Mehr als 2000 Jahre GeschichteVon Vindobona zum Kaiser-Wien
Wien gehört zu jenen Städten, die sommers wie winters attraktiv für ihre Bewohner und Besucher aus aller Welt sind.
Wien gehört zu jenen Städten, die sommers wie winters attraktiv für ihre Bewohner und Besucher aus aller Welt sind. In diesem Jahr steht das flächenmäßig kleine Land Österreich vor allem im Mittelpunkt musikalisch orientierter Touristen. Österreich steht unter dem Stern des 250. Geburtstags eines seiner größten Söhne. 2006 ist Mozartjahr, und zahlreiche Wochenend-Urlauber dürften gerade aus diesem Grunde die Hauptstadt Österreichs aufsuchen.
Wien ist jedoch vor allem in seiner ursprünglichen Version, d.h. ohne touristische Aufladung durch den Jahrestag des Salzburger Komponisten immer wieder eine mehrtägige Reise wert. Ganz ohne den Rummel um klassische Musik und Mozart kommt jedoch auch Wien nicht aus: So laufen die Wiener Philharmoniker zu neuen Höchstleistungen auf und verwöhnen das Publikum das ganze Jahr über mit Sinfonien, Konzerten und Opern Mozarts.
Ein Highlight im Frühling wird der Vienna City Marathon am 7. Mai sein, während dessen die Philharmoniker mit klassischer Musik einige Laufabschnitte begleiten werden. Eine schöne Idee, die Stadt auf diese Weise kennenzulernen.
Wien ist mit ungefähr 1,6 Mio. Einwohnern keine sehr große Stadt und im Zentrum leicht zu erlaufen: Ein guter Stadtführer hilft jedoch weit mehr, die Stadt der Sachertorte und Kaffeehäuser beim Flanieren und Sightseeing zu erfassen. Im Mai letzten Jahres hat der Sozialwissenschaftler Karl Unger in der nunmehr 5. aktualisierten Auflage einen Stadtführer für Wien herausgebracht.
Nach einem historischen Rückblick und einem Ausflug in Kunst, Kultur und Wiener Küche durchstreift der Autor in verschiedenen Spaziergängen das heutige Wien. Kurzreisende finden dabei Anregungen für den inneren Teil der Stadt mit der Ringstraße, dem Graben, der Hofburg und dem Stephansdom. Urlauber, die ein Stück mehr vom echten, ursprünglichen Wien erleben wollen, sollten seine Kapitel zu den Vorstädten Wiens, u. a. zum Naschmarkt und dem Palais Schönborn, aufmerksam lesen.
Eingeschlossen ist dabei eine Stippvisite im jüdischen Wien, beim Belvedere und im Stadtteil Simmering mit dem Zentralfriedhof, auf dem u. a. Johann Strauß, Beethoven, aber auch Hans Moser und Curd Jürgens ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Dabei vergisst der Autor auch nicht, weitere Ausflüge in die Umgebung Wiens nach Gugging, Klosterneuburg oder die Marchfeldschlösser kurz anzureißen.
Neben Begehungen der Straßen und Sehenswürdigkeiten Wiens unternimmt Unger auch eine unterhaltsame Reise in die Lebenswelt der höflichen, beinahe liebedienerischen Wiener, die ihr Gegenüber auch schon mal mit "Meine Verehrung" verabschieden. Wiens barocker Charakter, der im Zentrum starke Präsenz zeigt, hat erkennbar Eingang in die Seelen der Wiener gefunden. Unger schreibt vom zwiegespaltenen Wiener, der wohl folgend aus früheren Impressionen als Bürger einer Grenzstadt zwischen Europa und Asien kulturell zwischen den Gesellschaften beheimatet war und gegensätzliche Verhaltensweisen ausgeprägt hat.
Der Psychoanalytiker Sigmund Freud dürfte hier nicht unbegründet die Psychoanalyse entwickelt und zahlreiche Wiener auf seiner Couch empfangen haben. Mit Episoden zur Ringstraßengesellschaft oder Wiens Dichter von Schnitzler bis Musil und zum "Roten Wien", dem Aufbruch der Sozialdemokratie im Jahre 1919, führt Unger unterhaltsam in die beeindruckende Historie Wiens ein. Auch wenn Wien vor allem eine geschichtsträchtige Stadt Mitteleuropas ist, präsentiert sich die Metropole heute als weltoffene Kultur- und Bildungsstadt. Beinahe 150 Museen kämpfen um die Gunst des Besuchers, neben dem Kunsthistorischen Museum mit der Habsburger-Sammlung und der barocken Nationalbibliothek ist vor allem im Jahr des 150. Geburtstages von Professor Freud das Sigmund-Freud-Museum zu erwähnen. Freud hat in der Berggasse 19 einen Großteil seines wissenschaftlichen wie privaten Lebens verbracht, zahlreiche Exponate erinnern an seine Schaffenszeit.
Das sehr detaillierte, reich bebilderte Reisebuch schließt mit einem Adressteil zu Übernachtung, Ausgangslokalen inkl. einem kleinen Beisl-Lexikon, dem Wiener Nachtleben und den vielfältigen Kulturmöglichkeiten ab. Damit dürfte der Reiseband "Wien" ein guter Führer für jeden Reisenden sein, der an Kultur, Geschichte und den Wienern echtes Interesse hat.
Doren Pick