Sie ist grau, glatt und sehr lang. "Brüll-Beton", "Besenstrich quer" und "Flüster-Asphalt" sind Begriffe, die man schon mal gehört hat. Ach, und eine Anzeige gegen Körperverletzung brachte das hier gesuchte Ding Herrn Stolpe auch ein. Kommen Sie drauf?Bild 1 von 21 Richtig, wir meinen die Ostseeautobahn A20. Nach elfjähriger Bauzeit heißt es seit dem 7. Dezember 2005: "Freie Fahrt!"Bild 2 von 21 Sie verläuft parallel zur Küste: vom Anschluss zur A1 bei Lübeck über Wismar, Rostock, Grimmen, Greifswald und Neubrandenburg bis Prenzlau, wo sie auf die A11 stößt.Bild 3 von 21 Durch Mecklenburg-Vorpommern verlaufen 280 Kilometer der A 20, 27 Kilometer liegen in Brandenburg und 17 Kilometer in Schleswig-Holstein.Bild 4 von 21 Die Idee zur A 20 enstand schon kurz nach der Wende - als nämlich die Bundesstraßen 104 und 105 plötzlich die zentralen Ost-West-Verbindungen im hohen Norden waren. Nervige Non-Stop-Staus zeigten die Notwendigkeit einer neuen Strecke auf.Bild 5 von 21 Die Planer des Bundes erhoben die künftige A20 zu einem "Verkehrsprojekt Deutsche Einheit" und gaben ihr die Nummer zehn.Bild 6 von 21 Zwar kommen Touristen von Westen und Süden jetzt schneller an die Ferienorte der Ostsee und auf die Ostseeinseln Rügen, Usedom und auf den Darß. Doch die endgültige Fertigstellung der Strecke ist längst nicht für alle Menschen ein Anlass zum Feiern. Denn die Enstehungsgeschichte ist in den Augen der A 20-Gegner auch eine Geschichte voll fauler Kompromisse und gescheiterter Proteste.Bild 7 von 21 Während der gesamten Bauphase begleiteten und behinderten Gegner die Entstehung mit Aktionen und Argumenten.Bild 8 von 21 Vor allem Umweltschützer wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) protestierten gegen den Bau der einzelnen Abschnitte. Als etwa der Bundesrat 1994 für den Bau im Bereich Wismar grünes Licht gab, sprach der BUND von einem "fatalen Startschuss für insgesamt 8.000 Hektar Landschaftsverbrauch" und einer anstehenden "ökologischen Katastrophe".Bild 9 von 21 Einer der umstrittensten Abschnitte war der Bau der Wakenitzbrücke. Die Wakenitz gilt wegen ihres Artenreichtums als "Amazonas des Nordens". Doch auch hier hatten die Gegner das Nachsehen: Seit dem Sommer 2004 steht die Brücke.Bild 10 von 21 Durch Proteste ganz anderer Art kennt der Norden seit dem Autobahnbau bei Schönberg zwei vollkommen neue Begriffe: "Brüll-Beton" und "Besenstrich quer". So nämlich nannten die Anwohner des 14 Kilometer langen Abschnitts den dort verwendeten Straßenbelag.Bild 11 von 21 Die Querrillen des Belags verursachten in den Ohren der Menschen einen unerträglichen Lärm. Eine Bürgerinitiative erstattete gegen Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe Anzeige. Der Vorwurf: "Körperverletzung durch Lärm".Bild 12 von 21 Tatsächlich wurde der Fahrbahnbelag ausgetauscht. Der neue Untergrund brachte die dritte neue Vokabel in den Wortschatz des Nordens: "Flüster-Asphalt".Bild 13 von 21 Im Peenetal bei Jarmen versuchten Umweltschützer mit einem Hüttendorf den Bau der Querung über das sensible Schutzgebiet zu verhindern.Bild 14 von 21 Der Bau, der der längste Autobahnneubau in Deutschland seit 1945 ist, dauerte elf Jahre, verschlang 1,9 Milliarden Euro.Bild 15 von 21 Noch einmal in Worten: Einskommaneunmilliarden Euro! Er erforderte insgesamt 320 Brückenbauwerte - von der Talbrücke bis zum ...Bild 16 von 21 ...Krötentunnel.Bild 17 von 21 Vor allem die 14 Autobahnbrücken mit einer Gesamtlänge von mehr als 8,5 Kilometern gelten als ingenieurtechnische Meisterleistung.Bild 18 von 21 Diese hier ist 930 Meter lang und verläuft quer durch das Trinkwasserschutzgebiet "Warnowtal" südlich von Rostock. Sie steht auf 204 Pfeilern mit bis zu 12 Meter tiefen Fundamenten. Kostenpunkt: 47,5 Millionen Mark.Bild 19 von 21 Aber nochmal: Einskommaneunmilliarden Euro! Für eine Autobahn? Angesichts des milliardenschweren Finanzloches im Bundeshaushalt kann man diesen nackten Protest verstehen.Bild 20 von 21 Übrigens: Eine Fortsetzung der Strecke Richtung Westen durch Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist bereits fest geplant.Bild 21 von 21