Importe

Strategien der AnbieterSchlacht um DSL-Kunden

16.03.2009, 11:20 Uhr

Der Markt der schnellen Internetanschlüsse ist zunehmend gesättigt. Jetzt müssen die Anbieter versuchen, Kunden zum Wechseln zu bewegen.

Der eigene Internet-Anschluss ist einem heilig. Ein Leben ohne schnelle DSL-Leitung ist für die meisten kaum vorstellbar. Zwischen diversen Anbietern muss man sich entscheiden, denn ein Monopol des Platzhirschen Deutsche Telekom gibt es schon lange nicht mehr.

Jeder, der einen Anschlusswechsel oder Neuanschluss bei einem anderen Anbieter hinter sich hat, weiß, mit welchen Hindernissen und Wartezeiten man konfrontiert wird. Da verwundert es kaum, dass bei Untersuchungen zur Kundenzufriedenheit bei DSL-Anbietern nie etwas Gutes herauskommt.

Die Deutsche Telekom hat in diesem Umfeld natürlich einen Vorteil: Sie ist Herrin der letzten Meile und somit der Schaltung der Anschlüsse vor Ort. Auch wenn von Seiten der Telekom immer wieder versichert wird, dass man die Anschlussschaltung der Fremdanbieter im eigenen Netz nicht behindere, ergibt sich subjektiv ein anderer Eindruck. T-Home-Anschlüsse werden im Schnitt laut einer Erhebung der Stiftung Warentest am schnellsten geschaltet. Dafür sind sie am teuersten.

T-Home mit hohen Abschlägen

Preislich tut sich bei den Anbietern in den letzten Monaten fast nichts mehr. Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr waren noch wahre Rabattschlachten zu beobachten. Teilweise über 200 Euro Preisreduktion gerechnet auf einen 24-Monats-Vertrag waren im Angebot. Einzig die Telekom hielt sich mit Abschlägen für die breite Masse zurück.

Inzwischen sieht die DSL-Welt ganz anders aus. Bis zu 220 Euro Rabatt sagt die Telekom zu, wenn man mit seinem DSL-Anschluss zu T-Home wechselt. Außerdem wurden die Grundpreise bei einigen Tarifen gesenkt. Kunden, die ihren Telekom-Anschluss kündigen, erhalten nicht selten Anrufe, dass man ihnen bei einem Rückzug der Kündigung durch Gewährung von einmaligen Rabatten gerechnet auf 24 Monate Laufzeit in etwa den gleichen Preis machen könne wie die Konkurrenz. Zudem behalte man seinen Festnetzanschluss und sei nicht auf Voice over IP (VoIP) angewiesen, was bei fast allen anderen Anbietern Standard ist.

Die Konkurrenz schläft natürlich auch nicht. Dort hat man offensichtlich erkannt, dass nicht nur der Preis als Wechselkriterium zählt, denn der Wechsel des DSL-Anschlusses geht meist leider nicht so reibungslos wie der Wechsel zu einem anderen Stromanbieter über die Bühne. So wirbt beispielsweise Vodafone mit einem Surf-Sofort-Paket. Damit kann man von heute auf morgen online sein. Da Vodafone nach wie vor bei den DSL-Anschlüssen auf die Telekom angewiesen ist, erreicht man dies durch die kostenlose Nutzung einer mobilen Flatrate in den ersten drei Monaten. In der Zwischenzeit sollte der reguläre DSL-Anschluss dann stehen.

Kabelanbieter punkten mit Geschwindigkeit

Derartige Anschlussprobleme kennt die Konkurrenz der Kabelnetzbetreiber nicht. Sie sind in der glücklichen Lage, über ein eigenes Anschlussnetz zu verfügen und sind damit ihr eigener Herr. Zudem bietet der Breitbandanschluss über das Kabelnetz einen Vorteil gegenüber DSL-Anschlüssen: mehr Geschwindigkeit. So bietet beispielsweise Kabel Deutschland zum Preis von monatlich 29,90 Euro eine Download-Geschwindigkeit von 32 Mbit/s an. Die DSL-Konkurrenz verlangt für die Hälfte der Geschwindigkeit meist den gleichen Preis und mehr – jeweils gepaart mit einer Doppelflatrate für Internet und Festnetztelefonie. Auch die Upload-Geschwindigkeit ist mit 2 Mbit/s bei Kabel Deutschland doppelt so hoch wie bei den schnellsten DSL-Anschlüssen.

Statt mit geringeren Preisen versuchen viele Breitbandanbieter mit zusätzlichen Leistungen aufzuwarten. Das können ein SIM-Karte für die Handy-Telefonie ins deutsche Festnetz sein oder die kostenlose Einspeisung des TV-Programms per IPTV oder auch der kostenlose Abruf von Filmen über eine Online-Videothek. Da sollte man aber in jedem Fall das Kleingedruckte lesen. Teilweise sind die Angebote befristet und können später zusätzliche Kosten verursachen.