Domspatzen beim PapstVier Benedikts im Petersdom
Die Regensburger Domspatzen haben eine CD für den Papst aufgenommen und sie ihm in der Sixtinischen Kapelle vorgesungen. Benedikt hat "ein geradezu geschwisterliches Verhältnis" zu den Domspatzen.
Wie gut, wenn man als Papst einen Bruder hat, der studierter Kirchenmusiker ist und selbst komponiert. So kann Benedikt XVI. künftig so oft er will das "Sanctus" einer Messe aus der Feder von Georg Ratzinger hören. Es findet sich auf einer eigens für den Papst produzierten CD der Regensburger Domspatzen, die dem 78-jährigen Pontifex am Samstagabend in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan erst live präsentiert und dann überreicht wurde. Das Album erscheint am 28. Oktober.
Die Freude war groß beim Papst, den mit Regensburg nicht nur Professorenjahre an der dortigen Universität und der Wohnsitz seines drei Jahre älteren Bruders verbindet. Noch heute nennt Joseph Ratzinger im Vorort Pentling ein schlichtes Haus sein eigen. Als Überbringer der CD fungierten drei Domspatzen, die alle auf den Namen Benedikt hören.
Die Aufregung stand dem zwölfjährigen Benedikt Heggemann ins Gesicht geschrieben, als er seinem so prominenten Namensvetter die Scheibe in die Hand drückte. "Der Papst hat mich gefragt, wo ich herkomme und in welche Klasse ich gehe", erzählte der Knirps anschließend stolz über den Small Talk von Benedikt zu Benedikt. Und Domspatzen-Chef Georg Büchner berichtete, der Papst habe sich im persönlichen Gespräch "tief beeindruckt" vom "wunderschönen" Gesang des Chores geäußert und gesagt, er werde die CD gerne weiter verschenken.
Georg Ratzinger weiß, wie Musik für Knabenchöre klingen muss. Er leitete selbst 30 Jahre lang die Regensburger Domspatzen. Mit ihnen sang er schon 1965 bei Papst Paul VI. während des II. Vatikanischen Konzils und danach mehrmals vor Johannes Paul II. Dass er mit seiner Musik einmal einen Papst erfreuen würde, der auch noch sein leibhaftiger Bruder ist, hätte er sich damals nicht träumen lassen.
So saß der 81-Jährige nun unter den prachtvollen Michelangelo-Gemälden der Sixtinischen Kapelle und freute sich still, wie die Domspatzen "dem Joseph", wie Georg Ratzinger seinen Bruder weiterhin anredet, eine stattliche CD widmeten. Beide Ratzingers und Büchner hatten die Werkauswahl - alte Meister, Marienlieder und viel romantische Chormusik - in enger Abstimmung getroffen.
Benedikt genoss das Konzert an jenem Ort, an dem er vor einem halben Jahr zum Papst gewählt wurde, sichtlich. Schließlich fühlt er sich den Domspatzen seit mehr als 40 Jahren verbunden. Oft hat er als römischer Kurienkardinal zu Besuch in Regensburg in ihrem Internat vorbeigeschaut oder im gotischen Dom - auch ein Petersdom - den Klängen des Chores gelauscht.
In einem Geleitwort zur CD schreibt der Papst denn auch, es verbinde ihn über seinen Bruder "ein geradezu geschwisterliches Verhältnis" zu den Domspatzen. Nach dem Konzert lobte er die "Spatzen" in den höchsten Tönen. Er attestierte dem Chor, sein Gesang komme aus der Inspiration des Glaubens und führe die Zuhörer wieder zum Glauben zurück.
Vielleicht gingen Benedikts Gedanken in diesen Momenten auch 40 Jahre zurück. Damals sangen die Domspatzen unter seinem Bruder Georg vor über 2.000 Konzilsteilnehmern im Petersdom. Der 38-jährige Theologieprofessor Joseph Ratzinger war als Konzilsberater unter den Zuhörern. Nicht im Traum wird er seinerzeit daran gedacht haben, dass er einmal selbst als Papst die Geschicke der katholischen Kirche würde leiten müssen.
(Paul Winterer, dpa)