Das bin ich.Bild 1 von 51 Das ist der Audi R8.Bild 2 von 51 Und das ist der Eurospeedway Lausitz.Bild 3 von 51 Ich soll heute lernen, wie man den R8 sportlich über den Lausitzring lenkt. Audi hat zur "Driving Experience" geladen. Rennstreckentraining also.Bild 4 von 51 Kann das gutgehen?Bild 5 von 51 Es sind gewisse Zweifel angebracht. Ich pflege zwar einen sportlichen Fahrstil - normalerweise aber nur auf dem Fahrrad.Bild 6 von 51 Meine Autofahrerpraxis beschränkt sich auf sporadische Exkursionen mit dem Hausfrauenbenz.Bild 7 von 51 Der R8 ist da schon ein anderes Kaliber: Ein Achtzylinder mit Quattro Allradantrieb, 420 PS und 301 km/h Höchstgeschwindigkeit. Kurz: Ein Tier!Bild 8 von 51 Aus der richtigen Perspektive erinnert er tatsächlich ein bisschen an einen Raubfisch. Doch der Mann vom Audi-Team versichert: "Der Wagen ist gutmütig." Na dann.Bild 9 von 51 Bis wir die Gutmütigkeit des R8 auf die Probe stellen können, dauert es aber noch eine Weile. Erstmal werden die Rennfahrer-Lehrlinge getrennt - und zwar nach Geschlecht.Bild 10 von 51 "In Ingolstadt ist die Koedukation offenbar noch nicht eingeführt", denke ich mir. Obwohl, die Kombination "Testosteron + Sportwagen + Rennstrecke" verspricht ohnehin vor allem eins: Unerträgliches Gepose. Und darauf kann ich heute gut verzichten.Bild 11 von 51 Das Damenprogramm heißt denn auch erstmal nicht "Rasen im R8" sondern "Reaktionstraining im A4". Wie schön, Schonfrist!Bild 12 von 51 Entspannend klingt das, was nun von uns verlangt wird, aber auch nicht: Im zweiten Gang auf 90 km/h beschleunigen und dabei auf ein Hindernis zupreschen. In letzter Sekunde: Vollbremsen und ausweichen!Bild 13 von 51 Wohin, das zeigt ein Lämpchen überm Lenkrad an. Allerdings erst dann, wenn man die orangenen Pilonen am Ende der Strecke schon fast umgefahren hat. Die ersten Versuche fallen dann auch sehr zaghaft aus. Ich will doch nicht mit Karacho ins Verderben brettern!Bild 14 von 51 Als ich den Überlebensinstinkt ausschalte und mir klar mache, dass mein A4 im Zweifelsfall stärker ist als ein Verkehrs-Hütchen, beginnt die Sache langsam Spaß zu machen.Bild 15 von 51 Und siehe da, nach dem fünften Versuch hebt der kritische Audi-Instruktor endlich die Daumen: 0,36 Sekunden Reaktionszeit - die Benchmark ist geschlagen, ich bremse schneller als mein Schatten!Bild 16 von 51 Derart gut in Form kann mich die Rennstrecke auch nicht mehr schrecken: 14 mehr oder weniger enge Kurven auf gut 4,5 Kilometern. Für den Anfang ist das ganze in zwei Sektionen aufgeteilt, wir sollen uns schließlich langsam herantasten.Bild 17 von 51 Also auf zur Fahrzeugwahl! In weiß haben sie den R8 leider nicht da, das ist bei Audi der oberen Führungsebene vorbehalten. Dann also gepflegtes Understatement in anthrazit oder silber.Bild 18 von 51 Und letztlich zählen sowieso nur die inneren Werte: Dieses Gerät im Kofferraum ist der sagenumwobene Mittelmotor.Bild 19 von 51 Schlicht und edel: die Schaltung. Für einen dezenten Aufpreis von 7400 Euro ist das ganze übrigens auch mit R-Tronic Getriebe zu haben.Bild 20 von 51 Die teure Automatik-Schaltung ist denn auch meine Wahl. Reicht schließlich, wenn ich mich aufs Lenken konzentrieren muss.Bild 21 von 51 Doch ganz idiotensicher ist auch die Automatik nicht. Wer am Anfang nicht die Bremse heruntertritt, kommt nicht vom Fleck. Egal, wir sind hier schließlich nicht beim Proll-Ampel-Start in Neukölln.Bild 22 von 51 Und irgendwann setze auch ich mich in Bewegung. Schnell aufschließen, schließlich sollen wir so eng wie möglich zusammenbleiben und immer schön dem Instruktor folgen.Bild 23 von 51 Der schickt inzwischen munter Anweisungen in mein Funkgerät, vergeblich. Das Funkrauschen und der dröhnende V8 in meinem Rücken stören die Kommunikation doch erheblich.Bild 24 von 51 Egal, ich muss mich gerade sowieso voll darauf konzentrieren, nicht aus den Kurven zu fliegen.Bild 25 von 51 Wahrscheinlich will er, dass ich schneller fahre. Aber ich bin doch schon bei mindestens 150, oder?Bild 26 von 51 Nicht ganz, sagt der Tacho. Selbst auf der langen Geraden kratze ich gerade mal an der 110 km/h-Marke. Seltsam, dabei fühle ich mich gerade so sportlich.Bild 27 von 51 Kein Wunder, man gerät schließlich auch ziemlich ins Schwitzen. Autofahren kann richtig anstrengend sein, vor allem, wenn der Motor den Innenraum auf gefühlte 40 Grad erhitzt. Fenster auf? Nein, da fliegen mir die Haare ins Gesicht. Dann doch lieber Klimaanlage.Bild 28 von 51 Mit jeder Runde wird die Sache angenehmer. Zumal mir inzwischen eingefallen ist, welchen Zweck die sporadisch positionierten Pylonen entlang der Fahrbahn erfüllen: Sie markieren die optimale Linie.Bild 29 von 51 Also, schön die Hütchen ansteuern, vor den Kurven Tempo reduzieren und dann rauf aufs Gas. Und immer dran denken: Das ist ein R8, keine A-Klasse!Bild 30 von 51 Beim Beschleunigen merke ich, dass die Automatik auf der Rennstrecke nicht unbedingt erste Wahl ist. Also doch mal wie die Profis die Schalt-Paddel am Lenkrad bedienen?Bild 31 von 51 Oha, versehentlich den Blinker erwischt. Lieber Finger weg von der Schaltung - auch wenn ich dann nicht immer richtig aus den Puschen komme.Bild 32 von 51 Immerhin: Das Tempo zieht mit jeder Runde etwas an, bis die Fahrer vor mir schließlich den Warnblinker anstellen. Eine letzte Runde zum Runterkühlen, bis wir schließlich in die Boxengasse einrollen.Bild 33 von 51 Ich klettere aus dem Wagen und komme mir vor, als würde ich einem Achterbahnwaggon entsteigen. Nach den Adrenalinstößen der letzten halben Stunde läuft nun die Endorphinausschüttung auf Hochtouren.Bild 34 von 51 War das gut! Aber irgendwie riecht's hier komisch. Das ist der Bremsabrieb, sagt jemand, der sich wohl öfter auf Rennstrecken bewegt.Bild 35 von 51 Die Bremsen scheinen also zu funktionieren. Trotzdem - so richtig Vertrauen habe ich zu dem Fahrzeug nicht aufgebaut. "Kann der auch wirklich nicht umkippen?" erkundige ich mich bei einem der Audianer.Bild 36 von 51 Der guckt erst ein wenig irritiert und klopft dann jovial aufs Audi-Emblem am Heck: "Sehen Sie, was da draufsteht?" Jaja, schon gut... Wahrscheinlich stehe ich jetzt unter Blasphemie-Verdacht.Bild 37 von 51 Auf der nächsten Streckenhälfte bin ich nicht mehr auf mich allein gestellt: Jessica ist jung, blond und fährt auch privat gerne etwas zügiger, sagt sie. Glaube ich sofort, als sie zur Abwechslung das Steuer übernimmt. Man sieht: die Frau hat Übung!Bild 38 von 51 Trotzdem wird mir etwas blümerant. Im echten Leben bin ich mustergültiger Beifahrer - aber hier ist das was anderes. Als wir zum dritten Mal die 180 Grad-Rechtskurve passieren, bereue ich jeden Bissen vom Pausenbuffet.Bild 39 von 51 Hat die umsichtige Audi-Crew hier nicht irgendwo eine Kotztüte deponiert? Noch eine Runde, und ich kann für nichts mehr garantieren!Bild 40 von 51 Bevor es zum Äußersten kommt, drückt Jessica die Warnblinker-Taste. Cool-Down, endlich!Bild 41 von 51 Soviel steht fest: Wenn wir gleich die ganze Strecke in Angriff nehmen, dann nur auf dem Fahrersitz!Bild 42 von 51 Vorher nehmen wir aber noch unsere Rennfahrer-Helme in Empfang. Auf dem Kopf sehen die ziemlich albern aus. Der gemächliche Teil ist anscheinend vorbei - ab jetzt wird`s ungemütlich.Bild 43 von 51 Und in der Tat: Der Instruktor gibt ein zackiges Tempo vor, dranbleiben wird schwierig. Auf der langen Geraden hole ich auf ...Bild 44 von 51 ... und verpasse es, rechtzeitig vor der scharfen Linkskurve abzubremsen. Oh oh, diese Sache wird nicht gut ausgehen. Ich sehe mich schon unsanft auf dem Grün neben der Fahrbahn stranden. Wie peinlich! Und schade um das schöne Auto.Bild 45 von 51 Doch zum Glück schlummert unter der schmucken Karosserie meines teuren neuen Freundes auch einiges an High-Tech. Das ESP bringt mich wieder auf Kurs und erspart mir die Blamage.Bild 46 von 51 Zugegeben: bislang waren mir selbst elektrische Fensterheber im Auto suspekt. Doch manche technischen Errungenschaften haben wohl doch ihre Berechtigung.Bild 47 von 51 Das ESP wird auch später nochmal herausgefordert, als ich in der kniffligen S-Kurve am Schluss ein paar Pylonen umbolze. Ja, an der Ideallinie muss ich wohl noch etwas arbeiten - perfekt wird sie an diesem Tag allerdings nicht mehr.Bild 48 von 51 Dennoch: Meine Rennfahrerfähigkeiten sind ausbaufähig, bestätigt der Instruktor auf der letzten Runde durchs Funkgerät.Bild 49 von 51 Einen R8 zum weiterüben wollen mir die Audi-Herren dann aber doch nicht mitgeben. Schade eigentlich, dabei steht er mir so gut!Bild 50 von 51 So geht es per Bahn zurück nach Hause. Alles andere wäre wohl auch ziemlich frustrierend. (Text: I. Noé, Bilder: M. Mechnich)Bild 51 von 51