Zwischen Bangen und Hoffen: Die Geschichte von Opel
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Die Lage bei Opel bleibt unsicher. Die rund 25.000 Opelaner schwanken zwischen Hoffnung und Skepsis.Bild 1 von 66 Der Mutterkonzern General Motors (GM) hegt offiziell keine Pläne, deutsche Opel-Standorte dicht zu machen (im Bild: Opel in Eisenach).Bild 2 von 66 Eine langfristige Bestandsgarantie der Arbeitsplätze gibt es für die Opel-Mitarbeiter allerdings auch nicht.Bild 3 von 66 Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (rechts) lotet Änderungen des Insolvenzrechts aus. Dabei soll auch die "eingeschränkte Insolvenz" weiter im Gespräch sein.Bild 4 von 66 Ziel sei es, in betroffenen Unternehmen möglichst große Teile fortzuführen und Arbeitsplätze zu erhalten. Die neuen Regeln könnten auch beim Autobauer Opel eine Rolle spielen.Bild 5 von 66 Guttenberg und Justizministerin Brigitte Zypries wurden im Zusammenhang mit dem Banken-Enteignungsgesetz vom Kabinett mit einer schweren Aufgabe betraut.Bild 6 von 66 Sie sollen neue Möglichkeiten zur Rettung von Unternehmen finden, die im Zuge der Finanzkrise in schweres Fahrwasser geraten sind.Bild 7 von 66 Dabei geht es einem Zeitungsbericht zufolge um ein "Restrukturierungsmodell", das "eine nachhaltige Sicherung der Finanzmarktstabilität ermöglichen soll und sich unterhalb der Schwelle der Enteignung" bewegt.Bild 8 von 66 Die Optionen sollen auch für andere Branchen über den Bankensektor hinaus geprüft werden, heißt es. Der Modelleisenbahnbauer Märklin dürfte davon jedoch kaum profitieren.Bild 9 von 66 Die Opel-Krise sorgt mittlerweile für politischen Zündstoff. In der Großen Koalition setzt die SPD Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Forderungen nach raschem Handeln unter Druck.Bild 10 von 66 Auch in der Union gibt es Streit: Der hessische Ministerpräsident Roland Koch griff Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Innenminister Wolfgang Schäuble an, die eine Insolvenz des Autobauers ins Gespräch gebracht hatten.Bild 11 von 66 Vize-Regierungssprecher Thomas Steg betont nach den zum Teil widersprüchlichen Äußerungen: "Innerhalb der Bundesregierung besteht zwischen allen Beteiligten, die sich seit Wochen intensiv mit der Zukunft von Opel befassen, Einvernehmen darüber, dass zur Zeit noch keine Entscheidung über die Zukunft von Opel getroffen werden kann."Bild 12 von 66 Noch immer seien bei Opel, so Steg in seiner Erklärung, etliche Fragen nicht beantwortet. Sie sollen aber so rasch wie möglich geklärt werden.Bild 13 von 66 Nach dem Willen der GM-Spitze hatte Opel Europe über einen Sanierungsplan nachgedacht. Zugleich zeigt sich GM-Chef Wagoner offen für eine schrittweise Herauslösung Opels aus dem ums Überleben kämpfenden GM-Konzern.Bild 14 von 66 Opel betreibt in Deutschland vier Werke in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach. Für bundesweites Aufsehen hatten Spekulationen gesorgt, wonach das Opel-Werk in Bochum geschlossen und das in Eisenach verkauft werden könnten.Bild 15 von 66 General Motors hatte zuvor angekündigt, weltweit 47.000 Stellen abzubauen, davon 26.000 außerhalb der USA. Insgesamt braucht der Konzern wohl bis zu 30 Mrd. US-Dollar an Staatshilfen.Bild 16 von 66 Mit Opel steht der traditionsreichste Autobauer Deutschlands im Fokus. Die Firma lässt sich auf die fünf Söhne des Schlossermeisters Philipp Wilhelm Opel zurückführen. Adam Opel gründete 1862 nach Wanderschaft und Lehre seine eigene Nähmaschinenfabrik.Bild 17 von 66 Die Fertigung von Nähmaschinen war damals ein kleines Kunstwerk. Im Bild die Opel Nummer eins aus dem Jahr 1862.Bild 18 von 66 Die Ehe mit der Fabrikantentochter Sophie Marie Schell im Jahr 1868 versetzte Adam Opel in die Lage, in Rüsselsheim eine eigene Fabrikhalle zu errichten und Anteile an einer Gießerei zu kaufen. Damit standen dem Jungunternehmer neue Möglichkeiten offen.Bild 19 von 66 Und natürlich den fünf Söhnen namens Carl, Wilhelm, Heinrich, Fritz und Ludwig (von links nach rechts, Bild aus dem Jahr 1884). Die Zukunft der Opels lag aber nicht in der Produktion von Nähmaschinen. Ende des 19. Jahrhunderts war der Markt bereits übersättigt.Bild 20 von 66 Die Jungen waren - im Gegensatz zu ihrem Vater, der nie Autos produzieren wollte - ohnehin mehr an beweglichen Gegenständen interessiert. Die Fahrradproduktion war eines der Steckenpferde, aber auch die Produktion von Autos reizte.Bild 21 von 66 1898, drei Jahre nach dem Tod des Firmengründers, begannen die Söhne mit dem Bau von Autos. Der erste Patent Motorwagen mit dem System Lutzmann aus dem Jahr 1899.Bild 22 von 66 Bald folgte auch ein Nutzfahrzeug auf Basis des Patent Motorwagens, das allerdings noch einen sehr klobigen und unförmigen Eindruck machte. Der Volksmund nannte es auch "Koloss von Rüsselsheim".Bild 23 von 66 Vorangetrieben wurde die Entwicklung durch die technische Begeisterung der Brüder. 1901 konnte sich Opel nach dem Triumph von Heinrich von Opel erstmals in den Siegerlisten von Autorennen verewigen.Bild 24 von 66 Kurz darauf baute Opel mit dem Motorwagen die erste Eigenkonstruktion. Das Gefährt hat einen Zweizylindermotor, der bis zu 12 PS leistet.Bild 25 von 66 Auch Motorräder konstruierten die umtriebigen Opel-Brüder. Das Zweizylinder-Luxus-Motorrad mit 3 1/2 PS stammt aus dem Jahr 1905.Bild 26 von 66 Doch die Zukunft gehörte den Automobilen. In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts begann der Autobau zu boomen. Im Bild der Opelstand auf der Automesse in Berlin im Jahr 1906.Bild 27 von 66 Die Autoproduktion beanspruchte immer mehr Kapazitäten der Firma. Die Fertigung von großen Wagen im Jahr 1912.Bild 28 von 66 Daher wurde die Produktion von Nähmaschinen 1911 eingestellt. Die einmillionste Opel-Nähmaschine war die letzte.Bild 29 von 66 Interessanter war da schon die Produktion von Flugmotoren. Sie waren auch in Autos einsetzbar, die teure Forschung lohnte sich damit doppelt.Bild 30 von 66 Richtig erfolgreich war Opel im Bau von Automobilen. Technisch waren die Autos aus Rüsselsheim auf der Höhe der Zeit und auch optisch hatten sie einiges zu bieten. Wie dieser Opel 5 mit 14 PS von 1914, auch "Püppchen" genannt.Bild 31 von 66 Der Erste Weltkrieg brachte dem Unternehmen eine Zwangspause. Fritz von Opel gehörte nach den Wirren der Anfangsjahre der Weimarer Republik zu den ersten Rennpionieren. Er gewann das erste Autorennen auf der Berliner Avus in seiner Klasse.Bild 32 von 66 Es sollte nicht sein letzter Sieg dort sein. 1928 siegte er im RAK2 ebenfalls auf der Avus. Das Auto wurde von Raketen angetrieben, weshalb der Volksmund Fritz von Opel auch "Raketenfritz" nannte.Bild 33 von 66 Viele Ingenieure experimentierten in den 20er Jahren mit solchen Antrieben. 24 Feststoffraketen trieben den Wagen zu einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 238 km/h. Opel war 1928 mit einem Anteil von 44 Prozent der größte Kfz-Hersteller Deutschlands.Bild 34 von 66 Berühmtheiten wie Luis Trenker fuhren und warben für Opel. Der Bergsteiger-Star mit seinem Opel 1,2 Liter vor dem Hauptportal des Werkes.Bild 35 von 66 Die Weltwirtschaftskrise brachte dem Unternehmen ernste Schwierigkeiten. 1929 verkauften Wilhelm von Opel und sein Bruder Fritz 80 Prozent der Anteile an General Motors, 1931 gaben sie das Ruder komplett aus der Hand.Bild 36 von 66 Sie konnten nur durchsetzen, dass der Name Opel und eine eigene Modellpolitik erhalten bliebenm. Unter den Nazis wurde Opel mit seinen Exporten Devisenbeschaffer für das Regime. Noch 1938 bekam ein Vizepräsident von GM einen Orden durch Adolf Hitler verliehen.Bild 37 von 66 Berühmt wurde die Marke auch wegen des legendären Transporters namens Blitz. Dieser wurde zu einem Bestseller.Bild 38 von 66 Ihn gab es von 1930 ab in allen möglichen Variationen und Opel wurde damit der größte Lkw-Produzent in Deutschland. 1935 wurde in Brandenburg/Havel ein eigenes Werk für die Produktion des Transporters gebaut.Bild 39 von 66 Zu zweifelhaftem Ruhm kam der Transporter mit seinem robusten und genügsamen 75-PS-Motor im Zweiten Weltkrieg. Hier galt er als "Rückgrat der Wehrmacht".Bild 40 von 66 Auf Anweisung von Rüstungsminister Albert Speer musste ab 1944 sogar Daimler-Benz den Blitz in Lizenz bauen.Bild 41 von 66 Bei einem britischen Bombenangriff 1944 wurde das Werk in Rüsselsheim komplett zerstört. Auch die Produktion in Brandenburg fiel den Bomben zum Opfer.Bild 42 von 66 Nach dem Krieg profitierte Opel von der Zugehörigkeit zu General Motors und konnte bald wieder die Produktion aufnehmen. Pläne für die Vorkriegsmodelle lagen noch in den Schubladen. Der Kapitän war das erste Modell der Nachkriegsproduktion.Bild 43 von 66 Opel wurde Teil des deutschen Wirtschaftswunders. Die ersten Urlaube in den Bergen ... (Bild: Olympia Rekord von 1953)Bild 44 von 66 ... und der erste eigene Lieferwagen. Opel stieg erneut zu einem der erfolgreichsten Automobil-Produzenten auf. (Bild: Olympia Lieferwagen)Bild 45 von 66 Bereits 1956 feierte Opel das zweimillionste Auto seit Bestehen. Der Kapitän, der vom Band lief, war teilweise vergoldet.Bild 46 von 66 Zahlreiche erfolgreiche Modelle folgten. Einer der größten Gewinnbringer wurde der Kadett, der von 1962 an gebaut wurde. Er sollte zum Umsatzträger für den Konzern werden.Bild 47 von 66 Zum hundersten Jubiläum von Opel konnte das Werk in Bochum eingeweiht werden. Es gehörte später zu den umkämpftesten Standorten von Opel und profitierte vom Kadett-Boom.Bild 48 von 66 Auch der Opel Rekord, der von 1963 an als Rekord A gebaut wurde, brachte dem Konzern viel Umsatz und verkaufte sich fast 900.000 Mal.Bild 49 von 66 Der Diplomat war Opels letztes erfolgreiches Modell im Oberklassesegment. Opel wurde zunehmend zum ewigen Konkurrenten von Volkswagen, zum ewigen Verfolger. Wirklich überholen konnte Opel die Wolfsburger nie.Bild 50 von 66 Ein echtes Kultauto gelang Opel mit dem Manta, der ab 1970 gebaut wurde. Das zweitürige Coupé war die Antwort auf den Capri von Ford und war mit dem im selben Jahr vorgestellten Ascona technisch identisch.Bild 51 von 66 Der Manta wurde in seinen zwei Modellen A und B Kult. Er wurde Basis für zahlreiche Witze und schaffte es sogar zum Hauptdarsteller in mehreren Filmen. Das gelang sonst nur wenigen Automobilen.Bild 52 von 66 Ebenfalls eine Stilikone ist der GT. Erste Designstudien gab es bereits 1963, 1965 wurde dann ein Prototyp gezeigt. Der Erfolg des Autos war so groß, dass Opel nicht ausreichend Kapazitäten frei hatte und die Karosserie von einer Fremdfirma bauen lassen musste.Bild 53 von 66 Sinnbild für das Wettrennen mit VW ist der Kadett, der immer ein mehr oder weniger großes Stück hinter dem VW Golf herfuhr. Mit dem Kadett E begann für Opel allerdings eine schwierige Zeit. Das Auto war qualitativ vor allem innen nicht auf dem besten Stand.Bild 54 von 66 Die Motoren waren gut, aber die Verarbeitung ruinierte den Ruf des Unternehmens.Bild 55 von 66 Ein ähnliches Problem hatte dann auch die zweite Auflage des Vectra. Durch die Probleme bei den "Brot und Butter"-Modellen schlitterte der Konzern in die roten Zahlen.Bild 56 von 66 Doch bei Opel schaffte man, auch dank des europäischen Entwicklungszentrums in Rüsselsheim, langsam wieder den Umschwung. Der Calibra zum Beispiel konnte sich durchaus sehen lassen im Vergleich zum VW Corrado.Bild 57 von 66 Auch der Opel Astra, als Nachfolger des am Ende unglücklichen Kadett, war ein konkurrenzfähiges Auto. Doch das Image ließ sich erst nach und nach aufpolieren. Weitere Gründe für die Probleme waren der Radikal-Sanierer López, ...Bild 58 von 66 ... der wohl später auch für VW Unterlagen weitergereicht hat, sowie unglückliche Opel-Vorstände, die aus der GM-Zentrale in den USA kamen. Nach der Wende investierte der Opel-Konzern in Eisenach in ein hochmodernes Werk.Bild 59 von 66 Dort wird der Corsa gebaut, der für Opel ebenfalls zum Umsatzträger geworden ist.Bild 60 von 66 Mit frischen Modellen wollte Opel in den 90er Jahren die Verwerfungen durch verfehlte Modellpolitik und mangelnde Qualität wieder vergessen machen. Der Tigra ist ein kleines, sportliches Modell unterhalb des Astra, der zu einem Erfolg für Opel wurde.Bild 61 von 66 Im Transporterbereich konnte Opel nicht mehr die ganz großen Erfolge feiern. Der Movano wurde bis 2003 gebaut.Bild 62 von 66 Ein Erfolgsmodell wurde der Zafira. Ein innovatives Innenraumkonzept mit sieben Sitzen, die sich alle zu einer ebenen Fläche umlegen lassen, und die Van-Welle brachten Opel in diesem Segment phasensweise sogar vor Erzkonkurrent VW.Bild 63 von 66 In neuester Zeit glänzt Opel mit Klappdachkonstruktionen namens TwinTop, wie hier beim Tigra.Bild 64 von 66 Den Hoffnungsträger präsentierte Opel im Juli mit einem großen Event bei der London Motorshow. Der neue Insginia fiel vor der Kulisse der Towerbridge in London vom Himmel. Opel heimste bereits vor dem Verkaufsstart viel Lob ein.Bild 65 von 66 Der Insignia bekam kürzlich die Auszeichnung "Auto des Jahres". Bleibt zu hoffen, das der Traditionskonzern auch in Zukunft Autos in Deutschland bauen wird. (Text: Markus Mechnich; Bilder: Opel, dpa, AP)Bild 66 von 66