind aber, abgesehen von einigen wenigen Emittenten, nach wie vor die Schwachstelle der Branche", bestätigte er die Erkenntnisse der Unternehmensberater.
Auch der DDV rät Einsteigern, abgesehen von Handelsqualität auch weitere Aspekte zu prüfen: "Natürlich sollte der Anleger vor dem Kauf eines strukturierten Produkts unbedingt weitere Kriterien beachten, wie zum Beispiel den Preis des Wertpapiers, die Bonität des Emittenten oder die Eignung des Wertpapiers für seine persönliche Situation, Risikobereitschaft und Anlageerfahrung."
Emittenten am Telefon
Unternehmensberater Naumann testet die Qualität der Emittenten seit 2007 regelmäßig. Dazu nutzen er und sein Team fest definierte Anfragen per E-Mail und Telefon, welche die Anbieter schnell und zufriedenstellend beantworten sollen. Zudem prüfen sie die Internetseiten und Produktbroschüren der Anbieter auf deren Übersichtlichkeiten und Informationsgehalte.
Naumanns größter Kritikpunkt ist, dass Kundenanfragen von den Emittenten nicht zentral beantwortet würden. "Die E-Mails laufen an der einen Stelle ein, Anrufe an einer anderen. Da weiß die linke Hand oft nicht, was die rechte tut." Daher empfiehlt der Unternehmensberater zentrale Organisationseinheiten für Kundenanfragen.
Telefonanrufe würden häufig von Studenten in ausgelagerten Call-Centern beantwortet. Bei anderen Anbietern liefen die Anrufe direkt bei den Produktentwicklern ein. "Die einen wissen zu wenig über die Produkte und haben keine Ahnung, worum es geht. Die anderen wissen zu viel und verzetteln sich oder reden Fachchinesisch", sagte Naumann. In seiner jüngsten Untersuchung hätten nur acht von 32 Emittenten zufriedenstellend auf Telefonanfragen reagiert.
Nur zwölf von 32 reagieren "schnell"
"Auf Kundenanfragen per E-Mail sollte innerhalb von vier Tagen eine endgültige, zufriedenstellende Antwort folgen - Kontaktdaten für eventuelle Rückfragen inklusive", umriss Naumann die Grundanforderungen. In seiner Untersuchung hätten zwölf von 32 Emittenten diesen Anspruch erfüllt. Viele Anbieter würden statt konkreter Antworten lediglich auf ihre Internetseiten verweisen.
Auch in Bezug auf die Internetpräsenzen zahlreicher Anbieter rät Naumann zu Verbesserungen. "Zunächst sollten Kunden in den umfangreichen Produktlisten nach Risikoneigungen, Basiswerten, Laufzeiten und anderen Parametern für sie interessante Zertifikate herausfiltern können."
Hat der Kunde ein passendes Produkt gefunden, sollte er dafür keine vorgefertigten Produktinformationen vorfinden. "Stattdessen sollten sich die Kunden bei Bedarf automatisch aktualisierte Factsheets erstellen können", forderte der Unternehmensberater.