Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
SA 9° / 23°
SO 12° / 22°
Olympia

Gute Stimmung in Vancouver: "Jetzt geht die Party erst richtig los"

 
Gute Stimmung in Vancouver: "Jetzt geht die Party erst richtig los"

Achtung, Ansteckungsgefahr: Bei den Winterspielen grassiert das Olympia-Fieber.

Spätestens nach dem historischen Gold-Triumph der Gastgeber durch Alexandre Bilodeau ....

... auf der Buckelpiste ist das ganze Land infiziert.

"Jetzt geht die Partie für Kanada erst richtig los", prophezeite der Freestyler.

Volksfest in Vancouver, Begeisterung in der Bergen - und in den Eishallen kocht die Stimmung über.

"Es wurde gefeiert, die Leute haben alle Sportler beklatscht, auf der Schanze und in der Loipe. Kein Vergleich mit Turin 2006", …

… lobte Hermann Weinbuch, Bundestrainer der Kombinierer, den Enthusiasmus des Publikums.

Der Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili hat die Fans kurz innehalten lassen.

Mit dem Entzünden der Flamme bei der Eröffnungsfeier aber fingen nicht nur die Gastgeber Feuer, sondern rissen die Besucher aus aller Welt mit.

"With glowing hearts" ("Mit glühenden Herzen") - das Motto der Spiele lebt.

"Die Stimmung ist natürlich geil", meinte Shorttracker Sebastian Praus, sagte aber ...

… über die Fans im Pacific Coliseum auch: "Sie sind sehr kanadisch und amerikanisch orientiert."

Im Olympic Oval von Richmond gebenaber nicht nur die Zuschauer mit den rot-weißen Fahnen und den "Go Canada go"-Transparenten den Ton an.

Die Oranje-Fans brüllen alles in Grund und Boden.

Eingestimmt durch ihre kultige Blaskapelle "Kleintje Pils" feiern etwa 4000 Niederländer ...

... nicht nur die eigenen Eisschnellläufer.

Lustig verkleidet sind sie auch.

Gute Laune hat auch Felix Loch.

Und das nicht ohne Grund.

Er hat einfach die Lizenz zum Siegen: Abgebrüht und unbekümmert zauberte Felix Loch vier Bestzeiten in die verrufene Eisrinne im Whistler Sliding Centre und schrieb als jüngster Rodel-Olympiasieger Sportgeschichte.

Selbst der 23 Jahre ältere Georg Hackl war von seinem bayerischen Kronprinzen hin und weg. Die Kufen-Ikone trug wie ein persönlicher Adjutant den roten Schlitten des Youngsters persönlich an die Startrampe.

Nach Lochs Glanzfahrten prasselte das Lob nur so auf den 20-Jährigen nieder.

"Er ist der Michael Phelps des Rodelns", sagte Kanadas deutscher Trainer Wolfgang Staudinger nicht ganz ohne Übertreibung.

Und der geschlagene Italiener Armin Zöggeler meinte nur: "Riesen-Respekt!"

Händeschütteln, Schulterklopfen und Fragen über Fragen: Selbst beim nicht enden wollenden Gratulationsmarathon blieb Loch ganz cool.

Mit Bahnrekord absolvierte Loch seinen Finallauf.

"Und dann hat die Eins gestanden", beschrieb Loch den Moment der Momente.

Auch David Möller freute sich.

Vier Jahre nach seinem fünften Rang in Turin fuhr der Thüringer mit Silber endlich die ersehnte Medaille ein und vervollständigte den ersten Doppelerfolg der deutschen Rodel-Männer seit 1988.

"Natürlich habe ich mit Gold geliebäugelt. Aber wenn man bei Olympia auf dem Podium steht, sollte man nicht über die Farbe der Medaille diskutieren", sagte der 28-Jährige.

Rundum glücklich war auch Olympia-Neuling Andi Langenhan als Fünfter.

"Ich habe zwei, drei Fehler gemacht. Aber ich bin zufrieden, das war ein schöner Wettkampf."

Dass der tragische Tod des jungen Georgiers Nodar Kumaritaschwili die Männer doch mehr beschäftigt hatte, als sie zunächst in der Öffentlichkeit preisgeben wollten, zeigte sich nach dem Rennen.

"Zum Glück haben wir es nicht live gesehen", gestand Loch.

Und Hackl sagte: "Wir haben uns gefreut und waren guter Dinge und haben großartige Spiele erwartet. Und dann geht das hier mit so einem Unglück für den Rodelsport los. Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt!"

Auf guten Weg zu einer Medaille sind Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy.

Nach einem nahezu makellosen Kurzprogramm nehmen die Paarlauf-Weltmeister aus Chemnitz Rang zwei (75,96 Punkte) knapp hinter den Chinesen …

… Shen Xue und Zhao Hongbo (76,66) ein.

Dritte sind die russischen Europameister Yuko Kawaguti und Alexander Smirnow (74,16).

Vor 14.200 Zuschauern im ausverkauften Pacific Coliseum hielten die Schützlinge von Trainer Ingo Steuer dem Druck stand, als allerletztes Paar auf das Eis gehen zu müssen.

Von einer kleinen Insynchronität bei der Pirouette abgesehen, war beim Vortrag zur Musik "Send in the clowns" kaum ein Fehler auszumachen.

Der Vorsprung der Ex-Weltmeister aus dem Reich der Mitte von lediglich 0,7 Zählern ist somit in der Kür aufholbar.

So sah es auch Aljona Sawtschenko, die mit der Bewertung allerdings nicht einverstanden war: "Das ist schwer zu verstehen. Aber wir haben die Chance und die werden wir nutzen."

Dies meint auch Partner Robin Szolkowy: "Der Abstand ist gering, alles ist möglich."

Alles ist möglich – das erfuhr auch Stephanie Beckert.

Die Eisschellläuferin gewann über 3000 Meter die Silbermedaille.

Für Beckert begann nach ihrem grandiosen Olympia-Debüt ein Medien-Marathon, den die schüchterne 21-Jährige etwas angespannt, aber mit Bravour meisterte.

"Das alles ist der Wahnsinn", sagte die Erfurterin immer wieder, "so richtig glauben kann ich es noch nicht".

Nur Top-Favoritin Martina Sablikova war zu stark für Beckert gewesen.

Die Kanadierin Kristina Groves, die im direkten Duell vor der Schlussrunde eine Sekunde Vorsprung hatte, verdrängte sie mit ihrem Turbo-Finish noch auf den Bronzerang.

"Ich habe gezittert, aber es hat noch gereicht", sagte Beckert mit Stolz in der Stimme.

Aber nicht alle hatten gute Laune in Vancouver. Michael Greis zum Beispiel.

Die deutschen Biathleten haben bei ihrem schwächsten Olympia-Auftakt überhaupt im dichten Schneeregen von Whistler buchstäblich den Durchblick verloren.

Im 10-km-Sprint, in dem bei teilweise katastrophalen äußeren Bedingungen nur die ersten zehn Starter eine reelle Siegchance hatten, landete Christoph Stephan (Oberhof) als bester Deutscher auf Platz 19.

Der dreimalige Olympiasieger Michael Greis (Nesselwang) wurde 21. "Ich wusste schon am Start, dass da nichts geht", sagte Stephan.

Gold gewann der glückliche Franzose Vincent Jay mit Nummer 6 vor dem Mitfavoriten Emil Hegle Svendsen (Norwegen/Startnummer 10) und Außenseiter Jakov Fak (Kroatien/Startnummer 4).

Jay hatte dann auch dementsprechend gute Laune.

Während der Franzose feierte, sagte der deutsche Bundestrainer Frank Ullrich: "Das war ein irreguläres Rennen, aber wir sind halt eine Outdoor-Sportart und hatten heute kein Glück."

Im Pech wähnten sich auch die deutschen Nordischen Kombinierer.

Nach der Enttäuschung zum Olympia-Auftakt gab es für Tino Edelmann & Co. zwei Tage Sonderurlaub in Vancouver als Therapie.

"Die Jungs sollen abschalten und sich erholen, Einkaufen und Eindrücke gewinnen", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch …

… und ordnete den Umzug vom Berg in Whistler ans Meer an: "Damit wir auf der Großschanze wieder mit frischer Kraft angreifen können."

Die Seelenmassage ist bitter nötig, denn Weinbuchs Medaillenkandidaten hatten die hohen Ziele weit verfehlt. Eric Frenzel landete auf Platz zehn, Tino Edelmann wurde 18. und Björn Kircheisen stürzte auf Position 22 ab.

Auf der Schanze hatte das nötige Windglück und auch ein Stück Können gefehlt. Jason Lamy Chappuis (Frankreich) legte trotz ähnlich schlechter Bedingungen den Grundstein für seinen Olympiasieg. "Wir haben das Ding auf der Schanze vergeigt, alle sind drei Meter zu kurz gesprungen", sagte Weinbuch.

Zwar startete das Trio eine gemeinsame Aufholjagd in der Loipe, aber es reichte nicht mehr zum Sprung nach ganz vorn. "Ich war fast dran, aber dann hat es mir den Stecker gezogen", sagte Kircheisen.

Edelmann fand, dass es "wurscht ist, ob wir 18. oder 8. werden, weil bei Olympia nur Medaillen zählen". Frenzel meinte: "Wir haben jetzt das Pech für diese Spiele abgearbeitet und schauen nach vorn."

Ansonsten aber ist die Stimmung in Vancouver bestens. Ehrlich.

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.